mini|hochkant|Hilter Mühle (2026) Die Hilter Mühle ist ein Erdholländer mit Kappe und Steert aus dem Jahre 1818. Sie wurde in Hilter, einem Ortsteil der Gemeinde Lathen, errichtet und wird nach der langjährigen Besitzerfamilie auch Dürkensche Mühle genannt. Sie ist ein technisches Denkmal.
Lage Die Mühle steht auf dem 34 Meter hohen Hilterberg südlich der Gemeinde Lathen und östlich des Ortsteils Hilter zwischen der Ems und der Bundesstraße 70.
Geschichte Das Mühlen- und Müllerwesen in Hilter hat eine gut dokumentierte Geschichte. Erstmals wird eine Mühle in Hilter um 1650 urkundlich erwähnt. Damals wurde eine Wassermühle vom Müller Dürken am Ortsrand von Hilter betrieben, die im Laufe der Jahre durch eine Windmühle ersetzt wurde.
Im Jahr 1818 ließ der Müller Johann-Heinrich Dürken (1771–1842) die „Hilter Mühle“ errichten. Das vorhandene Bauwerk war von der Zeit gezeichnet, und ihm war durch Aufforstung der Wind genommen worden. Andere Mühlen wurden damals demontiert und an geeigneter Stelle wieder aufgebaut. Das lohnte sich hier nicht mehr.
Müller Dürken ließ eine neue Mühle nach den neuesten technischen Gesichtspunkten errichten. Während in weiten Teilen Deutschlands Bockwindmühlen gebaut wurden, setzte er auf eine Holländer-Windmühle mit zwei Mahlwerken und einem Peldegang (Pellgang). Im November 1818 konnte Müller Dürken mit dem Mühlenbaumeister die erste Umdrehung der Mühlenflügel begießen. Die Leistungskraft der neuen Mühle überzeugte nicht nur die Bauern in Hilter, sondern auch die Landwirte aus den Ortschaften Tinnen, Emen, Kathen und Lathen. Im Jahr 1838 erfolgte eine größere Reparatur durch H. Abeln aus Wieste. mini|Die Hilter Mühle vor 1950 Im Jahr 1858 wurde die Mühle an Albert Rensen verpachtet und nebenan eine Bäckerei gebaut. Wenige Jahre später erfolgte 1861 die Verpachtung an Lukas Anneken, der in einem Nebengebäude Schwarzbrot backte. Ab 1912 wurde die Mühle wieder in Eigenregie betrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mühle durch Windbruch weitgehend zerstört. Bis etwa zur Währungsreform 1948 trieb ein Gasmotor ein Mahlwerk an und erzeugte mit einem Sichtwerk neben Schrot und Kleie auch feinere Mehlsorten. Später schieden Bäckereien und andere Großabnehmer wegen der Windabhängigkeit als Kunden aus.
mini|Die Hilter Mühle vor der Übernahme durch den Kreisheimatverein Der Mühlenführer des Landkreises Aschendorf-Hümmling aus dem Jahr 1950 beschreibt die Mühle als „verlassenes Wrack“.
Im Jahr 1964 trat der Kreisheimatverein mit seinem Vorsitzenden, August Löning, auf den Plan und übernahm die Mühle für 99 Jahre in Erbpacht. Im August 1964 feierte der Kreisheimatverein die gelungene Restaurierung der Windmühle. Anlässlich seines 75. Geburtstages bat Herr Löning um Unterstützung für neue Flügel für die Hilter Mühle. 1973 wurden Orkanschäden an der Mühle repariert und 1980 zerstörte ein Blitzschlag eine Flügelhälfte. In den Jahren 2001/2002 erfolgte die vollständige Restaurierung und Renovierung der Mühle durch den Kreisheimatverein. Auch die Unterstützung durch Privat- und Geschäftsleute legte den finanziellen Grundstock für die Renovierung.
Besondere Ereignisse Eine Wurstfabrik war vom Aussehen und dem Ambiente der Mühle so beeindruckt und begeistert, dass sie einen Werbefilm für ihre Wurstsorten an und in der Mühle drehte. Ein kleiner Teil des Werbeetats blieb auch für die Unterhaltung und Restaurierung der Mühle.
Auch die Prominenz besuchte schon die Hilter Mühle. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident und spätere Bundespräsident, Christian Wulf, ließ sich die Mühle und das Drumherum erklären.
Das Standesamt der Samtgemeinde Lathen verlegt auf Wunsch seinen Amtssitz für Trauungen in die Mühle. Speziell in den Sommermonaten wird das Angebot häufig genutzt.
Technik und Funktionsweise mini|Historische Dreschmaschine im Einsatz und im Hintergrund die aufgetakelte Mühle
Um ausreichend Wind für die Mühlenflügel einzufangen, werden diese mit Segeltuch bespannt und damit aufgetakelt. Über die bewegliche Mühlenkappe, die auf einem Rollenkranz gelagert ist, können die Flügel, mit Hilfe des Krujrades, passend in den Wind gedreht werden. Die am Achskopf befestigten Mühlenflügel drehen die Achse und damit das Achsrad (Durchmesser: 2,80 mtr. mit 62 Kämmen), das mittels des Bunklers (Durchmesser: 1,68 mtr. mit 38 Kämmen) die horizontale Kraft in eine vertikale umwandelt. Dadurch wird die Königswelle mit dem Stirnrad (Durchmesser: 2,90 Meter mit 110 Kämmen) in Bewegung gesetzt. Vorher wird die entsprechende Spindel über das Stock- oder Korbrad „zugeschaltet“. Die Spindel bringt den Läuferstein zum Drehen, der sich über dem Steinboden dreht. Zwischen diesen beiden Steinen wird das Korn gemahlen, das als Mehl auf den Mehlboden fällt. Um feineres Mehl zu erhalten, kann es über den Sichter, auch Sichtwerk genannt, in den feine Tücher gespannt sind, in feinere Mehlsorten gesiebt werden.
Die Mühle in der Gegenwart Die Mühle ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Sie kann in den Sommermonaten an Sonntagen und nach Absprache besichtigt werden. Zu besonderen Anlässen und bei ausreichend vorhandenem Wind werden die Mühlenflügel von den „Mühlenfreunden Hilter“ in Bewegung gesetzt, um die alte Technik zu demonstrieren. Die Mühle ist voll funktionsfähig.
Weblinks
Hilter Mühle auf der Website des Heimatvereins Lathen
Einzelnachweise
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