Die ecuadorianisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Ecuador und Portugal. Sie unterhalten mindestens seit 1948 diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Ecuador, Diplomatisches Institut des Außenministerium Portugals, abgerufen am 19. Juni 2026

Die heutigen bilateralen Beziehungen gelten als freundschaftlich, wenn auch erst noch am Beginn einer Intensivierung, da bislang bedeutende geopolitische oder historische Berührungspunkte fehlten, trotz ihrer relativen kulturellen Nähe.

Ihr im Wachstum begriffener Warenaustausch und ihre gegenseitigen Diasporas sind die wichtigsten Berührungspunkte, dazu kommt ihr Austausch in Kultur und Sport, und sie sind Partner in einigen internationalen Organisationen, darunter der Iberoamerika-Gipfel und die Lateinische Union.

Geschichte mini|hochkant|Stadtplan von Guayaquil aus dem Jahr 1772: waren es anfangs meist die üblichen Glücksritter ihrer Zeit, auch aus Portugal, so ließen sich seit dem 18. Jh. eher portugiesische Fischer und Seeleute an den fischreichen Küsten Ecuadors nieder. Trotz des portugiesisch-spanischen Vertrages von Tordesillas vom 7. Juni 1494 versuchten eine Vielzahl portugiesischer Händler, Handwerker, Söldner und Künstler im 16. Jahrhundert ihr Glück auch in den Spanien zugewiesenen Teilen Südamerikas, so auch im heutigen Ecuador, wenngleich sie hier weniger zahlreich waren und daher auch sehr viel weniger Spuren hinterlassen haben als in den meisten heutigen Nachbarländern Ecuadors.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 789. Über die Fischerei gelangten im Laufe der Zeiten weitere Portugiesen nach Ecuador, so dass bis heute die zahlenmäßig größten portugiesischen Gemeinden Ecuadors in Guayaquil und anderen Küstenorten, heute aber auch in Cuenca bestehen.Marcelo elogia "capacidade de resistência" da comunidade portuguesa no Equador - „Marcelo (Rebelo de Sousa) lobt "Widerstandsfähigkeit" der portugiesischen Gemeinde in Ecuador“, Artikel vom 16. November 2024 der Online-Zeitung Observador, abgerufen am 19. Juni 2026

Ecuador erkämpfte sich 1821 die Unabhängigkeit von Spanien und blieb zunächst Teil von Großkolumbien, um seit 1830 seine heutige staatliche Unabhängigkeit zu erlangen. Derweil war Portugal seit der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 in Lateinamerika weniger präsent und konzentrierte seine diplomatische Präsenz in wenige Städte dieser Weltregion, so dass es zu keiner nennenswerten Annäherung zu Ecuador kam, das zudem unter einer Reihe Krisen, Bürgerkriegen und bis ins 20. Jahrhundert hinein auch unter zahlreichen Militärputschen litt.

Am 28. August 1948 akkreditierte sich António José Alves Júnior, Portugals Vertreter in der peruanischen Hauptstadt Lima, als erster Botschafter Portugals in Ecuador.

Ein erstes Handelsabkommen zwischen beiden Ländern schlossen sie am 16. Dezember 1976 in Lissabon, dem erst am 30. November 2009 ein nächstes bilaterales Abkommen folgte, das erneut in Lissabon unterzeichnete Abkommen über die gegenseitige Visumfreiheit für diplomatische, offizielle und spezielle Pässe. mini|hochkant|Bilaterales Treffen der Regierungschefs António Costa (Portugal, links) und Guillermo Lasso (Ecuador, rechts) am 19. September 2022, am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Mit den seit 1991 stattfindenden Iberoamerika-Gipfeln, zu deren 22 Mitgliedstaaten auch Ecuador und Portugal gehören, erhielten beide Staaten eine weitere verbindende Kommunikationsebene. Jedoch nahm seit den 2010er Jahren das Interesse vieler Mitgliedsstaaten ab, so dass wieder gezielte bilaterale Treffen und Abkommen stärker benötigt wurden, um ihre noch wenig intensiven Beziehungen zu pflegen.

2019 erklärten Vertreter beider Außenministerien, die am Rande eines Treffens einer multilateralen Kontaktgruppe zur Krise in Venezuela in Quito zusammentrafen, dass Ecuador und Portugal ihre Beziehungen intensivieren möchten. Dazu wolle man möglichst bald einen Mechanismus für regelmäßige hochrangige Konsultationen schaffen, um zunächst vor allem in den Bereichen politischer Zusammenarbeit und Tourismus stärker zu kooperieren. Auch versicherten sie, sich gegenseitig bei ihren Bewerbungen um die jeweiligen nicht-ständigen Mitgliedssitze im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu unterstützen.Ecuador y Portugal expresan interés en estrechar las relaciones en el ámbito político, de cooperación y turismo - „Ecuador und Portugal erklären ihr Interesse an engeren Beziehungen in Politik, Zusammenarbeit und Tourismus“, Mitteilung vom 27. März 2019 des Außenministeriums von Ecuador, abgerufen am 19. Juni 2026

Am 19. September 2022 trafen die Regierungschefs Guillermo Lasso (Ecuador) und António Costa (Portugal) am Rande der UN-Vollversammlung in New York zusammen. Präsident Lasso kündigte dabei an, eine Botschaft in Portugal eröffnen zu wollen und setzte sich für die Einrichtung einer direkten Flugverbindung ein, um den Tourismus zu fördern. Ecuador sei an verbesserten Handelsbeziehungen zu Portugal interessiert, die über die bestehenden Abkommen zwischen Ecuador und der EU hinaus gehen, da Portugal ein besonders potentieller Markt für die ecuadorianischen Exportgüter abseits seiner petrochemischen Produkte sei, insbesondere für Fisch, Meeresfrüchte und Konserven, aber auch Bananen und Blumen.¿Por qué a Ecuador le interesa abrir una embajada en Portugal? - „Weshalb möchte Ecuador eine Botschaft in Portugal eröffnen?“, Artikel vom 27. September 2022 auf der Website der Seehandelskammer Ecuadors, abgerufen am 19. Juni 2026

Im Rahmen seines Besuches des 29. Iberoamerika-Gipfels 2024 im ecuadorianischen Cuenca traf sich Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa auch mit Vertretern der portugiesischen Diaspora in Ecuador, die, auch durch Zuzug von Portugiesen und portugiesischstämmigen Personen aus Venezuela, inzwischen auf gut 700 Personen angewachsen war. Er sicherte ihnen die Aufmerksamkeit Portugals zu und lobte ihre Beharrlichkeit und Zuversicht, die sie sich trotz der sich zuletzt stark verschlechterten Sicherheitslage und Lebensumstände in Ecuador nicht haben nehmen lassen.

Diplomatie mini|hochkant|Portugals Botschafter in Kolumbien, João Manuel Ribeiro de Almeida (links), akkreditiert sich bei Ecuadors Vize-Präsidenten Jorge Glas (Mitte) und Außenminister Ricardo Patiño (rechts), 17. Juli 2013. Ecuador unterhält keine eigene Botschaft in Portugal, sondern ist dort mit seinem Vertreter in der britischen Hauptstadt London doppelakkreditiert. Ein ecuadorianisches Honorarkonsulat ist in der nordportugiesischen Stadt Porto eingerichtet. 2022 äußerte Ecuador erstmals die Absicht, in Zukunft eine eigene Botschaft in Lissabon zu eröffnen (alles Stand Ende 2025).

Portugal unterhält ebenfalls keine eigene Botschaft in Ecuador, das Land gehört zum Amtsbezirk des portugiesischen Botschafters in Kolumbien. In der ecuadorianischen Hauptstadt Quito und der Hafenstadt Guayaquil sind portugiesische Honorarkonsulate eingerichtetListe der konsularischen Kontakte Portugals in Ecuador im Portal des portugiesischen Außenministeriums für Reisende und Auslandsportugiesen, abgerufen am 19. Juni 2026

Migration Aus Ecuador in Portugal mini|Verhandlungsrunde zur Ausarbeitung des ersten ecuadorianisch-portugiesischen Doppelbesteuerungsabkommen (Quito 2012). Portugal wurde in Folge seines Wirtschaftswachstums mit seinen großen, arbeitsintensiven Baumaßnahmen seit den 1990er Jahren auch Zielland für Migranten, auch aus Ecuador, wenngleich diese zu keinem Zeitpunkt zu den zahlenmäßig besonders bedeutenden Einwanderergemeinden in Portugal zählten. Im Jahr 2021 waren 469 ecuadorianische Staatsbürger in Portugal gemeldet, mit 114 die meisten im mittelportugiesischen Distrikt Leiria, gefolgt von Lissabon (94) und der Algarve (57).Offizielle portugiesische Ausländerstatistiken nach Distrikt, (damalige) portugiesische Ausländer- und Grenzbehörde SEF, abgerufen am 19. Juni 2026 Sie sind in Vereinen wie Associação de Damas do Equador em Portugal (auch als Damas Equatorianas em Portugal bekannt, eine Organisation ecuadorianischer Frauen in Portugal) oder der Associação dos Cidadãos Equatorianos Residentes em Portugal bzw. Associação dos Cidadãos Equatorianos Residentes em Lisboa organisiert.

Aus Portugal in Ecuador Seit dem 16. Jahrhundert ließen sich Portugiesen aus den unterschiedlichsten Gründen in Ecuador nieder, ab dem 18. und 19. Jahrhundert verstärkt Fischer und mit Walfang und Fischverarbeitung verbundene Personen, die sich entsprechend an der Küste niederließen. Bis heute sind dort die bedeutendsten Zentren der vergleichsweise kleinen portugiesischen Diaspora in Ecuador zu finden, während in der Hauptstadt die noch viel kleinere portugiesische Gemeinde eher aus Unternehmern oder Wissenschaftlern besteht. Auch in Cuenca besteht heute eine portugiesische Gemeinde, die vor allem aus Guayaquil zuzog. So ist etwa die frühere Leiterin des Orquestra Sinfónica de Guayaquil vielfältig mit Portugal verbunden, die portugiesische Menschenrechts- und Hilfsorganisation IPAV (Instituto Padre António Vieira) ist in Ecuador vertreten, und mit der Gruppe Portugueses no Equador existiert eine informelle Vereinigung der portugiesischen Gemeinde im Land.Só há 700 portugueses no Equador mas são uma “comunidade resistente”, diz Marcelo - „Es gibt nur 700 Portugiesen in Ecuador, aber die sind eine "beharrlich feste Gemeinschaft", sagt Marcelo“, Artikel vom 16. November 2024 des Nachrichtenportals BomDia.eu für die internationale Gemeinschaft der Auslandsportugiesen, abgerufen am 20. Juni 2026Selbstverständnis und internationale Präsenzen des IPAV, Website des Instituto Padre António Vieira, abgerufen am 20. Juni 2026

Im Jahr 2020 stammten 382 Einwohner Ecuadors aus Portugal.Webseite zur portugiesisch-ecuadorianischen Migration beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 19. Juni 20126 Bis zum Jahr 2024 war diese Zahl, auch durch Zuzug von Portugiesen und portugiesischstämmigen Personen aus dem krisengeschüttelten Venezuela, inzwischen auf gut 700 Personen angewachsen. Auch Fälle von aus Portugal zurückgekehrten Ecuadorianern, teils in gemischten Ehen, sind in der Zahl enthalten.

Wirtschaft mini|hochkant|Weidende Milchkälber der El Chaupi Bio-Farm in der Provinz Pichincha: tierische Erzeugnisse bestimmen den größten Teil der Exporte Ecuadors nach Portugal, von wo als größte Warenposten Industrieausstattungen und Konsumgüter nach Ecuador gehen. Das Handelsvolumen zwischen Ecuador und Portugal belief sich im Jahr 2024 auf 109,643 Mio. Euro, mit einem traditionell deutlichen Handelsbilanzüberschuss zu Gunsten Ecuadors von 76,727 Mio. Euro.Statistiken zum Außenhandel mit Ecuador des Gabinete de Estratégia e Estudos im portugiesischen Wirtschaftsministerium, abgerufen am 19. Juni 2026

Dabei exportierte Ecuador Waren und Dienstleistungen im Wert von 93,185 Mio. Euro nach Portugal (2023: 77,943 Mio.; 2022: 85,482 Mio.; 2021: 52,431 Mio.; 2020: 45,654 Mio.; 2019: 33,547 Mio.; 2018: 30,107 Mio.; 2017: 25,806 Mio.; 2016: 18,416 Mio.; 2015: 14,124 Mio.: 2010: 21,906), zu 80,0 % landwirtschaftliche Erzeugnisse, 19,0 % Lebensmittel, 0,7 % chemische Produkte und 0,1 % Bekleidung.

Portugal führte zeitgleich Waren und Dienstleistungen in Höhe von 16,458 Mio. Euro nach Ecuador aus (2023: 25,891 Mio.; 2022: 18,803 Mio.; 2021: 20,488 Mio.; 2020: 12,971 Mio.; 2019: 15,748 Mio.; 2018: 16,351 Mio.; 2017: 14,351 Mio.; 2016: 9,623 Mio.; 2015: 16,977 Mio.; 2010: 7,685 Mio.), davon 20,8 % Maschinen und Geräte, 17,3 % gemeine Metallwaren, 15,8 % chemische Produkte, 10,3 % Schuhe und 8,6 % Papier und Zellulosepaste.

Die portugiesische Außenhandelskammer AICEP unterhält kein Büro in Ecuador, der Kontakt bezüglich Ecuador erfolgt über die AICEP-Verbindung an der portugiesischen Botschaft in der kolumbischen Hauptstadt Bogotá.

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