mini|Écomusée de Saint-Nazaire Das Écomusée de Saint-Nazaire ist ein Museum für Stadt- und Industriegeschichte in der französischen Hafenstadt Saint-Nazaire im Département Loire-Atlantique in der Region Pays de la Loire. Es dokumentiert die maritime, industrielle und urbane Entwicklung der Stadt von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das Museum besitzt den staatlichen Status eines Musée de France. mini|Écomusée de Saint-Nazaire (Ausstellungshalle) Es befindet sich im Bereich des autonomen Hafens von Nantes-Saint-Nazaire (Port autonome de Nantes-Saint-Nazaire) an der Avenue de Saint-Hubert. Es liegt an der Mündung der Loire in den Atlantischen Ozean, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schiffbauwerften der Chantiers de l’Atlantique.

Geschichte Die systematische Erfassung und der Aufbau der Museumssammlungen begannen im Jahr 1983 unter der Leitung der ersten Konservatorin, Michèle Nolla. Das Museum wurde als Écomusée (Ökomuseum) konzipiert, um das industrielle und soziale Erbe der Region im Kontext seiner Umwelt und der lokalen Bevölkerung darzustellen. Es wurde 1988 offiziell für das Publikum eröffnet.

In der Folgezeit erweiterte die Betreibergesellschaft ihr Angebot im Hafengebiet und den Museumsbestand:

1986/1987: Integration des ausgemusterten militärischen U-Boots Espadon (Baujahr 1960) in die Bestände. Seit 1987 kann es als Museumsschiff besichtigt werden. 1992: Erweiterung des Sammlungsauftrags um das historische Erbe der Transatlantik-Linienschiffe, die traditionell in den Werften von Saint-Nazaire gebaut wurden. 2000: Eröffnung des Ausstellungszentrums Escal’Atlantic in der ehemaligen U-Boot-Basis der deutschen Kriegsmarine. Dessen wissenschaftliche und kulturhistorische Betreuung obliegt ebenfalls dem Écomusée. Im Jahr 2008 erwarb das Museum bei einer Auktion die Ehrenlegions-Medaille des in Saint-Nazaire geborenen Politikers Aristide Briand für 12.200 Euro. 2011 kam es zu einem Einbruchdiebstahl, bei dem diese Medaille, eine Originalfotografie Briands in Anwaltsrobe sowie dessen Presseausweis entwendet wurden.

Sammlung und Ausstellungen mini|Exponate Die Bestände des Museums setzen sich im Wesentlichen aus Schenkungen von Werften, maritimen Unternehmen und Privatpersonen sowie gezielten Ankäufen zusammen. Sie spiegeln die Transformation des ehemaligen Fischerdorfs zu einer Industriestadt sowie die Phase des Wiederaufbaus nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wider.mini|ExponateDie Dauerausstellung umfasst folgende Themenschwerpunkte und Objekttypen:

Schiffbau und Hafenindustrie: Gezeigt werden historische Werkzeuge der Werftarbeiter, technische Bauteile sowie historische Großmodelle von Schiffen. Maritime Infrastruktur: Zu den Exponaten zählen historische Optiken von Leuchttürmen (darunter Fresnel-Linsen) und Nebelhörner. Urbane Ethnografie: Die Alltagskultur und Sozialgeschichte der Einwohner wird durch Gebrauchsgegenstände, historische Fotografien, Gemälde, Plakate, Lithografien und Archivfilme dokumentiert.

Transatlantik-Kollektion: Das Museum verwaltet einen umfangreichen Bestand zur Geschichte der Passagierschifffahrt auf der Route zwischen Saint-Nazaire, den Antillen und Mittelamerika. Seit 2005 gehört hierzu auch eine Leihgabe des Musée des Arts décoratifs in Paris mit über 850 Objekten des 1935 in Dienst gestellten Luxusliners Normandie, darunter Möbel, Ausstattungselemente und Geschirr.

Ergänzend zur Dauerausstellung wurden thematische Sonderausstellungen realisiert, so beispielsweise im Jahr 2005 eine Dokumentation über die Poche de Saint-Nazaire (Festung von Saint-Nazaire) anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung der Region am 8. Mai 1945.

Literatur Peter Davis, Ecomuseums. A Sense of Place, Continuum, London/New York 2011. Hugues de Varine, L’écomusée singulier et pluriel. Un témoignage sur cinquante ans de muséologie communautaire dans le monde, L’Harmattan, Paris 2017.

Weblinks

Website des Museums U-Boot-Bunker, St. Nazaire/FR

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftsmuseum Kategorie:Saint-Nazaire Kategorie:Museumsgründung 1988