mini|hochkant|Eli Sharabi (2025) Eli Sharabi (; geboren am 13. Februar 1972 in Tel Aviv-Jaffa) ist ein israelischer Autor und Überlebender der Geiselnahmen während des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Er wurde aus dem Kibbuz Be’eri in den Gazastreifen entführt und nach 491 Tagen Gefangenschaft im Februar 2025 freigelassen.

Internationale Bekanntheit erlangte Sharabi durch seine Berichte über die Geiselhaft sowie durch sein 2025 erschienenes Buch Hostage, in dem er seine Erlebnisse schildert. Das Werk wurde von dem US-amerikanischen Nachrichtenmagazin TIME in die Liste der „100 Must-Read Books of 2025“ aufgenommen.

Leben und Wirken Eli Sharabi lebte zusammen mit seiner Frau Lianne und den beiden Töchtern im Kibbuz Be'eri im Süden Israels. Im Verlauf des Terroranschlages am 7. Oktober 2023 griffen die Hamas den Kibbuz an und zerstörten diesen vollständig. Während des Angriffes auf ihr Haus, versuchte Sharabi vergeblich, seine Familie im Schutzraum vor den Angreifenden zu schützen. Die Familie beschloss, sich kampflos zu ergeben, um so am Leben zu bleiben. Nachdem die Terroristen in das Haus eingedrungen waren, versuchten sie mit Hinweisen auf den britische Pass seiner Frau, und die damit verbundene britische Staatsangehörigkeit seiner Töchter das Schlimmste zu verhindern. Die Terroristen trennten Eli Sharabi von seiner Familie und entführten ihn mit einem Auto in den Gazastreifen. Erst bei seiner Freilassung im Februar 2025 erfuhr Sharabi, dass Lianne und ihre beiden Töchter bereits in Be'eri ermordet worden waren.

Sharabis Bruder Yossi, der ebenfalls aus Be'eri entführt worden war, starb nach 100 Tagen Gefangenschaft in Gaza.

Gefangenschaft Während der Gefangenschaft in verschiedenen Tunneln der Hamas lernte Sharabi unter anderem Ori Danino, Hersh Goldberg-Polin, Alon Ohel und Omer Shem Tov kennen, die während des Terrorangriffs auf das Nova-Musikfestival auf der Flucht entführt worden waren. Gemeinsam entwickelten sie Strategien, um insbesondere ihre psychische Resilienz zu stärken und die Dunkelheit der Tunnel, die Gewalt durch die Entführer, das Fehlen jeglicher Hygiene, die unzureichenden Mahlzeiten und den damit verbundenen Hunger, die Angst um das Leben ihrer Angehörigen sowie das Zusammenleben unter weiteren unmenschlichen Bedingungen zu überstehen. Da Sharabi die arabische Sprache beherrscht, konnte er mit den Entführern kommunizieren. In Gesprächen versuchte er, ihr Verhalten und ihre Aussagen zu deuten und die dabei gewonnenen Informationen zugunsten seiner eigenen Situation sowie der seiner Mitgefangenen zu nutzen.

Hersh Goldberg-Polin brachte eine Abwandlung eines Zitats des Philosophen Friedrich Nietzsche ein, das häufig von Viktor Frankl, dem österreichischen Psychiater und Holocaust-Überlebenden, zitiert wurde: „Wer ein Warum hat, erträgt fast jedes Wie.“ Eli Sharabi und andere Geiseln berichteten, dass ihnen dieses Zitat Hoffnung und Kraft zum Überleben schenkte. Sharabi entwickelte eine Art Routine in den Gefangenenalltag brachte und täglich gemeinsam mit den anderen Geiseln das Schma Jisrael, ein zentrales jüdisches Gebet, rezitierte. Jeden Freitag feierten sie den Schabbat und sprachen das Kiddusch, den Segen über den Wein, obwohl ihnen lediglich Wasser zur Verfügung stand. Eine weitere Geisel, Or Levy, der zeitweise gemeinsam mit Sharabi festgehalten und später freigelassen wurde, ließ sich das Nietzsche-Zitat nach seiner Heimkehr auf den Arm tätowieren. Ori Danino und Hersh Goldberg-Polin wurden während ihrer Geiselhaft von der Hamas erschossen. Während der Gefangenschaft entstand zwischen Eli Sharabi und Alon Ohel, eine tiefe Verbindung.

Befreiung Eli Sharabi wurde am 8. Februar 2025 im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas nach fast 500 Tagen in der Gefangenschaft freigelassen. Bis zu seiner Freilassung ging er davon aus, dass seine Frau und seine Töchter noch am Leben seien. Im Zuge seiner Freilassung wurde Sharabi gemeinsam mit zwei weiteren Geiseln auf ein Podium gebracht, das von schwer bewaffneten Hamas-Mitgliedern umgeben war und vor einer großen Menschenmenge stattfand. Dort mussten sie zuvor abgestimmte Fragen beantworten. Noch während seines Auftritts wurde Sharabi von den anwesenden Terroristen gefragt, ob er sich auf seine Familie freue.

Nach seiner Übergabe an das Rote Kreuz und der Überführung zu einem Stützpunkt der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erhielt er die Nachricht, dass seine Frau und seine Kinder bereits am 7. Oktober 2023 getötet worden waren. Zunächst wurde ihm mitgeteilt, dass seine Mutter und seine Schwester auf ihn warteten.

Engagement mini|Sharabi (zweiter von links) mit Präsident Donald Trump und Yair Horn, Naama Levy, Omer Shem Tov, Keith Siegel, Aviva Siegel, Doron Steinbrecher und Noa Argamani im Weißen Haus Nach seiner Befreiung setzte sich Eli Sharabi für die Befreiung der verbliebenen Geiseln und entführten Leichname ein: „Außerdem setze ich mich dafür ein, Alon Ohel, meinen besten Freund, mit dem ich 14 Monate lang in Gefangenschaft war, und alle anderen Geiseln zu befreien. Jeden Morgen beginne ich um 7 Uhr mit einem Spaziergang am Meer. Davon träumt man – wenn man 50 Meter unter der Erde ist –, einen blauen Horizont zu sehen. Das Meer erinnert mich an Yossi, der so gerne surfte, und es wurde auch zu einer Gemeinsamkeit, die Alon und ich in der Gefangenschaft schnell entdeckten. Wir tauchen beide sehr gerne. Wir beschlossen, nach unserer Freilassung gemeinsam in Thailand zu tauchen. Ich warte immer noch auf ihn, damit wir unser Versprechen einlösen können.“

Im März 2025 reiste Saharabi gemeinsam mit den ehemaligen Geiseln Omer Shem Tov, Keith Siegel, Aviva Siegel, Doron Steinbrecher, Naama Levy, Noa Argamani und Iair Horn in die Vereinigten Staaten. Im Weißen Haus setzten sie sich für die Freilassung der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln ein. Bei einem Treffen mit Donald Trump dankten sie ihm für seine Unterstützung bei ihrer Freilassung und appellierten zugleich, sich auch für die Rückführung der sterblichen Überreste der noch im Gazastreifen verbliebenen Opfer einzusetzen. Als Zeichen ihrer Anerkennung überreichten sie Trump eine goldene Plakette mit der talmudischen Inschrift: „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“

Buch Eli Sharabi zählt zu den ersten israelischen Geiseln, die nach ihrer Entführung durch die Hamas ein Buch veröffentlichten, in dem sie ihre Gefangenschaft thematisieren. Das Werk beschreibt die erlebten Ereignisse und Haftbedingungen aus einer stark persönlichen Perspektive.

Sharabis Autobiografie wurde im Mai 2025 in Israel veröffentlicht. Die englischsprachige Übersetzung Hostages erschien am 7. Oktober 2025. Nach seiner Veröffentlichung in Israel entwickelte sich das Werk zum am schnellsten verkauften Buch des Landes. Auch international wurde das Werk ein Bestseller. Die englischsprachige Ausgabe erreichte eine Spitzenplatzierung auf der Bestsellerliste der New York Times. Die deutsche Übersetzung erschien 2025 im Suhrkamp Verlag unter dem Titel 491 Tage: In den Tunneln der Hamas.

In einem Interview mit der New York Times beschreibt Eli Sharabi seine Botschaft, die er mit seinem Buch Hostage vermitteln möchte: „Ich wollte, dass die Leser zwei Dinge erleben. Erstens, dass sie die Geschichte in meinen eigenen Worten hören, nicht in den hochtrabenden Worten eines Schriftstellers. Ich möchte, dass die Leser das Gefühl haben, ich säße mit ihnen im Wohnzimmer und unterhielte mich mit ihnen. Zweitens, dass sie die Dinge mit meinen Augen sehen. Den Tunnel riechen, den Hunger mit mir spüren. Wenn Leute zu mir sagen: ‚Du erzählst deine Geschichte‘, antworte ich: ‚Nein, das ist keine Geschichte. Das ist ein Zeugnis.‘“

Der Tagesspiegel schrieb im November 2025: „Als das erste Buch einer befreiten Geisel ist ‚491 Tage‘ nicht nur ein wichtiges historisches Zeugnis, sondern auch ein fast übermenschlicher Kraftakt, so präzise wie Eli Sharabi sein Martyrium schildert. Das Unvorstellbare, so etwas erleiden zu müssen und überleben zu können, hat er – zumindest passagenweise – vorstellbar gemacht.“

Das Buch wurde 2026 mit dem „Book of the Year“-Preis der National Jewish Book Awards ausgezeichnet, der als eine der wichtigsten Auszeichnungen für jüdisch-amerikanische Literatur gilt. Die Jury würdigte insbesondere die literarische Verarbeitung der persönlichen Erfahrungen des Autors während seiner 491-tägigen Gefangenschaft.

Hostage wurde 2025 von dem US-amerikanischen Nachrichtenmagazin TIME in die Liste der „100 Must-Read Books of 2025“ aufgenommen.

491 Tage In den Tunneln der Hamas. wurde in der Sachbuch-Bestenliste der Sendung aspekte (ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT) für Januar 2026 aufgeführt.

Publikationen 491 Tage In den Tunneln der Hamas. Aus dem Englischen von Ursula Kömen, Suhrkamp Verlag, 2025, ISBN 978-3-518-43301-0.

Weblinks

Eli Sharabi bei Markus Lanz vom 24. November 2025 online via Zdf.de (44 Min.) Interview mit Eli Sharabi nach seiner Freilassung im Februar 2025 auf Canal 12, mit englischen Untertiteln durch das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) via YouTube (5:31 Min.)

Einzelnachweise

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