mini|Yvonne de Rothschild Yvonne Lydia Louise de Rothschild (geborene Yvonne Lydia Louise Cahen d’Anvers am 26. August 1899 in Champs-sur-Marne, Île-de-France; gestorben am 6. Januar 1977 in London) war ein Mitglied der Familie Rothschild.
Leben mini|Yvonne und Anthony de Rothschild Yvonne Lydia Louise Cahen d’Anvers wurde am 26. August 1899 als Tochter des aus Paris stammenden Obersts Robert Cahen d’Anvers und seiner aus St. Petersburg stammenden Frau Sonia Warschawsky geboren. Yvonne Cahen d’Anvers lebte mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Renée während des Ersten Weltkriegs in England, während ihr Vater im aktiven Dienst in der Armee war. Dort hielten sie sich in den Grafschaften Norfolk, Devon und Cornwall auf. Mit ihrer Schwester arbeitete sie auf Bauernhöfen, um als Beitrag zu den Kriegsanstrengungen bei der Ernte zu helfen. Wie auch ihre Mutter zuvor, machte sie danach eine Ausbildung beim „Voluntary Aid Detachment“, einem freiwilligen Sanitätsdienst. Danach arbeitete sie ab 1918 in einem Genesungsheim für Soldaten in Torquay.
Nach dem Krieg lebte sie das Leben der gehobenen Oberschicht. Sie war begeisterte Reiterin und interessierte sich für die Jagd, liebte das Autofahren und mehrere prestigeträchtige Fahrzeuge, darunter einen Rolls-Royce, einen Bugatti und einen Hispano-Suiza. In der gehobenen Gesellschaft lernte sie im Februar 1926 auf einem Abendessen Anthony Gustav de Rothschild aus der Bankiersfamilie Rothschild, den Sohn von Leopold de Rothschild und Marie de Rothschild, kennen. Am 10. Juni 1926 heirateten sie und nach der Hochzeit lebten sie auf ihrem Anwesen in der Hill Street, nahe dem Berkeley Square in London. Ab 1937 auch in Ascott und im Palace House in Newmarket.
Engagement während des Zweiten Weltkriegs Yvonne de Rothschild erkannte in den 1930er Jahren, welche Auswirkung die politische Lage in Europa auf die jüdischen Glaubensgenossen haben würde und so engagierte sie sich wie auch ihr Mann auf praktische Weise für das Gemeinwohl. Sie übernahm im Herbst 1933 den Vorsitz einer Organisation, die sich der Unterstützung deutsch-jüdischer Frauen und Kinder widmete. In dieser Funktion als Vorsitzende des „Women’s Appeal Committee for German Jewish Women and Children“ schrieb sie im Dezember 1933 an die Zeitung The Times und bat die Leserinnen und Leser um Spenden, damit eine sichere Ausreise von 530 deutsch-jüdischen Kindern nach England und Palästina organisiert werden könne. Um die finanzielle Organisation durchführen zu können, war bereits Anfang 1933 von Yvonne und Anthony de Rothschild, Leonard G. Montefiore, Otto Schiff und weiteren führenden Vertretern der jüdischen Gemeinschaft der „Central British Fund for German Jewry“ gegründet worden. Mit den Geldern sollten Juden in Deutschland unterstützt werden. Als einer der Präsidenten fungierte Lionel de Rothschild (1882–1942) und Anthony de Rothschild war der Vorsitzende des Spendenkomitees. Die Arbeit des Komitees zur Unterstützung jüdischer Opfer rassistischer und religiöser Verfolgung sowie jüdischer Flüchtlinge fand in den Räumen des Büros der Rothschild Bank am New Court statt.
Um einen Beitrag zum Schutz von Kunstwerken und Menschen zu leisten, stellten die Rothschilds ihr Haus in Ascott für Kriegszwecke zur Verfügung. Dort wurden vierzig Kisten mit wertvollen Kunstschätzen aus Londoner Museen und Synagogen eingelagert und ab 1941 zogen die Bewohner des Royal Hospital Chelsea, die sogenannten „Chelsea Pensioners“ und deren Pflegepersonal dort ein, nachdem deren Einrichtung durch Bombenangriffe zerstört worden war. Das Haus wurde für diese Zwecke komplett umgestaltet. In prachtvollen Räumen wurde ein Operationssaal, Lagerräume für den Pflegebedarf und Krankenstationen eingerichtet. Das Ehepaar Rothschild selbst wohnte bis 1946 in einem Cottage auf dem Anwesen, und als die deutsche Invasion Englands drohte, schickten sie ihre Kinder nach New York. Selbst blieben sie in London. Anthony de Rothschild leitete tagsüber die Geschäfte der Rotschildbank in New Court und kümmerte sich dort auch um weitere Unterstützung, nachts diente er in der „Home Guard“ seines Bezirks. Yvonne de Rothschild arbeitete in einer nahe gelegenen Fabrik und war als Fahrerin tätig, um die Mitglieder der „Home Guard“ nachts zu ihren jeweiligen Wachposten zu bringen.
Späte Jahre Ihr Engagement setzte Yvonne de Rothschild auch nach dem Krieg fort. Sie wurde 1946 in den Gemeinderat der Gemeinde Buckinghamshire und 1948 zur Friedensrichterin gewählt. Diese Ämter legte sie erst 1970 nieder. Sie war in dieser Zeit maßgeblich am Bau von Arbeiterhäusern und Cottages im Dorf Wing beteiligt. Sie übernahm den Vorsitz des Women's Institute und der Women's British Legion in ihrer Region. Nach dem Tod von Anthony de Rothschild lebte sie in Ascott in einem Cottage auf dem Anwesen. Dort starb Yvonne de Rothschild am 6. Januar 1977.
Nachkommen Mit Antohny Gustav de Rothschild hatte sie drei Kinder:
Renée Louise Marie de Rothschild (1927–2015) Anne Sonia de Rothschild (1930–1971) Evelyn Robert Adrian de Rothschild (1931–2022)
Weblinks
Einzelnachweise
⚭Yvonne Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Frau