Solo (London) 1988 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die 1988 im Institute of Contemporary Arts in London entstandenen Aufnahmen erschienen 1991 auf Impetus Records.
Hintergrund 1968 revolutionierte Anthony Braxton den Jazz, indem er neben die Möglichkeit von Solodarbietungen auf dem Saxophon (die zuvor sporadisch Coleman Hawkins („Picasso“. 1947), Sonny Rollins und Eric Dolphy, um nur einige zu nennen, hervorgebracht hatten) ein ganzes Arsenal an Ausdrucksmöglichkeiten, beinahe ein Wörterbuch stellte, dessen Möglichkeiten sich allein mit dem Instrument erweitern ließen, merkte Brian Olewnick an.
Graham Locks’ detaillierte Liner Notes beleuchten Braxtons Ansatz ausführlich und machen dem Hörer seine Idee der „Sprachmusik“ verständlich, „in der jedes Stück einem kleinen (aber unendlich variablen und offenen) Klangaspekt gewidmet ist. So kann eine Komposition Summen, eine andere Hundegebell, eine weitere „Wo-Wo“-Laute beinhalten“.
Das Album enthält neben Braxtons eigenen Kompositionen außerdem drei Standards: „Invitation“, ein Stück, das durch Dinah Washington, eine seiner Lieblingskünstlerinnen, bekannt wurde, sowie die beiden Coltrane-Klassiker „Impressions“ und „Naima“.
Titelliste Anthony Braxton: Solo (London) 1988 (Impetus Records – IMP LP 18818) A1 Composition 106C 7:57 A2 Composition 118F + Composition 99G 5:20 A3 Composition 138C 2:52 A4 Invitation (Bronislaw Kaper, Paul Francis Webster) 7:34 B1 Composition 99C 4:32 B2 Composition 138E 5:00 B3 Impressions (John Coltrane) 5:24 B4 Composition 99I 4:18 B5 Naima (John Coltrane) 1:42
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Anthony Braxton.
Rezeption Brian Olewnick verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und meinte, selbst Kenner von Braxtons Solo-Aufnahmen dürften von Stücken wie dem Eröffnungstrack „Composition 106C“ begeistert sein – „ein Meisterwerk der Zirkularatmung, dessen melodische Spiralen sich in einen überwältigenden Strom komplexer Klänge ergießen, ähnlich und doch nie gleich, von unglaublicher Tiefe und Lebendigkeit.“ Braxton würde in jede dieser Erkundungen eine Leidenschaft legen, die seiner Intelligenz in nichts nachstehe, und so einige der ergreifendsten Musikstücke der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schaffen. Das Gerücht, ihm fehle es an Wärme und Swing, lasse sich angesichts solcher Darbietungen nicht aufrechterhalten. „London Solo“ (1988) sei ein herausragendes Album eines Künstlers auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 1991 Kategorie:Anthony-Braxton-Album