Orléans ist eine Großstadt und eine Gemeinde (commune) in der Region Centre-Val de Loire, Frankreich. Die Stadt an der Loire ist Universitäts- und Bischofssitz mit einer eindrucksvollen Kathedrale und hat Einwohner (Stand: ). Orléans ist Sitz der Präfektur des Départements Loiret.

Lage und Klima Die Altstadt von Orléans liegt auf dem Nordufer der Loire in einer Höhe von ca. Orléans – Karte mit Höhenangaben; erst später kamen die Gemeinden auf dem Südufer hinzu. Hier mündet auch der Canal d’Orléans mit seinem integrierten Fluss Oussance in die Loire. Die Stadt liegt knapp 130 km (Fahrtstrecke) südwestlich von Paris. Das Klima ist gemäßigt; Regen (ca. 640 mm/Jahr) fällt übers Jahr verteilt.Orléans – Klimatabellen

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2018 Einwohner 41.937 47.393 67.311 76.439 113.126 116.238 Vor allem im 20. Jahrhundert erlebte die Stadt durch Eingemeindungen und Zuwanderung aus der ländlich geprägten, aber von der Mechanisierung der Landwirtschaft und somit von Arbeitslosigkeit betroffenen Umgebung ein anhaltendes Bevölkerungswachstum. mini|hochkant=2.2|Panoramasicht auf Orléans

Wirtschaft War die Stadt zu Zeiten, als die Loire noch schiffbar war, ein Markt- und Handelszentrum, so ist sie heute eine Industriestadt sowie eine Dienstleistungsmetropole mit Gerichts- und Verwaltungseinrichtungen, Geschäften, Schulen, Hochschulen, Banken, Versicherungen, Gesundheitszentren, Hotels, Restaurants etc. Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben.

Geschichte mini|Straßenbrücke Pont George V über die Loire Altertum An der Stelle des heutigen Orléans existierte in keltisch-(gallischer) Zeit der Ort Cenabum, der zum Gebiet der Karnuten gehörte und zusammen mit Autricum (heute Chartres) einer der Hauptorte dieses gallischen Stammes war.

Die Ansiedlung wurde im Jahr 52 v. Chr. von Cäsar erobert, der damit auch die Gewalt über den Hafen an der Loire erlangte.Laissez-vous conter Orléans; herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Résau national des Villes des pays d’art et d’histoire, ca. 2010. Die eigentliche Gründung erfolgte während der Regierungszeit des römischen Kaisers Aurelian; der Name Orléans stellt eine lautliche Weiterentwicklung des damaligen Ortsnamens Aurelianum dar. Im 4. Jahrhundert wurde die antike Stadt durch den Bau einer Stadtmauer gesichert. Mauern von bis zu 10 m Höhe und 3 m Dicke schlossen ein ca. 600 m langes und 400 m breites Rechteck mit einer Fläche von 25 ha ein. Das Zentrum der Stadt wurde vom Forum gebildet. Die wichtigsten Straßen waren der decumanus maximus, die heutige rue de Bourgogne, sowie der cardo maximus, die heutige Rue de la Poterne und die Rue Parisie. Außerhalb der ummauerten Stadt lagen zwei Nekropolen und das Amphitheater.Ville d’Orléans – Circuit découverte; ca. 2010. Tatsächlich gelang es im Jahr 451 unter Führung von Bischof Aignan und auch dank der Stadtmauer, einen Angriff der Hunnen zurückzuschlagen.Laissez-vous conter Orléans

Mittelalter In merowingischer Zeit wurde Orléans in den Jahren 511 bis 613 kurzfristig zum eigenständigen Königreich, später Hauptstadt von Neustrien. Von seiner Bedeutung der Stadt im Mittelalter zeugt auch die Tatsache, dass mehrere Könige hier gewählt und gekrönt wurden: Karl der Kahle (848); Robert II., genannt der Fromme (987) und Ludwig VI., genannt der Dicke (1108). Später war es eine Verwaltungseinheit im Rahmen einer Grafschaft.

Im Jahr 1022 kam es zur Verbrennung mehrerer hoher Gelehrter, darunter einige Kanoniker der Kathedrale von Orléans, im Zuge der Häresie von Orléans. Es handelt sich um die erste bekannte Verbrennung des christlichen Mittelalters.

Im Jahr 1344 konnten die Herren von Orléans zumindest wieder den Titel „Herzog“ erlangen. Wenige Jahre später wurde der Stadt durch einen Erlass von König Karl VI. eine eigenständige Verwaltung und eine unabhängige Finanzverwaltung zugestanden.

In den Jahren 1428 und 1429 war die Stadt im Hundertjährigen Krieg letzte Bastion der Franzosen gegen die Engländer. Am 8. Mai wurde sie unter Führung von Jeanne d’Arc, die in diesem Zusammenhang den Beinamen „Jungfrau von Orléans“ erhielt, von der Belagerung befreit. mini|Jeanne-d’Arc-Monument

Einer ersten Stadterweiterung im Westen der gallorömischen Stadt im 14. Jahrhundert folgten zwei weitere: zunächst im 15. Jahrhundert östlich der ursprünglichen Stadtmauern, um das Kloster Saint Aignan zu schützen, und Anfang des 16. Jahrhunderts eine weitere erheblich umfangreichere im Westen und Norden.

Neuzeit Vom 13. Dezember 1560 bis 31. Januar 1561 waren in Orléans die Generalstände versammelt. Am 28. Januar 1562 wurde das Edikt von Orléans erlassen, das den Hugenotten Amnestie und Religionsfreiheit gewährte. Während des Ersten Hugenottenkriegs machten die Reformierten die Stadt 1562 zu ihrem Hauptquartier. 1563 belagerte der Herzog François von Guise Orléans und wurde dabei vor der Stadt ermordet.

In der Zeit der Renaissance entstanden zahlreiche stattliche Bürgerhäuser, die auch heute noch das Stadtbild zieren. In der Neuzeit war Orléans der Name einer Seitenlinie der Bourbonen, die mit Louis-Philippe von 1830 bis 1848 auf den französischen Thron kam.

1791 bis 1792 war Orleans Sitz des Nationalen Hochgerichtes, da die Verfassung des Königreiches einen ausreichenden Abstand zur Hauptstadt Paris verlangte.

19. und 20. Jahrhundert 1825 wurde mit dem Bau der Prachtstraße Rue Jeanne d’Arc begonnen. Sie führt geradlinig von der heutigen Place du Général de Gaulle nach Osten zum Hauptportal der Kathedrale. Erst 1840 konnte sie fertiggestellt werden. Bereits seit 1853 ist Orléans mit Paris durch eine Eisenbahnlinie verbunden.

Im Deutsch-Französischen Krieg wurde nach der Schlacht von Orléans am 3. und 4. Dezember 1870 die Stadt bis zum Friedensschluss von deutschen Truppen besetzt.

Der Lokalhistoriker und Philatelist Jacques Billard geht davon aus, dass bereits seit 1937 republikanische Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg in Orléans untergebracht wurden. Das sei überwiegend im Viertel Aydes und in einem Institut für junge Gehörlose im benachbarten Saint-Jean-de-la-Ruelle geschehen.Jacques Billard, zitiert nach: Jean-Luc Bouland: Des correspondances importantes pour l’histoire!, Magcentre.fr, 7. März 2020. Als die französische Regierung nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 5. September 1939 alle Staatsangehörigen des Deutschen Reiches und dessen Verbündeten zu feindlichen Ausländern erklärte und diese in Lagern internierte, wurden die zuvor genannten Orte zu Internierungslagern.Es gibt für diese Zeit auch noch einen Hinweis auf ein nicht näher beschriebenes Camp de la Verrerie Les Aydes (AJPN: Camp de la Verrerie Les Aydes durant la Seconde Guerre mondiale (WWII)) Jacques Billards Ausführungen legen nahe, dass sie – gleich den Internierten im Internierungslager Cepoy – Anfang Juni aufgrund des Vorrückens der deutschen Wehrmacht in den Süden Frankreichs transportiert wurden. Ihnen folgten für wenige Tage noch Franzosen nach: verurteilte Straftäter und Menschen, die aus politischen Gründen in Haft saßen (Kommunisten, Anarchisten und Pazifisten).Jacques Billard: Les camps d'internement dans le Loiret durant la Seconde Guerre Mondiale

Während der Besetzung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1944 war die Stadt eine wichtige Garnison von Truppenteilen der Wehrmacht und von Juli 1940 bis Februar 1941 auch Sitz des Frontstalags 153.Moosburg Online: Kriegsgefangenenlager: Liste, in dem gefangen genommene französische Soldaten bis zu ihrer Verlegung nach Deutschland festgehalten wurden. Der Frontstalag 153 bestand aus mehreren Lagern, deren Standorte in der Stadt oder angrenzenden Gebieten aber nicht bekannt sind.

Der deutschen Besatzung war am 14. Juni 1940 ein Bombardement vorausgegangen,Erst verbrannt, dann gestohlen, verkauft und reklamiert, welt.de vom 24. Mai 1996; Zugriff am 22. September 2022 dem vor allem die westlichen Teile der Altstadt zum Opfer fielen. Nach einem drei Tage dauernden Brand, den erst aus Paris herbeigeholte Feuerwehrleute bezwingen konnten, lagen 13 ha (nach anderer Quelle 17 ha) der Stadt in Schutt und Asche. Das Feuer hatte sich nahezu ungehindert von Haus zu Haus gefressen; die letzten Schwelbrände wurden erst im Oktober gelöscht.Henri Amouroux: La vie des Français sous l’occupation. Tome I, S. 94. Auch das Maison de Jeanne d’Arc und das Kloster Couvent des Minimes, in dem das Archiv des Departements Loiret lagerte, wurden zerstört. Die Archivbestände gingen dabei zum großen Teil verloren. Nachdem am 16. Juni 1940 die ersten gepanzerten deutschen Fahrzeuge bereits den Pont George V überquert hatten, gelang es den Franzosen, diese Brücke über die Loire zu sprengen. Eine Stunde später zerstörten sie auch die zweite Straßenbrücke Pont Joffre; bei der Eisenbahnbrücke Pont de Vierzon gelang das hingegen nicht, sie wurde umgehend von der Wehrmacht als Übergang genutzt.Henri Amouroux: La vie des Français sous l’occupation. Tome I, S. 47. Weitere Zerstörungen brachten alliierte Luftangriffe auf Verkehrswege (v. a. Brücken und Eisenbahnlinien). Am 16. August 1944 wurde Orléans befreit. Nach dem Krieg wurden zahlreiche Kollaborateure am Gericht verurteilt, in Orléans waren darunter fast 40 % Frauen.

1959 wurde ein großes Teilgebiet der Gemeinde Saint-Cyr-en-Val nach Orléans eingemeindet. Dort entstand in den darauffolgenden Jahren die Trabantenstadt Orléans-La Source, die heute knapp 20.000 Einwohner hat und einen eigenen Wahlkreis (den Kanton Orléans-La Source) bildet. Dort ist auch die 1961 neugegründete Universität angesiedelt.

Sehenswürdigkeiten Mittelpunkt der Altstadt ist die Place du Martroi, auf der sich seit 1855 ein Reiterstandbild von Jeanne d’Arc befindet.

Maison de Jeanne d’Arc Im Haus von Jacques Boucher, dem Schatzmeister des Herzogs von Orléans, wohnte Jeanne d’Arc während ihres Aufenthalts in Orléans in den Monaten April und Mai 1429. 1909 wurde die Vorderfront um 2,50 m nach hinten verlegt, damit das Haus mit den Nachbargebäuden eine durchgehende Straßenfront bildet. 1940 wurde in den nach deutschen Bombenangriffen ausgebrochenen Bränden das Gebäude vollständig zerstört. Beim Wiederaufbau – ab 1961 – wurde der Zustand von 1909 wiederherstellt. Heute ist dort ein Museum untergebracht. In Modellen und einem Diorama wird die Geschichte der Jungfrau von Orléans rekonstruiert und die Befreiung von der Belagerung Orléans am 8. Mai 1429 dargestellt.

Kathedrale Sainte-Croix d’Orléans Bekannteste Sehenswürdigkeit von Orléans ist die mächtige Cathédrale Sainte-Croix (Heiligkreuzkathedrale).

Die Kathedrale hat viele tiefgehende Zerstörungen hinter sich. Orléans war im Hundertjährigen Krieg ein Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich, bis es vom 5. bis 8. Mai 1429 von Jeanne d’Arc befreit wurde, der die Stadt später nicht nur ein Denkmal gesetzt hat, sondern der auch einige Fenster der Kathedrale gewidmet sind. Alljährlich wird am 7. und 8. Mai ein Fest zur Erinnerung an diese glorreiche Befreiung gefeiert.

Dann zerstörten Hugenottentruppen in der Nacht des 24. März 1568 die Kathedrale bis auf das 3. und 4. Joch des Langhauses, so dass ein weitgehender Neubau nötig wurde, der 1601 begonnen wurde. Dazu kamen schließlich im Zweiten Weltkrieg die Zerstörungen von deutschen und amerikanischen Truppen.

Museen Hotel Cabu. Es beherbergt ein kleines Museum zur Stadtgeschichte und -archäologie. Musée des Beaux-Arts d’Orléans. Es ist seit der Gründung 1797 eines der ältesten französischen Provinzmuseen und enthält rund 2.000 Gemälde und 700 Skulpturen sowie die zweitgrößte Pastellsammlung in Frankreich nach dem Louvre.