Die Medienunternehmen in Lettland umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Printmedien und Online-Medien. Lettland hat mit ca. 1,86 Millionen Einwohnern einen kleinen, aber strukturell differenzierten Medienmarkt. Eine prägende Besonderheit ist die Zweisprachigkeit: Lettisch- und russischsprachige Medien bedienen unterschiedliche Bevölkerungssegmente; die russischsprachige Minderheit macht rund ein Viertel der Bevölkerung aus.Rožukalne, Anda (2025): Latvia. Country report 2025. Euromedia Ownership Monitor (EurOMo). DOI:10.25598/EurOMo/2025/LV. Rīga Stradiņš University. Online: media-ownership.eu
Im World Press Freedom Index von Reporters Without Borders belegt Lettland 2026 Platz 17 von 180 Ländern und ist damit gegenüber Platz 15 im Jahr 2025 zum zweiten Mal in Folge zurückgefallen.RSF – Reporters Without Borders: Länderprofil Lettland. Online: rsf.orgEng.lsm.lv (2026): Latvia slips down international press freedom rankings again. 30. April 2026. Online: eng.lsm.lv
Überblick und Marktstruktur
Der Euromedia Ownership Monitor (EurOMo) (2025) untersuchte die meinungsbildenden lettischen Medien in den Bereichen Presse, Rundfunk und Online. Der lettische Medienmarkt ist klein, und die Werbeeinnahmen sind begrenzt; viele Verlage sind deshalb in mehreren Geschäftsfeldern zugleich tätig. Die Eigentumsverhältnisse sind im Vergleich zu größeren EU-Mitgliedstaaten gut nachvollziehbar dokumentiert. Reporter ohne Grenzen beschreibt das Arbeitsumfeld lettischer Journalistinnen und Journalisten als überwiegend frei und sicher, verweist aber auf politischen Druck auf die Medien und auf die nach Einschätzung der Organisation eingeschränkten Möglichkeiten der russischsprachigen Bevölkerung, sich aus vielfältigen verlässlichen Quellen zu informieren.
Die Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen erfolgt weitgehend über ein einziges Netz: Die staatliche Aktiengesellschaft Latvijas Valsts radio un televīzijas centrs (LVRTC) erreicht nach eigenen Angaben 99,72 Prozent des Staatsgebiets und 99,77 Prozent der Bevölkerung. Das frei empfangbare Fernsehangebot umfasst seit 1. Juli 2025 sechs Programme. Die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften organisiert die staatliche Aktiengesellschaft Latvijas Pasts; Verlage erhalten dabei eine staatliche Förderung in Form ermäßigter Zustellgebühren.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat Lettland die Verbreitung mehrerer russischer Fernsehprogramme und Nachrichtenseiten untersagt; die entsprechenden Anordnungen wurden vom Nationalen Rat für elektronische Massenmedien (NEPLP) erlassen. Nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen und EurOMo gehört Lettland neben Estland und Litauen zu den europäischen Staaten, die am konsequentesten gegen die Verbreitung russischer staatlicher Medien vorgegangen sind.
Geschichte
Das lettische Radio nahm 1925 den Betrieb auf (Latvijas Radio), das Fernsehen folgte 1954 (Latvijas Televīzija). Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 entwickelte sich rasch ein privater Mediensektor; ausländische Investoren, vor allem die schwedische Modern Times Group (MTG) und die schwedische Bonnier Group, spielten in den 1990er- und 2000er-Jahren eine prägende Rolle. Im Oktober 2017 erwarb der US-amerikanische Investmentfonds Providence Equity Partners das gesamte baltische Fernseh-, Pay-TV-, Digital- und Radiogeschäft der MTG für 115 Millionen Euro und übernahm damit die marktführende kommerzielle Fernsehgruppe in Lettland.TV3 Group (2017): Providence Equity Partners acquires MTG Baltics for 115 mio EUR. Online: tv3group.eu
Eine institutionelle Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde im Januar 2025 abgeschlossen: Die zuvor getrennten Anstalten Latvijas Televīzija und Latvijas Radio wurden in einer neuen gemeinsamen Trägergesellschaft, Latvijas Sabiedriskais medijs (LSM), zusammengefasst, die seit dem 2. Januar 2025 als formelles Unternehmen agiert.Public Broadcasting of Latvia: About Us. Online: lsm.lv
Öffentlich-rechtliche Medien
LSM – Latvijas Sabiedriskais medijs
Latvijas Sabiedriskais medijs (LSM; deutsch: Lettische öffentliche Medien) ist die seit 2. Januar 2025 bestehende gemeinsame Trägergesellschaft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Eigentümerin ist die Republik Lettland.
LSM betreibt die Fernsehkanäle LTV1 (Hauptprogramm) und LTV7 (mit Schwerpunkt auf Sport und russischsprachigen Inhalten) sowie sechs Radioprogramme von Latvijas Radio: Latvijas Radio 1 (Wort/Information), Latvijas Radio 2 (Unterhaltung), Latvijas Radio 3 „Klasika“ (Klassik), Latvijas Radio 4 „Doma laukums“ (russischsprachig), Latvijas Radio 5 (Jugend) und Latvijas Radio 6 (englischsprachiger Auslandsdienst). Das Nachrichtenportal LSM.lv ist eines der meistgenutzten öffentlichen Informationsangebote des Landes und erscheint in Lettisch, Russisch und Englisch.Latvijas Sabiedriskie Mediji. Online: lsm.lv
LETA
LETA (Latvijas Ziņu Aģentūra) ist die lettische Nachrichtenagentur mit Sitz in Riga. Sie versorgt nationale und internationale Abnehmer mit Nachrichten in Lettisch, Russisch und Englisch und ist Mitglied der European Alliance of News Agencies (EANA).LETA – Latvijas Ziņu Aģentūra. Online: leta.lv
Private Medienlandschaft – Fernsehen und Radio TV3 Group / Providence Equity Partners TV3 Latvija (gegr. 19. September 1998) ist der meistgesehene private Fernsehsender Lettlands. TV3 sowie die weiteren Programme TV6, TV3 Plus (russischsprachig), TV3 Life und TV3 Mini werden von der All Media Latvia SIA betrieben, einer Tochtergesellschaft der TV3 Group (vormals All Media Baltics; Umbenennung im Dezember 2019). Eigentümer der TV3 Group ist seit Oktober 2017 die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Providence Equity Partners, die das baltische Mediengeschäft zu diesem Zeitpunkt für 115 Millionen Euro von der schwedischen Modern Times Group erworben hatte. Im Juli 2023 wurden die Geschäftsbereiche neu geordnet: Die TV3 Group betreibt seither ausschließlich die Mediengeschäfte, die parallele Bitė Group das Telekommunikationsgeschäft in Lettland und Litauen.Sorainen (2023): Bitė Group splits up its telecommunications and media businesses. 5. Juli 2023. Online: sorainen.com Den Streaming-Dienst Go3 betreibt die TV3 Group in allen drei baltischen Staaten; die Übertragungsrechte für Live-Sendungen der Premier League, der UEFA Champions League, der Formel 1 und der National Hockey League übernahm sie 2024/2025 vom skandinavischen Anbieter Viaplay.Viaplay Group (2025): Viaplay Group and TV3 Group enter Baltic agreement. Online: viaplaygroup.com
Re:TV (SIA Re Media)
Re:TV ist ein regional ausgerichteter Fernsehsender, der als Dachmarke für mehrere Regionalprogramme dient. Eigentümer ist ein lettischer Unternehmer über die SIA Re Media. Re:TV ergänzt die regionale Berichterstattung außerhalb der Hauptstadt Riga.
Privatradio: Star FM und Kurzemes Radio
Star FM Latvija gehört zur TV3 Group / Providence Equity Partners und zählt zu den meistgehörten privaten Radioprogrammen Lettlands. Kurzemes Radio, ein bedeutender Regionalsender, gehört zum Verlagshaus Latvijas Mediji.Latvijas Mediji JSC: Unternehmensprofil. Online: linkedin.com
Private Medienlandschaft – Printmedien
Latvijas Mediji
Die Aktiengesellschaft Latvijas Mediji ist nach eigenen Angaben der zweitgrößte Verlag Lettlands. Das Unternehmen verlegt die auflagenstärkste lettischsprachige Tageszeitung Latvijas Avīze (mit rund 83.000 monatlichen Leserinnen und Lesern; erscheint viermal wöchentlich), zahlreiche Wochen- und Monatszeitschriften, etwa 100 Bücher pro Jahr sowie das Nachrichtenportal la.lv im Internet. Außerdem betreibt der Verlag den Regionalsender Kurzemes Radio. Latvijas Mediji befindet sich im Eigentum privater Anteilseigner; der Staat ist nicht beteiligt.
Dienas Mediji SIA
Die Dienas Mediji SIA verlegt die Tageszeitung Diena (gegr. 23. November 1990), die als wichtigste lettische Qualitätstageszeitung gilt, sowie die Wirtschaftszeitung Dienas Bizness. Eigentümer ist seit mehreren Jahren der lettische Unternehmer Edgars Kots, ein früherer Direktor von Latvijas Televīzija. Die Auflage von Diena betrug 2024 rund 17.500 Exemplare.
Wochenzeitung Ir
Die unabhängige Wochenzeitung Ir (gegr. 2010) gehört zu den bekanntesten lettischsprachigen Wochenzeitungen und legt ihren Schwerpunkt auf recherchierenden Journalismus und politische Analyse. Sie wird von einem Zusammenschluss von Journalistinnen und Journalisten getragen und gilt EurOMo (2025) zufolge als Beispiel für eine kleine, auf journalistische Qualität ausgerichtete Redaktion, in der kein einzelner Eigentümer einen bestimmenden Einfluss ausübt.
Private Medienlandschaft – Online-Medien
Delfi.lv (Ekspress Grupp)
Delfi.lv zählt zu den meistgenutzten Nachrichtenangeboten im Internet in Lettland und wird von der AS Delfi (Latvia) betrieben, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der estnischen AS Ekspress Grupp (Mehrheitseigentümer: Hans H. Luik). Delfi.lv erscheint in lettischer und in russischer Sprache und steht in unmittelbarer Konkurrenz zum Nachrichtenangebot des öffentlich-rechtlichen LSM.lv. Der Umsatz der AS Delfi (Latvia) betrug 2024 rund 5,5 Millionen Euro bei einem Gewinn von 594.281 Euro; die Zahl der zahlenden Online-Abonnentinnen und Abonnenten stieg im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf rund 33.840.Ekspress Grupp (2025): Ekspress Grupp's subsidiary Delfi Latvia facing contractual dispute regarding advertising sales. 16. Oktober 2025. Online: globenewswire.comEkspress Grupp (2025): Digital subscription results of AS Ekspress Grupp in the second quarter of 2025. Online: globenewswire.com
Weitere Online-Angebote
Zu den weiteren stark genutzten Nachrichtenangeboten zählen TVNet.lv und Kasjauns.lv sowie die ausschließlich im Internet erscheinenden Angebote Jauns.lv und Apollo.lv. In russischer Sprache erscheinen vor allem Mixnews.lv und Press.lv. Mit Meduza hat eines der bedeutendsten russischsprachigen Exilmedien seit 2014 seinen Sitz in Riga; Meduza zählt nicht zum lettischen Inlandsmarkt, prägt aber das russischsprachige Informationsangebot im Land mit.
Russischsprachige Medien
Die russischsprachige Bevölkerung wird durch LTV7 und Latvijas Radio 4 (beide LSM), die russischsprachige Ausgabe von Delfi.lv, Mixnews.lv sowie das Exilmedium Meduza erreicht. Reporter ohne Grenzen weist 2026 darauf hin, dass die geringe Vielfalt verlässlicher Informationsangebote für diese Bevölkerungsgruppe nach Einschätzung der Organisation ein zentrales strukturelles Problem darstelle: Die Sperrung russischer staatlicher Medien nach Februar 2022 habe zwar die Verbreitung gezielter Falschinformationen verringert, zugleich aber die Auswahl an russischsprachigen Angeboten eingeschränkt. LSM hat sein russischsprachiges Programmangebot in der Folge ausgebaut.
Regulierung
Die Nacionālā elektronisko plašsaziņas līdzekļu padome (NEPLP; Nationaler Rat für elektronische Massenmedien) ist die Regulierungsbehörde für audiovisuelle Mediendienste in Lettland. NEPLP vergibt Sendekonzessionen, überwacht die Einhaltung des Medienrechts und ist seit dem Inkrafttreten des European Media Freedom Act (EMFA) am 8. August 2025 zusätzlich für die Überprüfung der Transparenz von Medieneigentümerschaft und Unternehmensübernahmen zuständig.Nacionālā elektronisko plašsaziņas līdzekļu padome (NEPLP). Online: neplpadome.lv
Die Rundfunkverteilung erfolgt zentral über die staatliche Latvijas Valsts radio un televīzijas centrs (LVRTC), die das nationale digitale Fernsehnetz und Hochleistungs-UKW-Sender betreibt. Die Pressezustellung erfolgt überwiegend über die staatliche Latvijas Pasts. Beide staatlichen Akteure tragen zur hohen Erreichbarkeit medialer Angebote in der gesamten Bevölkerung bei.Latvijas Valsts radio un televīzijas centrs (LVRTC). Online: lvrtc.lv
Siehe auch Listen von Medienunternehmen nach Staat
Weblinks