Der Begriff Latenz () geht auf neulateinisch zurück, abgeleitet von lateinisch beziehungsweise . In der Medizin bedeutet Latenz das Verborgensein, die latente Beschaffenheit, die Symptomlosigkeit, das Verstecktsein im Sinn von „Verborgenbleiben der Symptome“ oder ein verborgenes Vorhandensein.

Das Adjektiv „latent“ bedeutet im Allgemeinen verborgen, versteckt, heimlich, unsichtbar, gebunden, unbemerkt und „vorhanden, ohne hervorzutreten“ sowie in der Medizin im Besonderen zusätzlich: inapparent, ohne Symptome verlaufend beziehungsweise „vorhanden, aber nicht erkennbar“ sowie früher „verborgen angelegt, nicht wahrnehmbar, im Individuum ruhend.“

Man spricht in der Medizin zum Beispiel von latenten Blutungen, vom latenten Diabetes mellitus, von einer latenten Epilepsie, von einer latenten Herzinsuffizienz, von einer latenten Psychose, von einer latenten Metastase, von einer latenten Virusinfektion, von latenten Traumagedanken, vom latenten Schielen (Heterophorie) und von der latenten Syphilis (trotz Nachweis von Treponema pallidum). Ähnlich gibt es die Fachbegriffe latentes Bild in der Optik und latentes Leben (zum Beispiel Winterschlaf, Scheintod, Totstellreflex, Kältestarre, Anabiose). Das Antonym zu latent lautet apparent.

In der Medizin werden fünf verschiedene Sachverhalte mit dem Substantiv Latenz bezeichnet. Dabei ist das Wort Latenz oft die Abkürzung für die Latenzzeit. In der Klinik ist zum Beispiel die Latenz einer Infektionskrankheit die Zeitspanne ohne Symptome am Anfang der Inkubationszeit („zeitweises Schlummern von Krankheiten, die ausbrechen können“) noch vor dem Stadium incrementi. einer Insuffizienz die sogenannte Latenzperiode (auch Latenzphase oder Latenzzeit, ) noch ohne Beschwerden im Rahmen der Kompensationsmechanismen. In der Genetik ist die Latenz „die als Inaktivität gedeutete Nichtmanifestation eines im Erbgut vorhandenen Gens.“ In der Neurologie (Sinnesphysiologie) ist die Latenz die Latenzzeit, nämlich das von der Nervenleitgeschwindigkeit peripherer Nerven abhängige Zeitintervall zwischen Reiz (Reizbeginn) und Reizantwort oder zwischen Signal und Antwort (zum Beispiel Muskelkontraktion) beziehungsweise Empfindung (zum Beispiel Schmerz). Es ist durch die Elektroneurographie (EMG) messbar. Während der kindlichen Entwicklung ist die Latenz in der Psychologie die „Entwicklungsphase (sogenannte Latenzphase) zwischen Vorschulalter und Pubertät, in der in der Regel weniger seelische Komplikationen zu erwarten sind, sondern vielmehr die Festigung von Denken, Fühlen und kindlicher Persönlichkeit sowie die Orientierung an der Realität und der Gesellschaft.“ Sigmund Freud sprach von der Latenzperiode. In der allgemeinen Toxikologie ist die Latenz der „symptomfreie Zeitraum zwischen dem Einwirken eines Schadstoffs oder einer krankheitserregenden Ursache (zum Beispiel Gift, Kanzerogen, ionisierende Strahlung) auf einen Organismus und dem Auftreten erkennbarer Symptome beziehungsweise klinisch fassbarer Manifestationen (Vergiftung, maligne Tumoren, Strahlenschäden).“ „Die Latenzphase oder subtoxische Phase geht dann allmählich in die toxische Phase über.“

Der Fachbegriff der Latenz (in der Medizin) findet sich schon 1887 bei Albert Eulenburg: „das Verborgensein einer Krankheit durch Fehlen der für dieselbe charakteristischen Symptome, zum Beispiel Latenz der Syphilis, beim Stillstand oder Rückgängigwerden der Krankheitserscheinungen, trotz des noch vorhandenen und als wirksam anzunehmenden Virus.“ Der Fachausdruck dafür war 1925 Luës latens, heute spricht man zum Beispiel von einer latenten tuberkulösen Infektion (LTBI; ICD-10 A16.9).

Siehe auch Multipler Schlaflatenztest (Einschlaflatenz)

Einzelnachweise

Kategorie:Medizin