Anne Lise Huseby (geborene Jenssen, * 26. Mai 1930 in Harstad; † 13. November 2019 in Trondheim) war eine norwegische Architektin und Stadtplanerin.
Frühe Jahre und Ausbildung Ihr Abitur absolvierte sie in Trondheim, bevor sie im Jahr 1953 nach Graz reiste, um ihr Architekturstudium an der Technischen Hochschule Graz zu beginnen. Ein treibender Faktor dafür war vor allem ihre Mutter, die der Meinung war, ihre Tochter müsse eine Ausbildung machen, um sich selbst versorgen zu können. Dass ihr Bruder bereits als Bauingenieurstudent in Graz eingeschrieben war, bedeutete zusätzliche Unterstützung.
Das Studium prägte sie nachhaltig. Die Umstände waren für Frauen damals nicht optimal, und Professoren zeigten Unverständnis für das Interesse von Frauen am Studieren. Das Thema ihrer Diplomarbeit, die sie 1961 bei Hubert Hoffmann ablegte, war „Entwurf einer Botschaft“. Nach Abschluss des Studiums kehrte Anne Lise Jenssen nach Trondheim zurück, um ihre berufliche Laufbahn zu beginnen.
Internationale Erfahrungen Zunächst erhielt Anne Lise eine Stelle im Architekturbüro Herman Krag Arkitektkontor, zog aber bereits 1963 nach New Jersey, um. Dort hatte sie eine Stelle im Büro eines deutschen Architekten erhalten. Als Frau in den USA der frühen sechziger Jahre waren ihre Möglichkeiten allerdings begrenzt und da sie nicht an den für sie interessanten Projekten arbeiten konnte, kehrte sie nach einem Jahr wieder in ihr vorheriges Büro zurück. In den Jahren 1966–67 besuchte sie während eines Arbeitsauftrages ihres Mannes Athen in Griechenland und wurde Mutter einer Tochter.
Architektin im Büro Herman Krag Anschließend arbeitete sie in einer festen Stelle im Büro Krag und stieg zu einer der Partnerinnen auf. Das 1952 gegründete Büro realisierte zahlreiche Projekte in Trondheim und Umgebung, darunter Einfamilienhäuser, größere Wohnsiedlungen, Kulturgebäude und öffentliche Einrichtungen.
Anne Lise Huseby war unter anderem anhttps://old.arkitektur-n.no/prosjekter/siemens-norge-as-trondheim Bauten für Siemens, Studentenwohnungen und der Hauptpolizeistation in Trondheim beteiligt, sowie am Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum. Zahlreiche Pflegeheime fielen ebenfalls unter ihre Verantwortung. Zu Letzteren gehört auch die Restaurierung des 1277 gegründeten Trondhjems Hospitals, der ältesten noch betriebenen Sozialeinrichtung Norwegens. Darüber hinaus entwarf sie auch Privathäuser wie das Einfamilienhaus und die Berghütte der Familie.
Stadtentwicklung in Trondheim Huseby war von 1987 bis 1997 Leiterin für städtebauliche Entwicklungs- und Sanierungsmaßnahmen der Gemeinde Trondheim. Besonders am Herzen lag ihr der soziale Wohnungsbau. Sie war beteiligt an der Restaurierung des ältesten Sozialgebäudes in Trondheim, des St. Jørgens Hus, ein historisch bedeutender und denkmalgeschützter Holzbau aus dem 18. Jahrhundert. Das Gebäude erhielt neben einer barrierefreien Ausstattung im Erdgeschoss sechs Sozialwohnungen, ohne den besonderen Charakter des Innenraums und den Großteil der alten Struktur zu verlieren. Sie war beteiligt an der Debatte um den alternativen Bezirk Svartlamoen, welcher in den Neunzigern von der Gemeinde Trondheim abgerissen werden sollte. Zwei bedeutende Künstler aus Trondheim, Håkon Bleken (1929–2025) und Håkon Gullvåg (* 1959), trotzten dem Beschluss 1996 durch das Erschaffen eines Bildes an einer Hauswand. Huseby wurde als Leiterin der Abteilung geschickt, um ein Malverbot zu verhängen, allerdings erfolglos. Zuvor sagte sie stellvertretend für die Gemeinde, es lohne sich nicht, noch mehr Geld für diese Häuser auszugeben.
Späte Berufsjahre Im Alter von 67 Jahren kehrte sie in das Architekturbüro Krag zurück und blieb dort bis zur Schließung im Jahr 2005. Bis zu ihrem Tod am 13. November 2019 arbeitete sie an kleineren, privaten Projekten weiter. Sie kehrte auch noch mehrmals nach Graz zurück, neben Treffen mit Freunden und Studienjubiläen zuletzt zur Verleihung des „Goldenen Ingenieurdiploms“ im Jahr 2011.
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