Die Neuen Stadtschulen sind Privatschulen in der Schweiz mit Standorten in St. Gallen und Zürich. Trägerin ist die Neue Stadtschulen AG mit Sitz in St. Gallen. Das Angebot reicht von der Primarstufe über die Oberstufe (mit Untergymnasium) bis zum Gymnasium. Die Oberstufe ist staatlich anerkannt und erfüllt den Lehrplan 21; das Gymnasium ist autonom organisiert und schliesst mit der Schweizerischen Maturitätsprüfung ab.

Die Schulen folgen einem reformpädagogischen Konzept, das auf individualisiertem, ziel- und kompetenzorientiertem Lernen sowie auf der bewussten Gestaltung der Lernräume beruht. Sie werden von Medien als Beispiele für innovative Schulen erwähnt, die sich zum langfristigen und innovativen Denken in der Bildung verpflichtet haben.

mini|Lernatelier der Oberstufe mit Think-Tanks

Geschichte Die Neuen Stadtschulen gehen auf das Jahr 2014 zurück, als in St. Gallen eine Oberstufe eröffnet wurde. Als Lernort diente eine zu einer Schule umgebaute ehemalige Kirche.

mini|Aussenansicht umgebaute Kirche

Im Sommer 2017 wurde die Oberstufe um ein Gymnasium in St. Gallen ergänzt. 2020 folgte ein Gymnasium in Zürich. 2021 zog das Gymnasium St. Gallen in ein neues Gebäude um.

2023 kam in St. Gallen eine Mittelstufe (Zyklus II) ab der 3. Klasse hinzu. Ab 2026 wird das Angebot zur Primarschule ab der 1. Klasse (Zyklus I) erweitert, sodass am Campus St. Gallen ein durchgängiger Bildungsweg von der 1. Klasse bis zur Matura entsteht.

Gründung und Konzept Die Neuen Stadtschulen wurden von dem Schweizer Schulpionier Peter Fratton und der Unternehmerin Bettina Würth gegründet. Würth ist Beiratsvorsitzende der international tätigen Würth-Gruppe und gründete 2006 in Deutschland die Freie Schule Anne-Sophie.

Die pädagogische Grundidee geht auf Frattons Konzept des „autonomen Lernens in der gestalteten Umgebung“ zurück, das er ab 1980 entwickelte. Auf dieser Grundlage entstanden die „Häuser des Lernens“, die als Vorbild für schulische Reformprojekte gelten.

Die räumliche Gestaltung der Schulen folgt dem Leitgedanken „Der Raum als Pädagoge“; der Umbau der ehemaligen Kirche zur Oberstufe in St. Gallen ist ein bekanntes Beispiel dieser Architekturphilosophie.

Pädagogisches Konzept Das pädagogische Konzept der Neuen Stadtschulen basiert auf vier Urbitten, die Peter Fratton 1980 formulierte:

Erziehe mich nicht – sondern begleite mich (Dialog statt Belehrung) Bringe mir nichts bei – sondern lass mich teilhaben (Partizipation statt Vermittlung) Erkläre mir nicht – sondern gib mir Zeit zu erfahren (Selbsttätigkeit statt Erklärung) Motiviere mich nicht – aber dich (Authentische Begeisterung statt äußere Anreize)

Diese Prinzipien prägen den Unterricht an allen Standorten. An der Primarschule und Oberstufe finden am Nachmittag Praxisprojekte statt, in denen Lerninhalte anwendungsbezogen vertieft werden. Die Schülerinnen und Schüler werden als „Lernpartnerinnen und Lernpartner“ bezeichnet.

Das Schulmodell setzt auf Life Skills und überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Problemlösefähigkeit und Selbstorganisation – entwickelt aus Frattons Konzept des „autonomen Lernens in gestalteter Umgebung“.

mini|Austausch zwischen Lernbegleiter und Lernpartnerin

Primarschule Die Primarschule vermittelt Grundlagen mit individualisiertem Lernen. Die Schülerinnen und Schüler werden als Lernpartnerinnen und Lernpartner behandelt und auf die Sekundarschule vorbereitet.

Oberstufe und Untergymnasium Die Oberstufe bereitet Jugendliche auf ihren nächsten Bildungs- oder Berufsweg vor. Der Unterricht verbindet Theorie und Praxis in Projekten. Der Unterricht wird altersdurchmischt in drei Niveaus (Niveau g, m und e) angeboten; das e-Niveau entspricht dem Niveau eines Untergymnasiums.

mini|Lernatelier mit Blick auf die erhöhten Think-Tanks

Gymnasium Die Gymnasien der Neuen Stadtschulen sind autonom organisiert und nicht staatlich reglementiert, was Flexibilität in Lerntempo und Dauer bis zur Matura ermöglicht. Lernende können die Maturitätsprüfung in kürzerer oder längerer Zeit ablegen, je nach individuellem Tempo.

Der Unterricht folgt einer universitätsähnlichen Struktur mit Input-Sessions und eigenständigem Lernen.

Lernende der Gymnasien können an der Schule oder im Homeoffice lernen. Wöchentliche Coachings begleiten die Lernenden in ihrer Planung und Strukturierung.

Der CoLearning-Space ist der zentrale Ort des Gymnasiums, in dem Lernende diskutieren und individuell oder gemeinsam lernen.

mini|CoLearning-Space Gymnasium St. Gallen

mini|Gemeinsames Lernen im CoLearning-Space im Gymnasium Zürich

Potenzialjahr Das Potenzialjahr ist ein Orientierungsangebot nach der Oberstufe zur Vorbereitung auf Gymnasium, Fachmittelschule oder Lehrstellensuche. Es wird in St. Gallen und Zürich angeboten.

Digitales Lernen Während der COVID-19-Pandemie 2020 ermöglichte das Gymnasium der Neuen Stadtschulen Schülerinnen und Schülern, von zu Hause aus am Unterricht teilzunehmen. Das Angebot basierte auf Videokonferenzen, digitalen Lehrmitteln und Coachings.

Standorte und Bildungsangebot Campus St. Gallen mini|Tischtennis auf dem Campus St. Gallen

Am Campus St. Gallen (Dufourstrasse 76 und 76a) bieten die Neuen Stadtschulen einen durchgängigen Bildungsweg an: Primarschule – Unterstufe (ab 1. Klasse) und Mittelstufe (ab 3. Klasse) – zusammen rund 20 Lernende Oberstufe/Untergymnasium – rund 50 Lernende Gymnasium – rund 50 Lernende Potenzialjahr – Orientierungsangebot nach der Oberstufe mit hybriden Lernmöglichkeiten

Zürich In Zürich (Hohlstrasse 550) führen die Neuen Stadtschulen an: Gymnasium – rund 60 Lernende Sekundarschule ab 9. Klasse Potenzialjahr

Aufnahmeverfahren Vor der Aufnahme können potenzielle Schülerinnen und Schüler eine freiwillige Potenzialanalyse durchlaufen, die einen Fachtest, einen Persönlichkeitstest und weitere Elemente umfasst. Diese Analyse dient zur Unterstützung und zur Klärung, ob das Schulkonzept zur Person passt.

Für aktuelle Informationen zu Kosten und Gebühren verweisen die Schulen auf ihre Website.

Organisation Trägerin ist die Neue Stadtschulen AG mit Sitz in St. Gallen. Die operative Leitung liegt bei der Geschäftsleitung; übergeordnetes Organ ist der Verwaltungsrat.

Anerkennung und Wahrnehmung Die Neuen Stadtschulen werden in überregionalen Medien als Beispiel für innovative Schulen erwähnt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) erwähnt sie im Kontext von Schulreformen und modernen Bildungsansätzen. Während der COVID-19-Pandemie erhielten die Schulen mediale Aufmerksamkeit für ihr flexibles Lernmodell.

Weblinks

Offizielle Website der Neuen Stadtschulen

Bildnachweis Alle Fotos wurden von Vera Hartmann Photography unter der Lizenz CC-BY-SA 4.0 International bereitgestellt.

Einzelnachweise

Kategorie:Privatschule in der Schweiz Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 2014 Kategorie:Bildung in St. Gallen Kategorie:Schule in Zürich