mini|Ansicht 1915 Das Astoria ist ein 1857 errichteter ehemaliger Gasthof mit Ballsaal in Dresden. Zwischen den 1920er Jahren und 1973 diente es als Kino. Es befindet sich in der Leipziger Vorstadt auf der Leipziger Straße 58.

Geschichte 1619–1930 Stadt Bremen mini|Ansicht 1920 Das Gebäude in Neudorf, einer vorstädtischen Siedlung von Dresden, wurde 1619 erstmals als Gasthaus Stadt Bremen urkundlich erwähnt. 1857 wurde ein Neubau als Tanzpalast „Stadt Bremen“ errichtet und als solcher bis Anfang der 1920er Jahre betrieben. Wohl 1928 baute man den Saal im Obergeschoss zum Kino mit etwa 200 Sitzplätzen um und ließ die Saalfenster verschließen. Zunächst hieß es ab 1928 Lichtspielhaus Stadt Bremen, erhielt aber bereits 1930 den Namen Astoria-Lichtspiele.

1930–1973 Astoria Im Kino wurden bis zum 7. Mai 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee, Filme gezeigt. Bis auf geringe Schäden im Innenraum überstand das Kino den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet. Es gehörte zu den ersten Dresdner Kinos, die ab dem 26. Mai 1945 wieder Filme zeigen konnten.

Ein Inventarverzeichnis vom 23. April 1949 enthält den Theaterbau mit zwei Teilwohnungen, die Gaststätte, vier Läden, zwei Werkstätten, eine Vulkanisieranstalt, 20 Garagen und fünf Wohnungen. Im Oktober 1945 war das Eigentum an den Rat der Stadt Dresden übergegangen und verblieb dort bis Jahresende 1947. 1948 übernahm das Sequester der Landesregierung das Haus und übergab es im Januar 1949 an die Vereinigung Volkseigener Lichtspieltheater Sachsen. Familie Scheibe als Eigentümer bis 1945 wurden damit enteignet.

Der Dresdner Wolfgang Roder (1924–2014) schrieb im Jahr 2002 seine Kindheits-Kinoerinnerungen auf: „Aus der Stadtmitte kommend, standen an der Ecke Moritzburger Straße die Astoria-Lichtspiele, im Volksmund das „Astloch“ genannt. Zu den Kindervorstellungen, Eintritt 15 Pfennige, wurden Stumm- und Tonfilme gezeigt. Ich erinnere mich an „Pat & Patachon“, auch „Dick und Doof“ genannt. Besonders aufregend war „Die Schlacht am blauen Berge“ mit Buffalo Bill. Musikalisch wurden die Filme meist von einem Klavierspieler begleitet. Um die Luft in dem kleinen Saal zu erfrischen, wurden mit Sauerstoff angereicherte Düfte versprüht. In den Pausen konnte man Drops oder auch die beliebten Nappos, ein Stück mit Honigmasse überzogene Schokolade, für ein paar Pfennige kaufen.“Erschienen in: Die Nordwest-Rundschau, 3. Jg. 2008, Nr. 6, Dezember 2008, S. 2.

Bis 1973 liefen im Astoria Filme, ab etwa 1966 fungierte das Kino als Filmkunsttheater und zeigte unter anderem das CAMERA-Programm des Staatlichen Filmarchivs der DDR.Wieland Becker und Volker Petzold: Tarkowski trifft King Kong. Geschichte der Filmklubbewegung der DDR. Berlin 2001. S. 110. ISBN 3-89158-309-5.

1978–2025 Probenbühne und Restaurant mini|Ansicht 2007 Zwischen 1978 und 1993 nutzte das Staatsschauspiel Dresden die Räume als Probebühne. Das Gebäude wurde 1993 verkauft und saniert.

Am 10. August 1996 wurde der Saal als Tanzschule für lateinamerikanische Tänze wiedereröffnet. Zwischen 2009 und 2021 befand sich im ehemaligen Astoria ein chinesisches Restaurant. Auch eine Karaoke-Bar zog im Erdgeschoss ein.

Ab 2026 Astoria mini|Ansicht 2025 Ende 2025 übernahm die PAN Veranstaltungslogistik und Kulturgastronomie GmbH, Betreiberin unter anderem der Filmnächte am Elbufer, das Haus. Nach der Sanierung soll es als multifunktionales Kulturstudio Kino, Bühne, Bar und kreative Produktionsräume verbinden. Die Umbaukosten werden auf 500.000 bis 750.000 Euro geschätzt.

Beschreibung Während der Nutzung als Ballsaal war dieser in Graublau gestrichen und hatte goldene Stuckelemente. Der Dachstuhl hat eine sogenannte Engelsstatik, bei der die Zapfen der Dachbalken in der Mitte des Raumes liegen.

Das Gebäude ist nach drei Seiten freistehend und liegt, im Gegensatz nach anschließenden Bebauung direkt an der Straßenkante. Damit wurde in den 1950er Jahren der Einbau eines Arkade für den Fußgängerverkehr im Erdgeschossbereich notwendig.

Das Äußere des schlichten, zweigeschossigen Gebäudes wird von den großen, rundbogigen Ballsaalfenstern im Obergeschoss dominiert. Durch eine Lisenengliederung werden die Fenster in Gruppen zusammengefasst. Die rechteckigen Fenster im Erdgeschoss wurden trotz des Einbaus einer Arkade beibehalten. Während der Sanierung Anfang der 1990er Jahre wurde an der Rückseite eine Außentreppe zur Erschließung angebracht.

Der Saal im Obergeschoss hat eine Fläche von 18 × 12,5 × 5 Metern und bot 1945 Platz für 400 Gäste, 1958 noch für 370 Besucher.

Einzelnachweise

Literatur Frank Apel: Dresdner Kinokultur in den siebziger und achtziger Jahren. In: Dresdner Hefte 82, Dresdner Geschichtsverein e. V., 2005, ISBN 3-910055-76-1.

Weblinks

Das Astoria auf den Seiten der Filmnächte Historische Fotos auf den Seiten der Deutschen Fotothek Artikel im Stadtwiki Dresden

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