mini|Paul Hoffmann Paul Moritz Hoffmann (* 27. August 1845 in Freiberg; † 20. Februar 1921 in Lübeck) war Direktor der lübeckischen Ernestinenschule und Mitglied der Bürgerschaft.
Leben Herkunft Sein Vater, Ewald Friedrich (* 1808 in Stolpen; † 1875 in Dresden), war ein bedeutender sächsischer evangelischer Theologe, Kirchenbeamter und Superintendent, der maßgeblich in Freiberg wirkte. Seine Laufbahn führte ihn von einfachen pfarramtlichen Tätigkeiten bis in die höchsten Kirchen- und Schulbehörden des Königreichs Sachsen.
Hoffmann wurde nach Ewald Alexander Hoffmann als zweiter Sohn des Pastors von St. Nikolai in Freiberg geboren.
Laufbahn Nach dem Besuch der Bürgerschule in Leipzig, des Nikolaigymnasiums und der Fürstenschule in Grimma bezog Hoffmann zu Ostern 1866 die Universität Leipzig. Hier hörte er neben dem Studium der Theologie und Pädagogik auch Geschichtliche Kollegien. Sein Staatsexamen hatte er 1870 bestanden. Bis 1871 war er zuerst in Tangstedt dann in Ahrensburg als Hauslehrer. Ab Michaelis 1871 war er Privatlehrer in Hamburg bevor er 1874 als Pastor nach Oberreißen in Thüringen berufen wurde.
Im Februar 1879 gab Dr. phil. E. J. Ernst seines leidenden Gesundheitszustands wegen die Direktion der Ernestinenschule zu Ostern auf. Zu seinem Nachfolger wurde der Pastor berufen. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 21. Jahrgang, Nummer 20, Ausgabe vom 9. März 1879, S. 115. Carl Friedrich Wehrmann: Zur Richtigstellung. In: Lübeckische Blätter, 21. Jahrgang, Nummer 21, Ausgabe vom 12. März 1879, S. 120.
Im April 1895 wurde der Direktor auch vom Vorstand des Seminars für Volksschullehrer zum Vorsitzenden erwählt und übernahm somit dessen ehrenamtliche Oberleitung. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nummer 28, Ausgabe vom 7. April 1895, S. 200. Die zu diesem Zeitpunkt noch private Ernestinenschule wurde zu Ostern 1900 unter dem Namen „Ernstinenschule (Staatliches Lyzeum mit Oberlyzeum)“ verstaatlicht. Unter seiner Leitung erweiterte sich die Anstalt derart, dass vier Jahre später das von Baudirektor Johannes Baltzer erschaffene repräsentative neue Gebäude am Geibelplatz, in der Kleinen Burgstraße 24–26, bezog. 1902 wurde sie durch ein mit der Höheren Mädchenschule organisch verbundenes Seminar für Lehrerinnen an mittleren und höheren Schulen erweitert. 1903 wurde das ursprüngliche Roquettesches Lehrerinnenseminar geschlossen. Der Senat betraute am 24. Mai 1902 Albin Möbusz an der Ernestinenschule mit der Aufgabe, die pädagogische Ausbildung in deren neu eingerichtetem Seminar zu organisieren. Auf Grundlage dessen vielseitigen Vorbildung und seiner Tätigkeit an der Ernestinenschule ernannte der Senat ihn zum 1. Oktober 1903 zum ersten hauptamtlichen Direktor des Lübeckischen Lehrerseminars.
Auf der Generalversammlung des lübeckischen Gustav-Adolf-Vereins am 3. November 1886 wurde an Stelle des statutenmäßig aus dessen Vorstand scheidenden Hoffmann Paul Wibel erwählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 28. Jahrgang, Nummer 89, Ausgabe vom 7. November 1886, S. 588.
1890/91 war die Zahl der Schülerinnen von 216 im Vorjahr auf 231 zum Ende des Jahres gestiegen, wobei 15 die Schule im Laufe des Jahres verlassen hatten. Vier Absolventinnen sollten im Anschluss das Lehrerinnenseminar von Amélie Roquette besuchen.Theodor Hach: Ernstinenschule. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nummer 26, Ausgabe vom 1. April 1891, S. 155–156. Im Folgejahr beschloss die Vorsteherschaft, dass man auf dem hinter dem Garten gelegenen bisher vermieteten Teil des Schulgrundstückes eine eigene Turnhalle errichten wird.312.: Ernestinenschule. In: Lübeckische Blätter, 34. Jahrgang, Nummer 29, Ausgabe vom 10. April 1892, S. 174–175.
Seit 1892 war Hoffman beratendes Mitglied vom Rat der Kirche. Dies blieb im 1895 neu einzusetzenden Kirchenrat der Fall,Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nummer 5, Ausgabe vom 16. Januar 1895, S. 28. Zum 16. Januar 1903 schied er bei der Wahl der Mitglieder für die nächsten sechs Jahre aus.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 45. Jahrgang, Nummer 4, Ausgabe vom 23. Januar 1903, S. 55. Als Vorsitzender der St. Petri-Gemeinde gehörte er längere Zeit der Synode an.
Am 10. April 1904 feierte Hoffmann sein 25. Dienstjubiläum. Eine im Kollosseum Eltern und Schüler mit dem Lehrerkollegium vereinigende Feier gab der Wertschätzung Ausdruck.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 47. Jahrgang, Nummer 16, Ausgabe vom 17. April 1904, S. 254. Das künstlerisch ausgeführte sich im Treppenhaus der Schule befindende Bildnis von ihm wurde zu seinem Jubiläum von dankbaren Schülerinnen gestiftet und der Schule gewidmet.
Im Februar 1911 versetzte der Senat Hoffmann auf seinen Antrag hin zum 30. September in den Ruhestand.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 53. Jahrgang, Nummer 8, Ausgabe vom 19. Februar 1911, S. 123.
Als der Krieg ausbrach und viele Lehrer der Anstalt ins Feld zogen, wurde der hoch geschätzte Pädagoge wieder reaktiviert. Hoffmann nahm seine volle Tätgkeit wieder auf und wirkte auch später noch aushilfsweise.
Politik Am 20. Februar 1884 konstituierte sich in der im großen Casinosaal abgehaltenen Versammlung für die bevorstehende Reichstagswahl das liberale Reichstagskomitee. Pastor Hoffmann wurde zum zweiten Stellvertreter des Komitees designiert.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 26. Jahrgang, Nummer 19, Ausgabe vom 5. März 1884, S. 120.
Auf der am 16. November 1884 durch gemäßigt liberale Wähler aus Stadt und Land stattgefundenen Konstituierung des „Reichsvereins“ wurde Schulvorsteher Hoffmann zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 26. Jahrgang, Nummer 96, Ausgabe vom 30. November 1884, S. 588. In den feierlich geschmückten Räumen des Kolosseums veranstaltete der Verein am 26. Januar 1895 eine Vorfeier. In seiner dortigen Rede führte Hoffmann aus, dass die beiden Gedenktage, der 18.Wilhelm I. von Preußen wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert. Diesen Titel hatte er seit der deutschen Verfassung vom 1. Januar. und 27. Januar,Am 27. Januar war der Kaisergeburtstag eng miteinander verknüpft waren. Ein deutsches Reich und einen deutschen Kaiser machten seinerzeit den Grundton ihres Fühlens aus. Deshalb gelte es zudem die Errungenschaften des letzten Krieges zu wahren. Des Weiteren sei dem Kaiser auch dafür zu danken gewesen, dass der Altkanzler nicht in Ungnade lebe.Friedrich Bruns: Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nummer 9, Ausgabe vom 30. Januar 1895, S. 50–51.
mini|Bürgerschaft In den vier Wahlbezirken der Stadt nebst den drei Vorstädten waren 1891 30 Vertreter zu erwählen. Hierfür wurden seitens des Vaterstädtischen Vereins aufgrund der Beschlüsse in der Quartiersversammlungen Kandidaten vorgeschlagen. Seit der Wahl von 1885 war Hoffmann Mitglied der lübeckischen Bürgerschaft. In jenen Jahren ging von Friedrich Wilhelm Schwartzkopf die Idee aus, an Stelle des alten unbenutzten Holzstalles im Rathaus ein Treppenhaus und einen Bürgerschaftssaal zu erbauen. 1891 trat Hoffmann nicht mehr an.312.: Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nummer 45, Ausgabe vom 7. Juni 1891, S. 270–271.
Auf dem Deutschen Abend. am 13. November 1901 merkte deren Vorsitzender Colmar Schumann an, dass die deutschen Brüder in Böhmen, durch Tschechentum und Ultramontanismus bedrängt, der kräftigen Unterstützung der Reichsdeutschen bedürften. Dies sei eine Hauptaufgabe des deutschen Schulvereins. Hoffmann berichtete hierauf über seine Eindrücke, die er bei seiner sommerlichen Ferienreise über den Stand und die Bedeutung der Los-von-Rom-Bewegung erhalten hatte. Im Juli hatte er der durch seinen Schwager Oberkonsistorialrat Franz Dibelius in Dresden vollzogenen Weihe der neuerbauten Erlöserkirche in Karbitz beigewohnt. Der daraufhin von Johannes Evers gemachte Vorschlag, nach dem Vorbild anderer deutscher Städte auch in Lübeck einen Hülfs-Ausschuss für die evangelische Bewegung ins Leben zu rufen, fand allgemeine Zustimmung.851.: Deutscher Abend. In: Lübeckische Blätter, 44. Jahrgang, Nummer 46, Ausgabe vom 17. November 1901, S. 585–586.Eduard Hach hatte eine Schlüsselliste zwischen den Autoren und deren Chiffren in den Lübecker Blättern. Ab 1894 ist diese nach und nach nur noch sporadisch weitergeführt worden. Für die Chiffre 851. ist kein Autor mehr hinterlegt worden.
Familie Hoffmann heiratete Emma Gustava Friederike Elisabeth, geborene Boldemann, am 14. November 1874 in Hamburg. Ihre Schwester Johanna heiratete den späteren lübeckischen Senator Hermann Deecke. Ihr in Norwegen tätiger Vater, Georg Boldemann, ertrank bei einer Havarie zweier Schiffe vor Kristiansand.Tagesbericht. In: Hamburger Nachrichten. 19. September 1855, S. ; Nicht Amtlicher Theil. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 19. September 1855, S. 1, (Digitalisat)
Das Paar erhielt zwei Söhne und drei Töchter, ehe seine Frau schon am 7. Mai 1895 verstarb.Paul Moritz HOFFMANN, auf gedbas.genealogy.net
Schulärztefrage Im Gegensatz zu seinen hanseatischen Schwesterstädten Hamburg und Bremen, jene hatten die Anstellung von Schulärzten längst beschlossen, erörterte Lübeck 1906 noch immer die Schularztfrage. Lediglich die Berenend-Schrödersche (Taubstummen)-Schule besaß in der Person des Physikus einen Arzt, dessen Tätigkeit etwa der eines Schularztes anderer Städte entsprach. In Lübeck war in allen wichtigen Fragen das MedizinalkollegiumDas Medizinalkollegium in Lübeck war eine historische Medizinalbehörde, die die Aufsicht über das Gesundheitswesen der Hansestadt führte. Es wurde im Jahr 1811 (während der französischen Besatzungszeit als Jury médicale) ins Leben gerufen und nach dem Ende der Franzosenzeit im Jahr 1814 als ständige städtische Einrichtung etabliert. zu hören und bei Klagen über Missstände beauftragte man den Physikus mit deren Untersuchung. Auf die Schulen verteilte mit allen ihren Einrichtungen vertraute Schulärzte, die für die Anwendung der hygienischen Vorschriften sorgten und für die Abstellung von Missständen die vorgesetzte Behörde informierten, gab es nicht.