Die Burg Kanina () ist die seit der Antike bestehende Festung um den Ort Kanina in Südalbanien bei der Stadt Vlora.

Lage Kanina hat eine strategisch bedeutende Lage auf einem bis zu Offizielle Karte 1:50'000 des militärischen kartographischen Amtes Albaniens, Blatt K-34-124-C, 2. Auflage 1982. hohen Hügelzug über der Stadt Vlora, die etwa sechs Kilometer nordwestlich liegt. Am Übergang zwischen der Bucht von Vlora und dem Shushica-Tal lässt sich ein weites Gebiet überblicken und die Verkehrswege von Vlora ins Hinterland und nach Süden sowie der Hafen an der Straße von Otranto – dem Übergang von der Adria zum Ionischen Meer – kontrollieren.

Nach Westen fällt das Gelände steil zur Küste hin ab. Nach Osten läuft das Gelände zur Shushica flächer aus, ist aber im Gratbereich ebenfalls recht steil. So bot der Hügel einen guten natürlichen Schutz.

Das Dorf Kanina hat heute seinen Kern südlich der Burg, zieht sich aber rund um die Festung herum.

Geschichte Kanina war spätestens seit der frühen Eisenzeit besiedelt.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich auf dem recht ebenen, höchsten Hügel eine kleine illyrische Stadt, die mit einer Mauer gesichert wurde. Das Gelände wurde terrassiert, die Straßen waren befestigt und die Häuser aus Stein oder Ziegeln gebaut. Kanina stand in engem Austausch mit der Stadt Amantia weiter im Landesinneren. Historiker vermuten, dass es sich um das von Ptolemäus erwähnte „Küsten-Amantia“ handeln könnte. Im 1. Jahrhundert unter den Römern verlor der Ort wohl etwas an Bedeutung, da die pax romana weniger gut gesicherte Wohnlagen ermöglichte. Unter Justinian wurden die Mauern wieder instandgesetzt.

Im 10. Jahrhundert lebte Kanina wieder auf, war sogar Bischofssitz. Die Stadt ist immer wieder Schauplatz von Kämpfen und wechselt wiederholt den Besitz, gehört im 13. Jahrhundert zum Königreich Neapel, im 14. Jahrhundert zum serbischen Königreich unter Stefan Uroš IV. Dušan. Vom 10. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert wurden die Stadtmauern immer wieder erneuert. Trotzdem nahmen 1417 die Osmanen Kanina ein, bauen aber Vlora zur Festung aus, so dass Kanina an Bedeutung verliert. Evliya Çelebi beschreibt die Stadt 1670 als Garnison mit 400 Soldaten sowie 320 Häusern innerhalb und 300 Häusern außerhalb der Mauern.

Um 1690 war die Festung während weniger Jahre von den Venezianern besetzt (Siebter Osmanisch-Venezianischer Krieg). Die Venezianer sprengten mehrere Türme. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verfiel die Festung allmählich, insbesondere mit dem Abzug der letzten osmanischen Truppen 1850. Der englische Reisende Edward Lear hatte 1848 Zeichnungen angefertigt, die noch einen Uhrturm zeigten. Dieser war wohl nur wenige Jahre zuvor errichtet worden und zerfiel rasch. 1891 wurde eine neue Glocke aus Deutschland installiert, die im Ersten Weltkrieg von den italienischen Besatzern geraubt wurde.

Anfang der 1970er Jahre fanden umfangreiche archäologischer Ausgrabungen statt. 2006 wurden Restaurationen durchgeführt. 2026 wurden erneut Grabungen und Restaurierungsarbeiten in Angriff genommen, die als gemeinsames Projekt zwischen dem Albanischen Entwicklungsfonds und Cultural Heritage without Borders Albania durchgeführt werden. Sie haben den Erhalt der historischen Burgsubstanz sowie den Ausbau der Infrastruktur und der touristischen Angebote zum Ziel. Bei den Ausgrabungen haben Archäologen neue Funde gemacht. Sie entdeckten Spuren und Bauwerke, die bis 2400 Jahre alt sind.

Festungsanlage mini|Besucher auf dem terrassierten Gelände innerhalb der Festungsmauern Die Mauern der Stadt sind mehrheitlich noch gut erhalten. Der Großteil stammt aus dem Mittelalter, einzelne Reste aber noch aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Das Areal innerhalb der Mauern ist praktisch leer ohne klare Hinweise auf die frühere Besiedlung.

Die Stadtmauer war 986 Meter lang und umfasste ein Areal von 3,6 Hektar. Ihr Verlauf hat sich seit der Antike kaum verändert. Bekannt sind nur ein Tor an der Südseite und ein Zugang im Osten. Im Westen trennen Mauern eine Art Zitadelle innerhalb der Stadt ab.

Literatur

Ekrem Vlora: Kalaja e Kaninës. arti grafiche editoriali A. Urbinati, Rom 1961 (Neudruck: Kalaja e Kaninës dhe shkrime të tjera. Botimet Koçi, Tirana 2004, ISBN 99927-871-5-5).

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Einzelnachweise

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