Rébecca Chaillon (* 1985 in Montreuil, Département Seine-Saint-Denis) ist eine französische Regisseurin, Performerin, Autorin und Gründerin der Compagnie Dans Le Ventre. Ihre Arbeit verbindet Theater, Performance und Poesie mit Körperpolitik, marginalisierten Identitäten und dem Kampf gegen sexuelle, rassistische und geschlechtsspezifische Diskriminierung. Breite internationale Aufmerksamkeit erhielt sie insbesondere mit Carte noire nommée désir, dessen Aufführung beim Festival d’Avignon 2023 sie als wichtige Vertreterin eines queeren, afrofeministischen und dekolonialen Gegenwartstheaters aufzeigte.
Leben Chaillon wurde 1985 in Montreuil geboren, ihre Vorfahren stammen aus Martinique und sie wuchs in der Picardie auf. Nach ersten Theatererfahrungen in der Picardie studierte sie Arts du spectacle in Paris und besuchte das Konservatorium des 20. Arrondissements. Ab 2005 arbeitete sie im Theaterforum mit der von Bernard Grosjean geleiteten Compagnie Entrées de jeu und im Umfeld der Bildungsbewegung Ceméa. 2006 gründete sie ihre eigene Compagnie Dans Le Ventre. Chaillon gehört zum Künstlerinnen- und Autorinnenkollektiv RER Q und wird als Autorin von L’Arche vertreten, wo Boudin Biguine Best of Banane, Carte noire nommée désir, La Parabole du Seum, L’Estomac dans la peau, Plutôt vomir que faillir und Whitewashing erschienen.
Wirken Chaillons Theater nutzt Körper, Nahrung und künstlerisches Selbst-Make-up als dramaturgische Materialien. Seit der Gründung ihrer Compagnie entwickelte sie Arbeiten an der Schnittstelle von Performancekunst und politischem Theater, in denen surreale Bilder aus radikalen körperlichen Experimenten entstehen. Mit L’Estomac dans la peau schuf sie 2012 ein erstes Solo, später folgten Monstres d’amour (Je vais te donner une bonne raison de crier) und die Mitwirkung an My Body My Rules sowie Ouvrir la voix. In Où la chèvre est attachée, il faut qu’elle broute thematisierte sie 2018 Frauenfußball und die Diskriminierung von Spielerinnen. Carte noire nommée désir wurde im November 2021 geschaffen und als Tourneeproduktion bis 2025 geführt. Das Stück arbeitet mit acht schwarzen Künstlerinnen, befragt die Figur der schwarzen Frau als Objekt von Fantasien und umfasst Fantastik, Kabarett, Barockhumor, Karnevalisierung und Sororität. Der Titel spielt auf die französische Kaffeemarke Carte Noire und eine Werbung der 1990er-Jahre an, deren Bildwelten Chaillon gegen koloniale, rassistische und sexualisierte Zuschreibungen schwarzer Körper wendet. Beim Festival d’Avignon 2023 wurde Carte noire nommée désir als dreistündiges performatives Stück umgesetzt, das Darstellungen schwarzer Frauen und das koloniale Unbewusste Frankreichs dekonstruierte. Die Avignon-Aufführungen wurden von starkem Zuspruch, aber auch von verbalen und physischen Angriffen auf die schwarzen Performerinnen begleitet. Für 2026 kündigten sie die Weltpremiere von La Parabole du Seum an, einer Produktion über soziale Stigmatisierung, in der Chaillon nicht selbst auf der Bühne stehen soll.
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Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Frau