Neukaledonien () ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik. Geografisch gehören die Inseln zu Melanesien. Neukaledonien hat den Sonderstatus einer Collectivité sui generis nach den Artikeln 76 und 77 der französischen Verfassung. Es gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union und nicht zum Schengen-Raum, sondern zu den mit der Europäischen Union assoziierten Überseeischen Ländern und Hoheitsgebieten.
Name Der heutige französische Name leitet sich ebenso wie die gelegentlich anzutreffende deutsche Bezeichnung Neuschottland von der älteren en Bezeichnung her, die auf James Cook zurückgeht.Die Angst ist groß, dass China sich die Inseln einverleibt. sueddeutsche.de, 3. November 2018. Er verlieh der Insel den Namen, da ihn das Aussehen des Nordostens der Hauptinsel an Schottland erinnerte. Er nutzte die römische Bezeichnung Caledonia; die im Mittelalter gebräuchliche lateinische Bezeichnung Scotia konnte er nicht verwenden, da die schottische Kolonie an der Ostküste Kanadas seit 1621 den Namen Nova Scotia trug.
Kanaky ist der Name, den die Unabhängigkeitsbewegung seit den 1970er Jahren Neukaledonien gegeben hat, und leitet sich vom hawaiianischen Wort kanaka (bedeutet „Mann“) ab. Der Begriff wurde von Roselène Dousset-Leenhardt geprägt, der Tochter des Pfarrers Maurice Leenhardt. Der Name „Kanak“ bezieht sich heute auf die Melanesier dieses Archipels. Die Kanakische und Sozialistische Nationale Befreiungsfront (FLNKS) fordert seit 1984 die offizielle Umbenennung Neukaledoniens in Kanaky und die Gründung eines unabhängigen Staates unter diesem Namen, während die Bevölkerungsgruppen der Nicht-Kanak, welche die Mehrheit bilden, den Namen Neukaledonien (Nouvelle-Calédonie) bevorzugen.Hamid Mokkadem: Kanaky ou Nouvelle-Calédonie, souveraineté et indépendance dans l’ère post-coloniale Revue asylon, No. 11, Mai 2013, abgerufen am 11. Januar 2025 (französisch).
Klima, Physische und Politische Geographie mini|Typische Landschaft im Süden der „Grande Terre“, der Hauptinsel
Physische Geographie und Klima Neukaledonien befindet sich östlich von Australien auf der nördlichen Spitze des Zealandia-Schelfs im südwestlichen Pazifischen Ozean. Die Fläche der Inseln beträgt 18.576 km², davon sind 18.091 km² Landfläche und 485 km² Wasserfläche. Die Hauptinsel Grande Terre ist mit 16.372 km² die mit Abstand größte Insel der Gruppe. Zu Neukaledonien gehören des Weiteren noch die Belep-Inseln und die Île Baaba im Norden, die Île Balabio im Nordosten, die Loyalitätsinseln im Osten, die Île des Pins im Südosten, die Île Ouen an der Südspitze, die Atolle Chesterfield und Bellona abgelegen im Westen sowie die Atolle und Riffe der Récifs d’Entrecasteaux im Nordwesten. Die Küstenlinie hat eine Gesamtlänge von 2254 km.
Die höchsten Punkte der Inseln sind der Mont Panié mit 1628 m im Norden und der Mont Humboldt mit 1618 m im Süden von Grande Terre. Um die Hauptinsel herum liegt das Neukaledonische Barriereriff, nach dem Great Barrier Reef und zusammen mit dem Belize Barrier Reef einer der größten Korallenriffkomplexe der Welt. Seit 2008 gehört das Neukaledonische Barriereriff zum Weltnaturerbe der UNESCO. Jenseits des Barriereriffs beginnt der rund 1,3 Mio. km² große Naturpark Korallenmeer. Längster Fluss ist der ca. 90 km lange Diahot, größter See ist der 22 km lange Stausee Lac de Yaté. Von den zahlreichen Karsthöhlen der Inseln ist die 11.410 m lange Grotte de Hnanawae die größte.
Neukaledonien liegt zwischen dem 19. und 23. südlichen Breitengrad und damit am Rand der tropischen Klimazone. Die mittleren Temperaturen auf den Inseln liegen das ganze Jahr zwischen 20 und 30 °C. Der längs über die Hauptinsel verlaufende Gebirgszug teilt Neukaledonien in einen humiden Osten (inklusive der östlich der Hauptinsel gelegenen Inseln) und einen im Regenschatten liegenden eher ariden Westen. Die relativ kühle trockene Zeit dauert von Mitte Mai bis Mitte September, die Regenzeit von Mitte November bis April. Die Ostseite der Insel erhält ca. 2500 bis 4000 mm Regen pro Jahr, die Westseite (Lee) generell weniger als 1500 mm, so z. B. Ouaco etwa 800 mm. In sehr trockenen Jahren gibt es mancherorts lediglich 250 bis 300 mm Niederschlag.
Größte Stadt ist die Hauptstadt Nouméa mit knapp 91.000 Einwohnern. Im direkten Einzugsgebiet des Grand Nouméa (Païta, Dumbéa und Mont-Dore) leben nach letzten Angaben (Volkszählung 2009) 163.723 Einwohner.
Politische Geographie Geostrategisch liegt die Insel nah an Australien und Neuseeland im melanesischen Inselbogen und wird auch als Tor zu Südostasien bezeichnet. Neukaledonien gilt als wichtig für Frankreichs geostrategische Präsenz im Indo-Pazifischen Raum. Frankreich transferiert 1,3 Milliarden Euro jährlich in die öffentlichen Kassen Neukaledoniens.
Frankreich hat eine ständige Präsenz von rund 1200 Soldaten aller Truppengattungen und der Gendarmerie auf Neukaledonien. An drei Orten ist die französische Marineinfanterie (RIMAP-NC) stationiert; in Nouméa befindet sich die Marinebasis „Pointe Chalaix“ und bei Apron, nahe dem Flughafen La Tontouta wird der Luftwaffenstützpunkt Nouméa betrieben.
Unter dem französischen Überseeterritorium liegen etwa 25 Prozent der weltweiten Nickel-Reserven. Der Rohstoff wird im 21. Jahrhundert zunehmend wichtig für die Produktion von Akkumulatoren, Batterien, Mobiltelefonen und Flachbildschirmen. Die Insel macht Frankreich zum fünftgrößten Nickel-Exporteur der Welt. Beobachter gehen davon aus, dass bei einem Rückzug Frankreichs die Volksrepublik China schnell versuchen würde, Einfluss in Neukaledonien zu gewinnen, um an die Nickel-Vorräte zu gelangen. Zudem plant China, Häfen in Vanuatu und Papua-Neuguinea zu bauen. Dies wäre laut Beobachtern nicht mehr notwendig, wenn China Einfluss auf Neukaledonien hätte.
Flora und Fauna mini|Endemischer Schmetterling Papillon bleu calédonien mini|Eine Baumgruppe derAraucaria columnaris mini|Blüte der Amborella trichopoda
Die Vegetation besteht im Osten aus tropischen Regenwäldern und im Westen aus Trockenwäldern. Im Süden existiert eine gebüschartige Bergbaufolgevegetation, die aus metallresistenten Pflanzen besteht. Die Flora und Fauna Neukaledoniens weisen einen sehr hohen Grad an Endemismus auf. Viele Arten sind bedroht oder schon ausgestorben, etwa die gehörnte Riesenschildkröte Meiolania platiceps, das terrestrische Krokodil Mekosuchus inexpectatus oder der große flugunfähige Vogel Sylviornis neocaledoniae. Die nicht wirksam genug bekämpften Buschfeuer spielen dabei eine wichtige Rolle.
Es gibt 23 endemische Vogelarten, wie der Neukaledonien-Allfarblori (Trichoglossus haematodus deplanchii), die grüne und gelbe Spaltschwingentaube (Drepanoptila holosericea), die Riesenfruchttaube (Ducula goliath), den Neukaledonien-Lederkopf (Philemon diemenensis), den vom Aussterben bedrohten Rotgesicht-Honigfresser (Gymnomyza aubryana) oder der Nationalvogel Kagu, nach dem sich auch die Neukaledonier selbst bezeichnen. Der Ouveasittich (Eunymphicus uvaeensis) kommt nur auf der Insel Ouvéa vor. Endemisch ist auch die Geradschnabelkrähe (Corvus moneduloides), die wegen ihrer Fähigkeiten zu Herstellung und Gebrauch von Werkzeugen als der klügste Vogel der Welt gilt.
Die einzigen endemischen Säugetiere sind Fledertierarten wie der Neukaledonien-Langschwanzflughund oder der Schmuckflughund. Zu den eingeführten Wildtieren gehört der Mähnenhirsch. In Neukaledonien ist einer der größten Geckos der Welt endemisch, der Neukaledonische Riesengecko. Die Gewässer um das Archipel beherbergen mehrere harmlose Seeschlangenarten wie Laticauda saintgironsi.Snakes of New Caledonia animalia.bio, abgerufen am 6. September 2026 (englisch) Die Landschlange Pazifik-Baumboa kommt nur auf den Loyalitätsinseln vor.Candoia Bibroni animalia.bio, abgerufen am 6. September 2026 (englisch)
Es gibt 46 Gymnospermen-Arten (45 endemisch, 7 Prozent der Gymnospermarten der Welt). Neukaledonien weist eine hohe Artendichte an Bäumen auf. So finden sich hier 18 endemische Koniferenarten aus der Familie der Araukariengewächse (5 aus der Gattung Agathis, 13 weitere aus der Gattung Araucaria). Weiterhin gibt es 260 Farnarten (26 Familien, 83 Gattungen), von denen 105 Arten endemisch sind.New Caledonia – Species cepf.net, abgerufen am 22. Oktober 2022 (englisch)
Endemische Pflanzenarten sind zum Beispiel: Amborella trichopoda (Amborellaceae, eine Art bildet die gesamte Pflanzenfamilie) Strasburgeria robusta (Strasburgeriaceae, eine Art bildet die gesamte Pflanzenfamilie) Oxera robusta (Lamiaceae, eine Art des Genus Oxera gibt es auf Vanuatu, 20–25 in Neukaledonien) Agathis montana (Araucariaceae, A. montana kommt nur am Mont Panie vor). Statistik: 3328 Pflanzenarten (2644 endemischSchild im Parc Riviere Bleue, das Schild existiert seit mind. 11/2004.) in 763 Gattungen (14 Prozent endemisch) in 169 Familien (3 Prozent endemisch) 547 Monocotyledones (251 endemisch) in 209 Gattungen in 31 Familien 2394 Dicotyledones (2009 endemisch) in 498 Gattungen (79 endemisch) in 132 Familien (5 endemisch) Auf Neukaledonien sind überdurchschnittlich viele ursprüngliche Vertreter der Angiospermen beheimatet, vor allem Arten der Familien Winteraceae, Amborellaceae, Monimiaceae, Annonaceae und Chloranthaceae.
Zum Schutz der Tier- und Pflanzenarten wurden Naturschutzgebiete gegründet. Das erste Meeresschutzgebiet Frankreichs wurde 1941 in der Baie de Saint-Vincent um die Île Leprédour geschaffen.Les 20 premières AMP créées amp.milieumarinfrance.fr, 17. Februar 2024, abgerufen am 9. Juli 2026 (französisch)Aires marines protégées : la France sur la sellette lesechos.fr, 7. Juni 2025, abgerufen am 9. Juli 2026 (französisch) Weitere Naturparks in Neukaledonien sind z. B. die Île Verte, der Parc naturel de la mer de Corail, der Parc Provincial de la Rivière Bleue und der Parc Provincial des Grandes Fougères.
Bevölkerung
mini|links|Verteilung der kanakischen Bevölkerung (2014) mini|links|Verteilung der europäischen Bevölkerung (2014)
Die Urbevölkerung der Melanesier oder Kanak bildet mit einem Anteil von rund 41 Prozent der Bevölkerung die größte Bevölkerungsgruppe. Sie konzentriert sich an der Ostküste und auf den kleineren Inseln. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe stellen die Nachfahren der ersten „Siedler“ aus Frankreich, die Caldoches, zusammen mit den Métropolitains, den französischen Neueinwanderern. Deren Anteil ist aufgrund verstärkter Auswanderung auf 24 Prozent gefallen (Stand 2019).271 407 habitants en Nouvelle-Calédonie en 2019 gouv.nc, 30. Oktober 2020, abgerufen am 4. Januar 2022 (französisch) Es gibt viele Einwohner, die ihre Wurzeln in mehreren ethnischen Gruppen haben. Außerdem gibt es viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, die aber oftmals schon seit Generationen in Neukaledonien leben und größtenteils französische Staatsbürger sind: Etwa 9 Prozent der Einwohner sind Walliser und Futuner, 2,6 Prozent Tahitianer, 2,5 Prozent Indonesier, 1,4 Prozent Vietnamesen und 1,1 Prozent Ni-Vanuatu.
Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug auf Neukaledonien im Jahr 2016 insgesamt 77,7 Jahre (Frauen: 81,9 Jahre / Männer: 73,7 Jahre). mini|hochkant=1.5|Bevölkerungsentwicklung in Tsd. in Neukaledonien von 1961 bis 2003 Das Median-Alter der Bevölkerung lag im selben Jahr bei 31,7 Jahren. Eine Frau bekam im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt 1,93 Kinder. Auf 1000 Einwohner kamen im Jahr 2017 15,0 Geburten und 5,7 Todesfälle. Die Bevölkerung wächst 2017 mit 1,3 Prozent pro Jahr. Die Geburtenziffer geht immer weiter zurück und nähert sich allmählich der Frankreichs an; sie betrug 1990 noch 25,6 ‰ und lag 2017 bei 14,5 ‰. Das Durchschnittsalter der Mütter, die ihr erstes Kind bekommen, erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 24,6 auf 29,5 Jahre.Bevölkerungsstatistik ieom.fr (PDF; 6 MB), 2019, abgerufen am 27. Dezember 2021 (französisch) S. 27
Städte und Gemeinden Größere Städte gibt es nur in der Metropolregion Nouméa. Die kleineren Inseln bilden jeweils eine Gemeinde.