alternativtext=Porträt von Adelgunde Köttgen, gemalt von Gustav Adolf Köttgen |mini|Porträt von Adelgunde Köttgen, 1848 gemalt von Gustav Adolf Köttgen

Marie Auguste Adelgunde Köttgen, geb. Lyra, (* 19. Dezember 1823 in Osnabrück; † 2. April 1909 in Düsseldorf) war Protagonistin der Frauenbewegung und eine der ersten Fotografinnen.

Leben Als Tochter von Christine Gertrud Auguste Lyra, geborene Tenge, und des Verwaltungsbeamten Friedrich Wilhelm Lyra kam sie in Osnabrück zur Welt. Ihr Bruder war der Komponist und Pastor Justus Wilhelm Lyra.

1845 heiratete sie in Osnabrück den Maler und Kommunisten Gustav Adolf Koettgen, mit dem sie kurz in Elberfeld lebte. 1846 zog die Familie nach Bremen. Hier brachte sich Adelgunde Köttgen in die aufkeimende Frauenbewegung ein und wurde 1849 Präsidentin des Demokratischen Frauenvereins Bremen. In dessen wöchentlichen Versammlungen wurden demokratische Schriften vorgelesen und praktische Hilfe für die Aufständischen der Revolutionsbewegung von 1848/1849 geleistet. Insbesondere wurden Uniformen für Freikorps gefertigt, die im Rahmen der Reichsverfassungskampagne die Errungenschaften der Märzrevolution verteidigen sollten.

Ihr Mann Gustav Adolf Köttgen betätigte sich als Publizist und Redner in der Arbeiterbewegung und wurde am 14. Juni 1849 vom Bremer Criminalgericht wegen der Veröffentlichung verschiedener Aufsätze und Gedichte zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt und aus Bremen ausgewiesen.Gustav Adolf Köttgen veröffentlichte und kommentierte das Urteil des Criminalgerichts in der letzten Ausgabe seiner Zeitung „Die Vereinigung. Zeitung für sämmtliche Arbeiter“, Nr. 12 vom 30. Juni 1849, Digitalisat.

Die Familie zog nach Hamburg, wo Adelgunde Köttgen am 16. September 1852 zusammen mit Emilie Bieber ein Atelier für Daguerreotypie, ein frühes Fotografieverfahren, eröffnete. Sie gilt daher als eine der ersten selbstständigen Fotografinnen Deutschlands. Das Handwerk hatte sie wahrscheinlich bei Carl Ferdinand Stelzner gelernt. In dem Atelier übernahm Adelgunde Köttgen die technischen Arbeiten, während Emilie Bieber den Verkehr mit dem Publikum und den kaufmännischen Teil des Geschäfts leitete.

Gustav Adolf Köttgen stellte 1853 im Hamburger Künstler-Verein zwei Daguerreotypien aus dem Atelier vor. Horst Heidermann geht davon aus, dass er die Fotos als eigene Werke vorstellte, obwohl sie von seiner Frau stammten und er wohl nur eine beratende Funktion hatte.

Adelgunde Köttgen pflegte in Hamburg Kontakt zur Frauenrechtlerin Charlotte Paulsen, die 1850 Taufpatin ihres Sohnes Karl Friedrich wurde. Karl Marx und Friedrich Engels, die mit Gustav Adolf Köttgen bekannt waren, stehen ebenfalls im Taufregister, wussten davon aber wahrscheinlich nichts.

Weil die Familie in Hamburg keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erhielt, zog sie 1854 nach Düsseldorf. Das Fotoatelier wurde von Emilie Bieber als alleinige Inhaberin weitergeführt. Adelgunde Köttgen gab in Düsseldorf Gesangsunterricht, unter anderem für die Prinzessin Maria Luise von Hohenzollern-Sigmaringen. Am 13. November 1882 starb ihr Mann. Adelgunde Köttgen lebte von 1898 bis 1907 in Berlin und starb am 2. April 1909 in Düsseldorf. Im Nachlass ihres Bruders Justus Wilhelm Lyra befinden sich Kompositionen von ihr.Teilnachlass Justus Wilhelm Lyra, Staatsbibliothek zu Berlin, Musikabteilung.

Familie Adelgunde Köttgen hatte mit ihrem Mann Gustav Adolf Köttgen fünf Kinder, von denen eines früh verstarb: Gustav Adolf August Wilhelm Julius Köttgen (* 8. Juni 1846 in Elberfeld; † 1924 in London) Laura Adeline Adelgunde Auguste Köttgen (* 31. August 1848 in Bremen; † 1924 in Godesberg, verheiratet mit dem Maler Johannes Gehrts) Karl Friedrich Köttgen (* 14. Dezember 1850 in Hamburg; † 22. September 1851 in Hamburg) Auguste Köttgen (* 25. Mai 1853 in Hamburg; † 1924 in Bonn, Sängerin) Anna Mathilde Karoline Maria Köttgen (* 19. September 1855 in Düsseldorf; † 8. Juni 1901 in Düsseldorf, verheiratet mit dem Maler Carl Gehrts)

Literatur Hannelore Cyrus: Köttgen, Adelgunde. In: Hannelore Cyrus (Hrsg.): Bremer Frauen von A - Z: Kurzbiographien; ein biographisches Lexikon. Verl. in der Sonnenstrasse, Bremen 1991, ISBN 978-3-926768-02-5, S. 332–333. Edith Laudowicz: Marie Auguste Adelgunde Koettgen, geb. Lyra, In: Regina Contzen, Edith Laudowicz, Romina Schmitter, Bremer Frauenmuseum (Hrsg.): Frauen Geschichte(n): Biografien und FrauenOrte aus Bremen nd Bremerhaven. Falkenberg, 1. Auflage, Bremen 2016, ISBN 978-3-95494-095-0, S. 222–223.

Weblinks Marie Auguste Adelgunde Koettgen, geb. Lyra, Biografie auf bremerfrauengeschichte.de.

Einzelnachweise

Kategorie:Fotograf (19. Jahrhundert) Kategorie:Geboren 1823 Kategorie:Gestorben 1909 Kategorie:Frau