Der blaue Planet ist ein Science-Fiction-Roman von Carlos Rasch. Die Erstausgabe erschien 1963 im Verlag Das Neue Berlin in der DDR, eine gekürzte Ausgabe 1968 als Band 17 der westdeutschen Heftromanreihe Terra Nova. Die Illustrationen der Erstausgabe stammen von Hans Räde.
Handlung Gegenwart um 1962. Ein namentlich nicht genannter Flugpassagier liest eine Zeitung mit einer ADN-Nachricht aus Moskau. Der sowjetische Mathematiker und Physiker Matest Agrest hat die Hypothese aufgestellt, dass die Erde zum Beginn der menschlichen Zivilisation Besuch von außerirdischen Raumfahrern gehabt haben könnte. Darauf weisen Tektite in der Libyschen Wüste hin sowie die Terrassen von Baalbek im Anti-Libanon. Die dortigen riesigen Steinblöcke könnten als Start- und Landeplatz unbekannter Kosmonauten gedient haben. Das Flugzeug startet. Der Passagier schläft offenbar ein…
Das kreiselförmige Raumschiff KUA befindet sich unter dem Kommando von Gohati auf einer Mission aus dem Zentrum der Galaxis in die Peripherie eines Spiralnebels, um persönlichen Kontakt zu den Teloiden aufzunehmen, zu denen bereits Funkkontakt besteht.
Die KUA stammt vom Planeten Heloid. Die Heloiden sind humanoid, Veganer und Atheisten und beherrschen die Raumfahrt mit nahezu Lichtgeschwindigkeit, so dass sie das Phänomen der Zeitdilatation ausnützen können. Die Besatzungsmitglieder sind sich bewusst, dass bei ihrer Rückkehr nach Heloid aus ihrer Generation niemand mehr leben wird.
Als bei dem Besatzungsmitglied Azul die so genannte Raumangst auftritt und auch noch der Navigationskreisel ausfällt, entschließt sich die Besatzung auf dem dritten Planeten der Sonne Sil zu landen. Sie ist nach dem gleichnamigen Besatzungsmitglied benannt. Auf dieser Welt soll der Kreisel repariert und der Besatzung eine Art Urlaub gegönnt werden, um sich von dem bisherigen Raumflug zu erholen. Erstaunt stellen die Heloiden fest, dass der Planet zu einem großen Teil von Wasser bedeckt ist und bläulich schimmert. Sie nennen ihn daher den blauen Planeten.
Die KUA verfügt über mehrere Beiboote wie die Landungsrakete Atomicer, die Erkundungsrakete Weißer Pfeil, eine Art überschlanke Spindel, und einen Ringflügler sowie Bodenfahrzeuge wie den Durug, ein gepanzertes Kettenfahrzeug und die Tepis, Geländewagen mit Flügeln. Die Atemluft des Planeten ist für die Heloiden nicht atembar, so dass sie Skaphander tragen müssen.
Während die KUA auf dem Toten Meer landet und dort aufschwimmt, erkunden andere Besatzungsmitglieder die Umgebung im Raum östliches Mittelmeer/Zweistromland. Sie treffen auf den Boten Ia-du-lin, einem Gesandten des Fürsten En-mer-kar. Ia-du-lin hält den Piloten Sil für einen „Himmelssohn“, konkret der Göttin I-na-nua.
Die Heloiden nehmen Kontakt zu den Erdbewohnern auf, müssen aber feststellen, dass sie die „Menschenwesen“ nicht von ihrem Götterglauben abbringen können. Azul desertiert sogar kurzfristig, um Sklaven zu befreien, die mit ihrem verstorbenen Herrn lebendig begraben wurden. Doch lediglich Ia-du-lin lässt sich von den Heloiden davon überzeugen, dass die scheinbaren Götter Raumfahrer sind.
Ia-du-lin will dieses Wissen jedoch für sich persönlich und nicht zum Wohle der Menschheit ausnutzen. Mit Hilfe der heloidischen Technik möchte er sich zum Herrscher aufschwingen. Als die KUA entgegen seinen Erwartungen überraschend starten muss, gerät er in Panik und versucht, der Ingenieurin Tivia ihre Strahlwaffe zu entreißen. Im Nahkampf richtet sich die Waffe jedoch gegen ihn und er stirbt, als die Waffe aus Versehen ausgelöst wird.
Die KUA startet. Es bleibt offen, ob sie ihren Flug zu den Teloiden fortsetzt oder nach Heloid zurückkehrt. Es ist daher möglich, dass die KUA eine Radiobotschaft nach Heloid geschickt hat und somit dort die Existenz der Erde bekannt ist. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass in einigen Jahrtausenden die Erde von heloidischen Raumschiffen Besuch bekommen kann.
Kontext zur Prä-Astronautik Noch vor Erich von Däniken (1968), Robert Charroux (1963) und Jacques Bergier/Louis Pauwels (1959) hatte Agrest 1958 die These von der Prä-Astronautik vertreten. Sie findet auch Eingang in den sowjetischen Spielfilm Planet der Stürme von 1962.
Allerdings hatte im deutschsprachigen Raum bereits 1955 Walter Ernsting alias Clark Darlton in seinem ersten Science-Fiction-Roman UFO am Nachthimmel diese These vertreten wie auch 1958/59 in Großbritannien Nigel Kneale in seiner sechsteiligen Fernsehserie Quatermass and the Pit. Quasi parallel zu Raschs Werk erschien ebenfalls 1963 in der DDR von Günther Krupkat Als die Götter starben mit derselben Thematik.
Ausgaben Der blaue Planet, Verlag Das neue Berlin, 1963. Der blaue Planet, Roman-Zeitung Band 201, 1966. Der blaue Planet, Terra Nova Band 17, 1968 Der blaue Planet, SF Utopia Band 24, 1986 Der blaue Planet, Pinnow (EDITION digital) 2012. ISBN 978-3-86394-288-5. ISBN 978-3-86394-284-7
Literatur Michal Svoboda: Die literarische Science-Fiction in der DDR. Die Beziehung zwischen der Utopie und der Staatsmacht im Sozialismus, Magisterarbeit der Palacký-Universität Olomouc 2009; Digitalisat Norbert Fiks: Walter Ernsting – ein Pionier der Prä-Astronautik. Lange vor Erich von Däniken ließ der SF-Schriftsteller Außerirdische die frühgeschichtliche Erde besuchen. Er war nicht der einzige, in: phantastisch!, Nr. 85, 2022,S. 28–32.
Weblinks Angaben zum Roman mit Illustrationen bei Life in the 22nd Century
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:DDR-Literatur Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Prä-Astronautik