Die Design and Industries Association (DIA) ist eine gemeinnützige Stiftung im Vereinigten Königreich. Ihr Ziel ist es, mit all jenen zusammenzuarbeiten, die ein gemeinsames Interesse daran haben, wie Design dazu beitragen kann, nachhaltige Güter und Dienstleistungen bereitzustellen, die die Lebensqualität von Gemeinschaften und Einzelpersonen verbessern.
Entwicklung der Stiftung Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wuchs unter britischen Designern das Bewusstsein dafür, in welchem Maße das deutsche Industriedesign die Ideale der Arts-and-Crafts-Bewegung (die Ende des 19. Jahrhunderts von William Morris und anderen ins Leben gerufen worden war) aufgegriffen und erfolgreich in das Zeitalter der mechanisierten Massenproduktion übertragen hatte. Die Kölner Ausstellung des Deutschen Werkbunds, die vor Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 stattfand, wurde von vielen jener Designer, Architekten, Einzelhändler und Industriellen besucht, die später die Design and Industries Association gründeten.Peyton Skipworth: Rebels Against Commercial Ugliness. In: Apollo Magazine, Januar 2008
Im März 1915 fand in der Goldsmiths’ Hall in London eine Ausstellung deutscher Industrieprodukte statt. Kurz darauf führte eine Sitzung unter dem Vorsitz von Lord Aberconway zur Gründung der DIA mit dem ausdrücklichen Ziel, den Standard des britischen Industriedesigns unter dem Motto Fitness for Purpose („Eignung für den Verwendungszweck“) zu heben. Nach Meinung der Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin Ulrike Weber († 2023) war der Deutsche Werkbund Blaupause für die DIA. Dies lasse sich aus der ersten Satzung der DIA von 1915 herauslesen, die sich „formal und inhaltlich stark an jene des Deutschen Werkbundes von 1908 anlehne“. Weitere Indizien seien der „Aufbau mit lokalen Geschäftsstellen, ihre propagandistische Informationsträger wie Ausstellungen, Publikation, Vorträge [sowie] das genaue Studium von Werkbundpublikationen und -werken, die ab 1914 kontinuierlich aus Deutschland bezogen wurden“.Ulrike Weber: Modernism in England : Londoner U-Bahnhöfe und der deutsch-englische Architekturtransfer vor 1933. Gebr. Mann, Berlin 2016, ISBN 978-3-7861-2745-1, S. 31.
Die DIA verbreitete ihre Ideale durch Vorträge, Zeitschriften und Ausstellungen. Zu ihren Ausstellungen zählten Household Things in der Whitechapel Art Gallery in London im Jahr 1920, die Wanderausstellung Design Round The Clock von 1942 bis 1945 sowie Register your Choice in der U-Bahn-Station Charing Cross im Jahr 1953. Zu den Zeitschriften, die in diesem Zeitraum erschienen, gehörten Design In Industry (1932), Design for Today (1933–1935) und Trends in Everyday Life (1936). In den Anfangsjahren gab es erhebliche Spannungen zwischen der Verbundenheit einiger Mitglieder mit den Prinzipien der Arts-and-Crafts-Bewegung und dem Wunsch, die eindeutig dem 20. Jahrhundert entstammende Weltanschauung der Moderne zu fördern.
Da die DIA während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich am Utility Scheme der britischen Regierung beteiligt war, setzte sie sich für eine stärkere Einbindung der Regierung in die Förderung guten Designs ein.Andrew Jackson: From Solving Problems to Selling Product. University of Brighton Durch die Gründung des staatlich finanzierten Council for Industrial Design (heute Design Council) im Jahr 1944 wurde die DIA etwas in den Hintergrund gedrängt.
Heutige Tätigkeit Trotz der dominierenden Rolle des Design Council in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzt die DIA ihre Arbeit bis heute als unabhängige Einrichtung fort, indem sie Wettbewerbe und Veranstaltungen organisiert und Stipendien vergibt. 1977 stiftete die DIA gemeinsam mit dem Royal College of Art, der Faculty of Royal Designers for Industry und der Royal Academy of Engineering die Sir Misha Black Awards, um herausragende Leistungen und Innovationen in der Designausbildung zu würdigen.
Mitglieder Zu den Amtsträgern und Mitgliedern der DIA zählten einige der bedeutendsten britischen Designer und Hersteller des 20. Jahrhunderts: Lord Aberconway Misha Black Noel Carrington (1895–1989), englischer Buchgestalter, Herausgeber und Verleger Serge Chermayeff (1900–1996), russisch-englischer Architekt Nanna Ditzel (1923–2005), dänische Textil-, Schmuck- und Möbeldesignerin Lord Queensberry (1929–2026), Peer und Politiker Charles Holden (1875–1960), britischer Architekt Nikolaus Pevsner (1902–1983), deutsch-britischer Kunsthistoriker Frank Pick
Weblinks Design and Industries Association (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Angewandte Kunst (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Organisation (Design) Kategorie:Stiftungsgründung 1915 Kategorie:Industriedesign