mini|Fabian von Massenbach Fabian von Massenbach (* 28. Juni 1872 in Fraustadt bei Posen; † 19. Mai 1948 in Darmstadt) war ein deutscher Offizier und langjähriger Flügeladjutant des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Seine zwischen 1896 und 1948 in französischer Sprache geführten Tagebücher sind ein herausragendes Zeugnis hessen-darmstädtischer Geschichte dieser Epoche.

Leben Fabian von Massenbach wurde als Sohn des preußischen Landrats Leonhard von Massenbach (1835–1883) und der Marie Forstner von Dambenoy (1838–1908) geboren. Seine Ausbildung im preußischen Militärdienst führte ihn schließlich nach Darmstadt, von wo er Großherzog Ernst Ludwig von Hessen 1902/03 auf seiner Reise nach Indien begleitete. 1905 wurde er Flügeladjutant des Großherzogs und fungierte in dieser Position bis 1918/1919. Nach der Absetzung des Großherzogs blieb er weiterhin in engem Kontakt zur großherzoglichen Familie. Er intensivierte in dieser Zeit aber seine starke Reisetätigkeit durch ganz Europa bis nach Nordafrika, so dass persönliche Begegnungen eher sporadisch waren. Zunächst verurteilte er, der der Demokratie keineswegs ablehnend gegenübergestanden hatte, den Nationalsozialismus, entwickelte sich aber ab den frühen 1930er Jahren zusehends zu einem Sympathisanten dieser Bewegung. Da er 1944 in Darmstadt ausgebombt wurde, zog er zu Ludwig von Hessen und bei Rhein, dem Sohn des letzten Großherzogs, nach Schloss Wolfsgarten. Nach einem Schlaganfall verstarb er in Darmstadt im Alice-Hospital.

Massenbach-Tagebücher Außerordentlichen Wert besitzen die Tagebuchaufzeichnungen, die Massenbach zwischen 1896 und 1948 geführt hat. Angesichts der starken Kriegsverluste an Archivgut und der Vernichtung der großherzoglichen Korrespondenz kommt seinen Aufzeichnungen ein einzigartiger Wert zu. Mit nüchternem, nicht selten boshaftem Blick kommentiert Massenbach darin das Leben am Darmstädter Hof und charakterisiert bedeutende Persönlichkeiten der Adelsgesellschaft. Besonders prägnant sind die Schilderungen seiner Reisen nach Russland, England, Frankreich, Italien, Frankreich, Spanien, Nordafrika und Griechenland. Diese Aufzeichnungen sparen auch nicht mit den intimsten Einblicken in das Leben Massenbachs, so dass sie auch als Chronik des Sexuallebens eines Homosexuellen zwischen Kaiserreich und NS-Diktatur gelten können.

Die Brisanz der Aufzeichnungen und schonungslosen Kommentare belegt, dass die 1948/49 in das Hessische Staatsarchiv Darmstadt gelangten Tagebücher dort lange Jahre sekretiert gelagert und sogar im Nachhinein geschwärzt wurden. Sie stehen ab Herbst 2026 in digitaler Form und angereichert mit einer deutschen Übersetzung im Archivinformationssystem Arcinsys zur Nutzung bereit.

Archivalien Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Literatur Rouven Pons: Geschwärzte Intimitäten. Die Tagebücher des Freiherrn Fabian von Massenbach. In: Archivnachrichten aus Hessen, 2026/1, S. 51–55. Barbara Hauck: Capriolen. Die Männerfreundschaften des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig. Bad Nauheim 2017, S. 176–185

Weblinks Massenbach, Fabian von, Stadtlexikon Darmstadt

Kategorie:Chronist Fabian Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Mann