Das Kulturgut (Eigenschreibweise KulturGut) ist ein denkmalgeschütztes und kulturell genutztes Gebäudeensemble im Stadtteil VI, Bümpliz-Oberbottigen von Bern in der Schweiz. Es umfasst den Isenschmidhof von 1842, ein Stöckli sowie einen versetzten Speicher von 1749. In den Jahren von 2021 bis 2025 erfolgte eine Gesamtsanierung und der Umbau.
Lage Der Isenschmidhof mit der Adresse «Glockenstrasse 5» steht in der Ortsmitte von Bümpliz in der Baugruppe «Alt Bümpliz». Das Bauernhaus liegt südlich der 1666 erbauten, reformierten Kirche, die als Kulturgut von regionaler BedeutungKategorie B, KGS-Nr.: 17174. unter dem Schutz des Bundes steht. Die dazugehörigen Nebenbauten Stöckli und Speicher liegen östlich des Haupthauses. Die unmittelbare Umgebung stellt einen auf ein Minimum reduzierten, aber wichtigen Grünraum von denkmalpflegerischem Interesse dar. Das Ensemble ist an die neue Fussgängerverbindung «Generationenweg» angeschlossenopenhouse-bern.org: KulturGut Glockenstrasse. Abgerufen am 15. Juni 2026. und gehört zu den «Resten des bäuerlichen Dorfkerns bei der Pfarrkirche» … «mit stellenweise unverbauter Nahumgebung» des verstädterten Dorfs Bümpliz-Bethlehem im Inventar der Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS).Bundesamt für Kultur: Bümpliz-Bethlehem (ISOS 0548). PDF, abgerufen am 15. Juni 2026.
Geschichte und Nutzung Die Besiedlung des Kirchbezirks besteht seit der Römerzeit. Bei der Renovation des zur Bibliothek umgenutzten «Bienzguts» und den Grabungen von 1996 wurde ein vorgängiger Gutshof aus dem ersten bis vierten Jahrhundert mit seinen Fundamentresten teilweise freigelegt. Der Isenschmidhof an der Glockenstrasse 5 wurde 1842 über den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet. Er ist nach der letzten Betreiberfamilie benannt. Nach einem Brand wurde der Ökonomieteil 1908 durch einen überdimensionalen Querbau erweitert.
Das Stöckli wurde ebenfalls um 1840 errichtet. Später wurde es im Osten durch einen jüngeren Querbau erweitert und 1952 durch die Burgergemeinde der Stadt Bern in eigener Rechnung zum Wohnstock umgebaut. Zeitweise war die Schmiede des Dorfs Bümpliz dort beheimatet. Der Speicher von 1749 wurde 1924 an den Standort «Glockenstrasse 5b» versetzt. Er erhielt verschiedene Anbauten, die in den 2020er-Jahren wieder beseitigt wurden.
Die ARGE der Architekten Philippe Urech und Overhage & Roggo erhielt 2020 den Auftrag der Stadt Bern zur Gesamtsanierung des Ensembles, die mit den Umbauten zum soziokulturellen Zentrum bzw. «KulturGut» von 2021 bis 2025 durchgeführt wurde.
Die Gebäude gelten als Zeugen des ehemals bäuerlich geprägten Dorfs Bümpliz und wurden als schützenswert (Hof und Speicher) bzw. erhaltenswert (Stöckli) in das Bauinventar der Stadt Bern eingetragen.
Beim Umbau blieben bestehende Wohnungen erhalten. Im Erdgeschoss des Haupthauses entstanden eine Kaffeebar, die als inklusiver Ort von Menschen mit und ohne Behinderung bewirtschaftet wird sowie der «Kunstraum Bern Bümpliz», der seit 2024 jährlich vier bis sechs Gruppenausstellungen mit Werken von jungen Künstlern oder Arbeiten aus künstlerischen Nachlässen sowie zeitgenössische Videokunst zeigt. Im ehemaligen Ökonomieteil wurden elf Wohn- und Arbeitsateliers für Kulturschaffende eingerichtet. Daneben gibt es Gemeinschaftsräume wie Essküchen und Loungebereiche. Für Veranstaltungen und Anlässe sind Hochtenn sowie ein Vereinslokal für den Stadtteil VI als Raum für kleine Versammlungen und Workshops vorhanden. Der Hofraum dient gemeinschaftlichen Zwecken.stiftungb.ch: KulturGut, Glockenstrasse 3–5b. Abgerufen am 15. Juni 2026.
Die Räume von Stöckli und Werkstatt werden neben Wohnzwecken durch ein Dienstleistungsunternehmen im Kulturbereich sowie ein Tonstudio genutzt.
Beschreibung mini|Der Isenschmidhof vor Sanierung und Umbau, 2020 Der zweigeschossige Isenschmidhof ist ein stattlicher Riegbau mit «imposanter» Ründi unter einem Krüppelwalmdach. Die fünfachsige Hauptfassade ist nach Südosten orientiert sowie symmetrisch und achsentreu befenstert. Die Fundamente des Vorgängerbaus waren dagegen nach Südwesten ausgerichtet. Die Bemalung des Riegwerks ist grau, die der Ausfachungen in ockergelb. Im Ründifeld des Dachgeschosses sind das Wappen des Dorfs Bümpliz und die Darstellung eines Schmieds sowie das Baujahr 1842 aufgemalt. Die breiten, seitlichen Lauben des Gadengeschosses zeigen aufgemalte florale Symbole.
Der sehr gross dimensionierte Ökonomieteil wurde 1908 in Rieg und Sichtbackstein erweitert. Sein Viertelwalmdach ist nach Südwesten und Nordwesten orientiert. Zum Hochtenn führt im Südwesten eine Auffahrt. Beim Umbau wurden innerhalb der drei hohen Geschosse des Heustocks fünf Geschosse mit elf Ateliers und weiteren Räumen als hölzerne Raumkuben zwischen den tragenden Elementen eingefügt. Zur Belichtung der neuen Räume wurde nach einer historischen Analyse die Ostfassade, entsprechend der Nordfassade, mit Holzlamellen geöffnet. Die hochrechteckigen Lüftungsöffnungen der Westfassade wurden zu Fenstern und um weitere Fensteröffnungen ergänzt. Ein Aufzug gewährleistet hindernisfreien Zugang zu nahezu allen Bereichen. Die erhaltene Hochzufahrt ermöglicht Anlieferungen, der überdachte Bereich ist für Anlässe geeignet.
Der Speicher ist ein Bohlenständerbau unter einem geknickten Viertelwalmdach und gilt als «Zeuge hohen zimmerhandwerklichen Könnens». Seine Giebellaube und die umlaufende Laube im Dachgeschoss werden durch Aussentreppen an der Nordwestseite erschlossen. Die Abhänglinge der Freibüge sind «vorzüglich» konturiert. Die Inschrift am Türsturz des Obergeschosses nennt Bauherr und Baujahr: «Hans Hausammann 1749».
Das «behäbige» Stöckli diente später als Ofen- und Waschhaus sowie Remise. Das Erdgeschoss ist massiv in Sandsteinquaderwerk, Ober- und Dachgeschoss sind in Rieg ausgeführt. Die seitlichen Lauben des Obergeschosses werden durch Aussentreppen erschlossen. Die nach Süden orientierte Fassade zeigt ein Korbbogenründi mit einer Abstützung durch gekrümmte und zeittypisch gerippte Bügen. Die Eindeckung des Viertelwalmdachs ist mit Biberschwanzziegeln ausgeführt. Die jüngere Werkstatt im Osten wurde mit Sichtbackstein angebaut.
Siehe auch Liste der Kulturgüter in Bern/Bümpliz-Oberbottigen
Weblinks
stiftungb.ch: KulturGut, Glockenstrasse 3-5b.
Belege
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