Karl Kolb (geb. 14. Oktober 1894 in München; gest. 1984)Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus, München 2007, S. 143, Anm. 266; Felix Steffan: Die Peripherie als Zentrum. Der Kunstbetrieb in Rosenheim und dem Chiemgau 1904–1968, Köln 2025, S. 444. war ein deutscher Verbandsfunktionär und Kulturverwalter.

Über Kolbs Leben ist nur wenig bekannt.Wiebke Trunk: Kunstberichte als kultur- und pressepolitisches Herrschaftsinstrument im NS. Untersuchung der Berichterstattung zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München von 1937 bis 1943 in der „Frankfurter Zeitung und Handelsblatt“, Diss., Universität Oldenburg 2022, S. 33, Anm. 104. Bis Anfang 1933 war er Geschäftsführer der Gruppe Bayern des Deutschen Luftfahrtverbandes und zugleich enger Mitarbeiter des Vorsitzenden Franz Schweyer. Nach seiner Entlassung infolge des Heydrich-Befehls bewarb er sich im Sommer 1933 auf die ausgeschriebene Position eines kaufmännischen Direktors eines zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher bezeichneten Kulturunternehmens. Aus mehr als einhundert Bewerbern wurde er nach mehrmonatiger Prüfung ausgewählt und zum 1. Januar 1934 als kaufmännischer Geschäftsführer der Anstalt des öffentlichen Rechts „Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast)“ bestellt. Zunächst widmete er sich den Verwaltungsaufgaben, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten und der Einwerbung von Spenden anfielen.

Mit der bevorstehenden Eröffnung des Hauses der Deutschen Kunst (HdDK) führte er ab 1937 die Dienstbezeichnung eines geschäftsführenden Direktors. In den folgenden Jahren gewann seine Tätigkeit auch kulturpolitisches Gewicht. Zu den Befugnissen Kolbs – der über keinerlei kunsthistorische Vorbildung verfügte – gehörte u. a. das Vorschlagsrecht für Professorentitel sowie für die Verleihung der „Goethe-Medaille“, einer der höchsten künstlerischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches neben dem „Adlerschild des Deutschen Reiches“. Zugleich wurden seine Kompetenzen, sein Gehalt und seine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg der Einrichtung mehrfach erweitert. Zu führenden Vertretern der nationalsozialistischen Kunstszene unterhielt er enge Kontakte, die teilweise deutlich über den beruflichen Rahmen hinausreichten. 1938 wurde er Mitglied der NSDAP – nach eigenen Angaben nur auf Drängen von Gauleiter Wagner. Seine Entlassung erfolgte am 24. Juni 1945 auf Weisung der amerikanischen Militärregierung durch Kulturminister Hipp; in der Spruchkammer wurde er als Mitläufer eingestuft und zu einer Geldsühne von 1.800 RM verurteilt.Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus, München 2007, S. 104–9 u. 143, Anm. 266; dies.: Das Haus der Deutschen Kunst als Wirtschaftsunternehmen. In: ders. u. Ulrich Wilmes (Hrsg.): Geschichten im Konflikt. Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst, 1937–1955, München 2017, S. 174–213, hier: S. 176f.; Marlies Schmidt: Die „Große Deutsche Kunstausstellung 1937 im Haus der Deutschen Kunst zu München“. Rekonstruktion und Analyse, Halle 2012, S. 21 u. 38f.

In den 1950er Jahren war Kolb in einer kaufmännischen Position in der Privatwirtschaft tätig. In einem Verfahren gegen den Freistaat Bayern machte er Pensionsansprüche sowie Ersatzforderungen für den durch seine Entlassung entstandenen Verdienstausfall geltend. Dabei vertrat er die Auffassung, der Freistaat sei als Rechts- und Funktionsnachfolger der Anstalt des öffentlichen Rechts „Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast)“ für diese Ansprüche verantwortlich. Die Personalakten Karl Kolbs befanden sich zu keiner Zeit im HdDK.Marlies Schmidt: Die „Große Deutsche Kunstausstellung 1937 im Haus der Deutschen Kunst zu München“. Rekonstruktion und Analyse, Halle 2012, S. 38, Anm. 88.

Anmerkungen

Kategorie:Verbandsfunktionär (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann