Zug in die Ferne ist ein Studentenfilm von Andreas Dresen von 1989.

Inhalt Sechs Personen warten auf einem Vorstadtbahnsteig auf den Zug zum Potsdamer Hauptbahnhof, darunter eine junge Frau, ein älterer Herr, der viel beschwichtigt, ein Mann mit Schlapphut und Trenchcoat, der sich hinter der aufgeschlagenen Zeitung Neues Deutschland versteckt, ein Punk und ein junger Mann, der auf einem Klapphocker auf einer Reiseschreibmaschine schreibt. Die Uhrenzeiger stehen unbeweglich auf der Zwölf, am Himmel ziehen Zugvögel vorbei. Als zuerst der Transitzug nach Paris angezeigt wird, erklingt Musettemusik und Kekse werden verteilt. Erst danach trifft der Vorortzug ein.

Der ältere Herr erhält einen Koffer mit Filmrollen, mit denen er zu seinem kleinen Kino geht. Auch der junge Mann und der Schlapphutmann warten dort davor, wo dann der Film Paris um Mitternacht (von 1950) gezeigt wird.Zug in die Ferne Filmportal, mit ausführlicher Inhaltsangabe von Pitt Herrmann Hans-Dieter Schütt, Andreas Dresen. Glücks Spiel. Porträt des Regisseurs, bebra, 2020, S. 9, Kapitel 6., mit poetischer Inhaltsbeschreibung

Hintergründe Zug in die Ferne war ein Übungsfilm von Andreas Dresen im dritten Studienjahr an der Filmhochschule Babelsberg, an dem auch mehrere Kommilitonen wie die Hauptdarstellerin Andrea Brose und die Drehbuchassistentin Laila Stieler mitwirkten. Er ist eine groteske Parabel auf die Lethargie in der DDR und die Sehnsucht nach der Ferne. Züge und Bahnhöfe als Metapher für Bewegung und Stillstand gab es auch in anderen DDR-Filmen dieser Zeit, wie Winter adé (1988) von Helke Misselwitz.Umwege zum Nachbarn. Der Film der DDR in Oberhausen Kurzfilmtage Oberhausen, Pressemitteilung vom 25. Februar 2025, letzter Absatz („Kaum ein Bild wurde im DDR-Film der Wendezeit so oft bemüht wie das des Zuges. Mal kommt er nicht und lässt die Wartenden am Bahnsteig voll Wehmut zurück [= Zug in die Ferne!], mal entgleist er und überrollt das ganze Filmteam, und den scheinheiligen Wiedervereinigungs-Kitsch gleich mit.“)

Die Dreharbeiten fanden im Oktober 1989 auf dem Bahnhof Potsdam West statt, als es zwar schon viel Unruhe im Land gab, aber das baldige Ende noch nicht sichtbar war. Es gab mehrfache Verzögerungen, weil Beteiligte bei Demonstrationen kurzzeitig verhaftet worden waren.Sven Pötting, Die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen, in Dominik Orth, Hans-Peter Preußer (Hrsg.), Mauerschau. Die DDR als Film, de Gruyter, Boston Berlin/Boston 2020, S. 1989, nach Lode, 2009, S. 29

Der Film wurde 1990 beim Internationalen Filmfestival in Mannheim gezeigt und 1991 bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen, wo er jeweils Preise erhielt. 2007Kurzfilme von Andreas Dresen Filmmuseum Potsdam, 2007 , 2023Filme von Andreas Dresen Filmmuseum Potsdam, 2023 und 2024 war er im Filmmuseum Potsdam bei Retrospektiven von frühen Filmen von Andreas Dresen wieder zu sehen, und 2025 erneut in Oberhausen.

Auszeichnungen 1990 Internationales Film Festival Mannheim: Filmdukat (höchster Preis) und Volkshochschulpreis 1991 Hessischer Filmpreis 1991 Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: Preis der Unterzeichner des Oberhausener Manifests

Weblinks Zug in die Ferne Filmportal Zug in die Ferne Filmmuseum Potsdam

Einzelnachweise

Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Filmtitel 1989 Kategorie:DDR-Film Kategorie:Schienenverkehr im Film Kategorie:Schienenverkehr (Potsdam) Kategorie:Schienenverkehr (DDR) Kategorie:Wende und friedliche Revolution in der DDR Kategorie:Kultur (Potsdam) Kategorie:Andreas Dresen