mini|Schwörhaus, Sitz des Gerichtes Der Königliche Gerichtshof für den Donaukreis in Ulm (auch Kreisgerichtshof Ulm) war im Königreich Württemberg von 1819 bis 1869 eines der vier und danach eines der acht Mittelgerichte.

Geschichte Vorgeschichte 1810 fiel Ulm an Württemberg. Mit Erlass vom 26. August 1811 wurde in Ulm ein Provinzial-Justiz-Collegium als Aufsichtsbehörde für die Oberamtsgerichte des Bezirks und als Zivilgericht für Verfahren mit einem Streitwert von mehr als 50 Gulden eingerichtet. 1817 wurde in Ulm der Königliche Appellations-Gerichtshofs für den Jagst- und Donau-Kreis als Appellationsinstanz in Zivilsachen eingerichtet.

Gerichtshof für den Donaukreis Durch das Kreisedikt von 1817 wurde das Königreich Württemberg in vier Kreise eingeteilt, darunter der Donaukreis. Mit der Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend vom 9. Oktober 1818 wurde angeordnet, dass ab dem 1. Januar 1819 in jedem der Kreise ein Gerichtshof eingerichtet werden sollte. So entstand der Gerichtshof für den Donaukreis, dessen Sprengel der Donaukreis bildete.Verordnung, einige Veränderungen in dem Wirkungskreise der Provinzial-Gerichthöfe betreffend, vom 9. Oktober 1818, in: Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt vom 12. Oktober 1818, S. 561 f. Der Gerichtshof bestand 1824 aus vier Senaten, nämlich dem Kriminal-, Zivil-, Pupillen- (Vormundschafts-)Senar und seit 1822 dem Ehegericht.

Nachgelagert waren folgende Gerichte: Gericht Klasse Sitz Sprengel Anmerkungen Oberamtsgericht Albeck 3. Klasse Albeck Oberamt Albeck 1819 aufgelöst und mit Oberamtsgericht Ulm verschmolzen Oberamtsgericht Biberach 1. Klasse Biberach an der Riß Oberamt Biberach Oberamtsgericht Blaubeuren 3. Klasse Blaubeuren Oberamt Blaubeuren Oberamtsgericht Ehingen 2. Klasse Ehingen Oberamt Ehingen Oberamtsgericht Geislingen 2. Klasse Geislingen an der Steige Oberamt Geislingen Oberamtsgericht Göppingen 1. Klasse Göppingen Oberamt Göppingen Oberamtsgericht Kirchheim 2. Klasse Kirchheim unter Teck Oberamt Kirchheim Oberamtsgericht Laupheim 2. Klasse Laupheim Oberamt Laupheim Oberamtsgericht Leutkirch 2. Klasse Leutkirch Oberamt Leutkirch Oberamtsgericht Münsingen 3. Klasse Münsingen Oberamt Münsingen Oberamtsgericht Ravensburg 1. Klasse Ravensburg Oberamt Ravensburg Oberamtsgericht Riedlingen 2. Klasse Riedlingen Oberamt Riedlingen Oberamtsgericht Saulgau 2. Klasse Saulgau Oberamt Saulgau Oberamtsgericht Tettnang 2. Klasse Tettnang Oberamt Tettnang Oberamtsgericht Ulm 1. Klasse Ulm Oberamt Ulm Oberamtsgericht Waldsee 3. Klasse Waldsee Oberamt Waldsee Oberamtsgericht Wangen 3. Klasse Wangen Oberamt Wangen Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. 1866 S. 112 f., S. 193 f., S. 112 f., S. 193 f.

Daneben bestanden Patrimonialgerichte: Gericht Sitz Besitzer, Sprengel Anmerkungen königlich und fürstliches Thurn und Taxissches Amtsgericht Buchau Buchau Thurn und Taxis, Reichsfürstentum Buchau königlich und fürstliches Thurn und Taxisches Amtsgericht Obermarchtal Obermarchtal Thurn und Taxis, Kloster Obermarchtal königlich und fürstliches Thurn und Taxisches Amtsgericht Obersulmetingen Obersulmetingen als Delegation des Oberamtsgerichtes Bigerach königlich und fürstliches Thurn und Taxisches Amtsgericht Scheer Scheer Thurn und Taxis, Grafschaft Friedberg-Scheer

Mit dem Gesetz vom 4. Juli 1849 betr. die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit und PolizeiverwaltungReg.Bl. S. 269. wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft. Mit Gesetz vom 17. August 1849, betr. die Aufhebung der befreiten Gerichtsstände erfolgte die weitgehende Aufhebung der privilegierten Gerichtsstände.Reg.Bl. S. 463.

Auflösung Durch das Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 13. März 1868 wurden im Königreich Württemberg acht Kreisgerichtshöfe gebildet, also für jeden Kreis zwei Gerichte. Der Kreisgerichtshof für den Donaukreis gab daher die Hälfte seines Sprengels an den neu gegründete Kreisgerichtshof Ravensburg in Ravensburg ab. Die Änderungen traten zum 1. Februar 1869 in Kraft. Beim Kreisgerichtshof Ulm verblieben die Oberamtsgerichte Blaubeuren, Ehingen, Geislingen, Göppingen, Kirchheim, Laupheim, Münsingen und Ulm.Königlich württembergisches Hof- und Staatshandbuch, 1877, S. XII, Digitalisat.

1879 wurden reichweit einheitlich Landgerichte gebildet, damit endete die Geschichte des Kreisgerichtshofs für den Donaukreis. An seiner Stelle entstand das Landgericht Ulm.

Sitz des Gerichtes Das Kreisgericht war im Schwörhaus untergebracht.

Richter Benjamin Friedrich von Pfizer (Direktor bzw. Präsident 1819–1828)

Literatur Benjamin Lahusen: Festschrift: 200 Jahre Landgerichte Ellwangen, Tübingen, Ulm, S. 56–60, Digitalisat.

Einzelnachweise

Donaukreis Kategorie:Gerichtsgründung 1819 Kategorie:Aufgelöst 1879 Kategorie:Organisation (Ulm)