Gilbert Ramez Chagoury (* 1946 in Lagos) ist ein nigerianisch-libanesischer Unternehmer, Diplomat und Philanthrop.
Herkunft und Ausbildung Gilbert Chagoury gehört zur Gemeinschaft der libanesischstämmigen Nigerianer und wurde als Sohn libanesischer Einwanderer in Lagos geboren. Chagoury ist katholischer Christ. Er besuchte das Collège des Frères Chrétiens im Libanon, bevor er nach Nigeria zurückkehrte, wo er als Schuhverkäufer begann.
Unternehmertum 1971 gründete Chagoury gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Ronald Chagoury die Chagoury Group. Der Konzern ist in zahlreichen Branchen tätig, darunter Bauwesen, Immobilienentwicklung, Mühlenbetriebe, Wasseraufbereitung und -abfüllung, Glasherstellung, Versicherungen, Hotellerie, Möbelproduktion, Telekommunikation, Informationstechnologie, Catering und Finanzdienstleistungen. Er ist an zahlreichen Immobilienprojekten von nationaler Bedeutung beteiligt, darunter der Planstadt Eko Atlantic an der Atlantikküste.
Ende der 1970er-Jahre gründeten Gilbert und Ronald Chagoury außerdem das Bauunternehmen C & C Construction, aus dem später die Unternehmen Hitech und ITB hervorgingen. Diese bilden heute die Bausparte der Chagoury Group.
Im Jahr 2024 vergab der nigerianische Präsident Bola Tinubu das auf rund 11 Milliarden US-Dollar geschätzte Infrastrukturprojekt Lagos-Calabar Coastal Highway an Hitech. Die Vergabe wurde kritisiert, da sie ohne öffentliche Ausschreibung erfolgte und Chagoury seit langem enge Beziehungen zu Tinubu unterhält. Später wurde bekannt, dass Tinubus Sohn Seyi Tinubu im Vorstand eines Unternehmens der Chagoury-Gruppe sitzt. Zudem wurde berichtet, dass Seyi Tinubu gemeinsam mit Ronald Chagoury Jr., einem Sohn Gilbert Chagourys, Anteilseigner einer Gesellschaft auf den Britischen Jungferninseln ist.
Das Vermögen von Gilbert Chagoury und seiner Familie wurde 2013 aufgrund ihrer Beteiligungen an der Chagoury Group auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Diplomatie und Politik Chagoury war als Botschafter und Berater verschiedener Regierungen in Afrika und Amerika tätig. Unter anderem fungierte er als Botschafter von St. Lucia beim Heiligen Stuhl und der UNO, als Wirtschaftsberater des Präsidenten Mathieu Kérékou von Benin sowie als Botschafter bei der UNESCO. 2016 wurde er zum Ritterkommandeur mit Stern des Piusorden ausgezeichnet. 1990 erhielt er bereits den Gregoriusorden von Papst Johannes Paul II.
Chagoury galt als enger Vertrauter des nigerianischen Militärherrschers Sani Abacha, dessen Regierung seine wirtschaftlichen Interessen förderte. Nach Abachas Tod im Jahr 1998 zahlte Chagoury Berichten zufolge rund 300 Millionen US-Dollar an die nigerianische Regierung zurück, um Straffreiheit hinsichtlich möglicher Ermittlungen zu erhalten. Im Jahr 2000 wurde Chagoury in Genf (Schweiz) wegen Geldwäsche und Beihilfe zur kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit den Milliarden Dollar verurteilt, die während der Abacha-Ära aus Nigeria entwendet worden waren. Für Abacha soll er als Verbindungsmann agiert haben und die eigentliche Person hinter seiner Präsidentschaft gewesen sein.
Er zählt außerdem zu den bedeutenden Spendern der Clinton Foundation. Im Jahr 2018 einigten sich Chagoury und zwei seiner Geschäftspartner mit den US-Behörden auf die Beilegung von Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das amerikanische Wahlkampffinanzierungsrecht. Dabei ging es um illegale Spenden an Präsidentschafts- und Kongresskandidaten, darunter den Kongressabgeordneten Jeff Fortenberry. Fortenberry wurde später wegen Falschaussagen gegenüber Bundesbehörden verurteilt und kündigte seinen Rücktritt zum 31. März 2022 an.
Philanthropie Chagoury zählt zu den bedeutenden Förderern des St. Jude Children's Research Hospital in Memphis. Darüber hinaus finanzierte er Gesundheits- und Infrastrukturprojekte in Miziara im Nordlibanon, dem Herkunftsort seiner Familie und der Familie seiner Ehefrau.
Er gehört dem Kuratorium der Lebanese American University an. Dort finanzierte er mit einer Spende von zehn Millionen US-Dollar die Gilbert and Rose-Marie Chagoury School of Medicine sowie mit weiteren 3,5 Millionen US-Dollar den Bau der Alice Ramez Chagoury School of Nursing.
Die Galerie Gilbert et Rose Marie Chagoury im Louvre trägt den Namen des Ehepaars und beherbergt unter anderem von den Chagourys gestiftete französische Kunstwerke.
Darüber hinaus spendete Chagoury mehr als 340.000 US-Dollar für die Renovierung der Kirche Notre-Dame du Liban in Paris. Außerdem unterstützte er den Beverly Hills 9/11 Memorial Garden in Beverly Hills mit einer Spende von 10.000 US-Dollar.
Privatleben Seit 1969 ist Chagoury mit Rose Marie Chamchoum verheiratet. Das Paar hat vier Kinder. 2000 erwarb er eine Villa in Los Angeles, welche er 2017 für 65 Millionen US-Dollar verkaufte, nachdem ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert worden war.
Einzelnachweise
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