Eleonore Maria Hodys, geborene Hodis, (* 10. August 1903 in Wien; † 1964) war eine österreichische Hochstaplerin, die im Konzentrationslager Ravensbrück, im Stammlager des KZ Auschwitz und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau inhaftiert war. Der verheiratete Kommandant des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, soll mit Hodys ein Verhältnis gehabt haben, das zum Gegenstand von Ermittlungen einer Korruptionssonderkommission im KZ Auschwitz unter der Leitung des SS-Untersuchungsrichters Konrad Morgen wurde.

Frühe Jahre Eleonore Maria Hodis wurde am 10. August 1903 in WienRückübersetzung der Aussage des ehem. KZ-Häftlings Eleonore Hodys vor dem SS-Richter Dr. Morgen, Herbst 1944, S. 1 (Vernehmungsprotokoll) | online unter=https://www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/zs-0599_1.pdf, abgerufen, am: 19. Mai 2026. als Tochter des KaufmannesWiener Stadt- und Landesarchiv, Handelsregister A 47/7, 2.3.3.B76.47.7, online unter: image.xhtml (3252×2296) abgerufen am: 19. Mai 2026 Alexander Hodis (1882–1940)Wiener Stadt- und Landesarchiv, Verzeichnis der Verstorbenen, 1.2.4.3.B1.84, online unter: image.xhtml (2899×4249), abgerufen am: 19. Mai 2026 und der Schneidermeisterin Anna Hodis geb. SchillArolsen Archives, DocID: 81093582 | online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/81093582, abgerufen, am: 19. Mai 2026. (1881–1934)Wiener Stadt- und Landesarchiv, Verzeichnis der Verstorbenen, 1.2.4.3.B1.71, online unter: image.xhtml (3138×4548), abgerufen am: 19. Mai 2026 geboren.Arolsen Archives, DocID: 81093580 | online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/81093580, abgerufen, am: 19. Mai 2026.Arolsen Archives, DocID: 80427956 | online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/80427956, abgerufen, am: 19. Mai 2026. Ihr Vater betrieb im 3. Wiener Bezirk in der Hintzerstraße 4 seit dem 28. November 1919 das Import-, Export- und Kommissionsgeschäft Alexander Hodis & Co.

Bei dem unter dem Künstlernamen „Ferry Forst“ in den USA und Europa der 1950er- und 1960er-Jahren auftretenden ZauberkünstlerMagie, 35. Jahrgang, Heft 5, Mai 1955, S. 139Wieder ein Heiratsschwindler verhaftet, in: Der Tag, 20. März 1936, S. 7, online unter: ANNO, Der Tag, 1936-03-20, Seite 7, abgerufen am: 19. Mai 2026. Franz Alexander Hodis (1912–1993) handelt es sich um einen Bruder von Hodys.The National Archives, United States, Numerical Identification Files (NUMIDENT), created 1936 - 2007, documenting the period 1936 - 2007. - Record Group 47, online unter: NARA - AAD - Display Full Records - Application (SS-5) Files, 1936 - 2007 (Last Names H through J), abgerufen am: 19.05.2026

Über die frühen Jahre Eleonore Hodys’ sind nur wenige verlässliche und zum Teil widersprüchliche Angaben bekannt. Gegenüber der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) bekundete Hodys, im Jahr 1921 in Wien maturiert und nachfolgend im Zeitraum zwischen 1921 und 1927 an der Universität Wien Medizin studiert zu haben.Arolsen Archives, DocID: 80427957 | online unter:https://collections.arolsen-archives.org/de/document/80427957 abgerufen, am: 19. Mai 2026.

Vor dem Wiener Strafbezirksgericht I äußerte Hodys im Jahr 1929, dass sie „vor ungefähr acht Jahren“, als damals 17-Jährige, in Italien einen gewissen Rainerio di Lorenzo geheiratet habe und sich seither berechtigt fühle, diesen Nachnamen zu führen, allerdings seitens ihrer Mutter keine Zustimmung erteilt worden sei, weshalb die Ehe ungültig blieb.

Kriminelle Karriere vor dem Zweiten Weltkrieg Am 30. Juni 1928 musste sich Eleonore Hodys in Wien erstmals vor Gericht verantworten.Mysteriöses aus einer Bezirksgerichtsverhandlung, in: Arbeiter Zeitung, 1. Juli 1928, S. 12, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19280701&seite=12, abgerufen am: 19. Mai 2026. Sie hatte sich in den Monaten zuvor gegenüber einem jungen Beamten als „Dr. Eleonore Matagliano“ aus Como in Italien vorgestellt und behauptet, bei einer italienischen Handelsfirma angestellt zu sein, welche jedoch bereits seit Monaten ihr ausständiges Gehalt einbehalten würde, woraufhin ihr der Mann im Laufe der Bekanntschaft insgesamt 230 Schilling (100 Schilling-Stück 1928, etwa 21 g Feingold) geborgt hatte.Das Mädchen aus der Fremde, in: Neues Wiener Journal, 3. Juli 1928, S. 13, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19280703&seite=13, abgerufen am: 19. Mai 2026.100 Schilling, KM# 2842 Nachdem sich „Dr. Matagliano“ nach Erhalt der geborgten Summe nicht mehr bei dem Mann gemeldet hatte, erstattete er bei der Polizei Anzeige, die sie unter ihrem richtigen Namen ermitteln konnte und zudem im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen bei Hodys zwei falsche Pässe, lautend auf „Maria di Lorenzo“ und „Dr. Maria Mateniano“, auffand. Als Hodys im Verlauf der Verhandlung durch den Vorsitzenden Richter auf die beiden Pässe angesprochen wurde, behauptete sie, im Dienste einer fremden Macht zu stehen. Aufgrund des fehlenden Nachweises einer Schädigungsabsicht der Angeklagten sowie deren Angaben, dass sie die beiden aufgefundenen falschen Pässe nicht in Österreich benutzt habe, wurde sie freigesprochen.

Nachdem Hodys seit Ende Februar 1929 im Parksanatorium in Hütteldorf unter dem Namen „Maria di Lorenzo“ aus Palermo, Magistra der Pharmazie und Mitinhaberin einer großen Wiener Apotheke, residiert hatte, wurde sie dort im April 1929 festgenommen, nachdem sie dort ihre angehäuften Schulden in der Höhe von 200 Schilling nicht mehr hatte bezahlen können.Eine geheimnisvolle Fremde, in: Arbeiter Zeitung, 1. Mai 1929, S. 14, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=aze&datum=19290501&seite=14, abgerufen am: 19. Mai 2026. Ein Zeitungsartikel der Pharmaceutischen Post weist darauf hin, dass der akademische Grad der „Magistra der Pharmazie“ in Italien nicht vergeben werde. Vor Gericht behauptete Hodys, die in letzter Konsequenz zu drei Wochen Haft verurteilt wurde, dass sie sich im Dienste einer italienischen Mission befände und außerdem bereits im November 1928 einen erfolglosen Suizidversuch durch Einnahme von Chinin unternommen habe, woraufhin sie in eine psychiatrische Klinik verbracht worden sei. mini|Hauptgebäude des Heilpädagogischen Kinderheimes Hütteldorf in Wien – vormals Parksanatorium Hütteldorf Am 31. August 1929 wurde Hodys neuerlich verhaftet, nachdem sie, so der Vorwurf, in mehreren Wiener Hotels als in Girgenti geborene Italienerin bzw. aus Paris stammende Bankiersgattin „Ines Lang“ Schulden angehäuft habe und – ohne sie zu bezahlen – wieder verschwunden sei.Verhaftung einer Abenteurerin. Selbstmordversuch vor der Festnahme, in: Neues Wiener Journal, 1. September 1929, S. 8, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19290901&seite=8, abgerufen am: 19. Mai 2026. Auf dem Kommissariat brach Hodys plötzlich zusammen und wurde umgehend mit Vergiftungserscheinungen in das Wiedner Spital eingeliefert, konnte zuvor selbst den Beamten jedoch noch mitteilen, dass sie vierzig Chinin-Tabletten in suizidaler Absicht eingenommen habe.Selbstmordversuch bei der Festnahme. Die Aufschneiderein einer politischen Abenteurerin, in: Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 4. September 1929, S. 6, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwg&datum=19290904&seite=6, abgerufen, am 19. Mai 2026 Im Verlauf der Ermittlungen kam zu Tage, dass Hodys bereits drei Tage vor ihrer Verhaftung auf dem Polizeikommissariat Wieden fälschlicherweise eine Strafanzeige wegen Vergewaltigung gegen einen Zimmerkellner des Hotel Erzherzog Rainer erstattet habe, in welchem sie Unterkunft genommen hatte.Das peinliche Erlebnis eines Kellners im Hotel Erzherzog Rainer. Fälschlich der Vergewaltigung eines weiblichen Hotelgastes beschuldigt. Die Hochstapeleien der schönen Ines. in: Der Montag, 2. September 1929, S. 3, online unter: ANNO, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1929-09-04, Seite 6, abgerufen am: 19. Mai 2026 mini|Das Wiedner Spital (um 1898) Ende Dezember 1929 wurde Hodys erneut in Wien durch die Kriminalpolizei verhaftet, nachdem sie sich als „Dr. Maria Ines Mattaliano“, Tochter des italienischen Gesandten in Bukarest, ausgegeben hatte und u. a. einem Kraftdroschkenlenker einen Betrag in der Höhe von 1.500 Schilling sowie einem Hochschüler einen Anzug im Wert von 250 Schilling entlockt hatte.Frau "Magister" als Betrügerin, in: Ostdeutsche Rundschau, 30. Dezember 1929, S. 4, online unter: ANNO, Ostdeutsche Rundschau, 1929-12-30, Seite 4, abgerufen am: 19. Mai 2026. Im März 1930 wurde Hodys deshalb wegen Betruges, Diebstahl und Falschmeldung am Landesgericht Wien zu sechs Monaten schwerem Kerker verurteilt.

Bereits im November 1930 trat Hodys in Wien unter dem Namen „Ines R., geborene Mattagliano“, Gattin eines Piloten, erneut strafrechtlich in Erscheinung, als sie verdächtigt wurde, eine Tänzerin bestohlen zu haben.Festnahme einer Hochstaplerin. Die Pilotensgattin". in: Ostdeutsche Rundschau, 29. November 1930, S. 4, online unter: ANNO, Ostdeutsche Rundschau, 1930-11-29, Seite 4, abgerufen am: 19. Mai 2026Die Gattin des Piloten. in: Arbeiter Zeitung, 29. November 1930, S. 5, online unter: ANNO, Arbeiter Zeitung, 1930-11-29, Seite 5, abgerufen am: 19. Mai 2026 Im März 1931 wurde Hodys unter dem Namen „Inez Mattaliano“ nach dem Diebstahl eines Pfandscheins über eine goldene Uhr an einer Gerüstersgattin neuerlich im Wiener Bezirk Wieden festgenommen, wobei sie bei ihrer körperlichen Durchsuchung eine „Schluckbewegung“ unternahm und nachfolgend die Worte „Jetzt ist es geschehen!“ ausstieß, was den Verdacht einer Vergiftung wachrief. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie gar kein Gift genommen hatte.Schreckschuß einer Hochstaplerin. "Jetzt ist es geschehen". in: Ostdeutsche Rundschau, 7. März 1931, S. 5, online unter: ANNO, Ostdeutsche Rundschau, 1931-03-07, Seite 5, abgerufen am: 19. Mai 2026

Im Juni 1936 wurde Hodys wegen Betruges am Landesgericht Wien abermals zu einer Woche Haft verurteilt.Eine teure Bekanntschaft. in: Der Tag, 6. Juni 1936, S. 9, online unter: ANNO, Der Tag, 1936-06-06, Seite 9, abgerufen am: 19. Mai 2026 Sie hatte, vorgeblich als die Ärztin „Dr. Ines Hodis-Mattaliano“, Tochter eines ausländischen Gesandten, einem Kaufmann über einen Zeitraum von zwei Jahren insgesamt 11.430 Schilling entlockt. Als der Geschädigte auf die Rückzahlung des gewährten Darlehens drängte, drohte Hodys ihm mit Selbstmord und täuschte ihm mehrmals Schwangerschaften vor, um dadurch weiteres Geld von dem Mann zu erhalten.Luftschlösser einer falschen Aerztin. in: Das kleine Volksblatt, 6. Juni 1936, S. 9, online unter: ANNO, Das kleine Volksblatt, 1936-06-06, Seite 9, abgerufen am: 19.05.2026 Laut den Zeugenaussagen eines Polizeirates und eines Rechtsanwaltes gelang es Hodys zumindest eine Zeit lang, durch ihr außergewöhnliches rhetorisches Talent sowohl Kriminalisten als auch Juristen zu täuschen.

Im Oktober 1936 hatte sich Hodys als Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten „Dr. Alexandrine Fehringer“ in einem Gasthof in Oetz eingemietet und unter Vortäuschung falscher Tatsachen den Gastwirt um einen Betrag in der Höhe 400 Schilling betrogen. Im Verlauf ihres Aufenthaltes behandelte „Dr. Fehringer“ auch einen Bauernburschen, der an Krätze litt.Eine falsche Ärztin und ein reicher Freund. in: Innsbrucker Nachrichten, 15. Dezember 1936, S. 17, online unter: ANNO, Innsbrucker Nachrichten, 1936-12-15, Seite 17, zuletzt abgerufen: 19.05.2026 Bei der Verhaftung durch die Gendarmerie nahm Hodys scheinbar eine größere Menge Gift zu sich, woraufhin sie in ein Krankenhaus verbracht wurde, wo sich herausstellte, dass es sich bei der eingenommenen Substanz lediglich um Speisesalz gehandelt habe. Am Landesgericht Innsbruck wurde deshalb Eleonore Hodys im Dezember 1936, die bereits 1932 aus Tirol verbannt worden war,Abschaffungen. in: Innsbrucker Nachrichten, 7. November 1932, S. 7, online unter: ANNO, Innsbrucker Nachrichten, 1932-11-07, Seite, abgerufen am: 19.05.2026 zu einem Jahr schwerem Kerker verurteilt.