mini|Grigore I. Ghica Grigore I. Ghica (, auch Grigore Gheorghe Ghica; * um 1628; † September 1674 in Konstantinopel) war ein Fürst der Walachei aus der Familie Ghica. Er regierte die Walachei von 1660 bis 1664 und erneut von 1672 bis 1673.
Herkunft und Familie Grigore I. Ghica war ein Sohn von Gheorghe Ghica, der zuvor sowohl im Fürstentum Moldau als auch in der Walachei geherrscht hatte.Grina-Mihaela Rafailă: Catalogul documentelor lui Grigore I Ghica aflate în colecțiile Muzeului Municipiului București. In: București. Materiale de Istorie și Muzeografie, Band XXX, 2016, S. 150–168, hier S. 150–152. Die Familie Ghica, deren Name auch in den Schreibweisen Ghika oder Ghyka begegnet, gehörte seit dem 17. Jahrhundert zu den bedeutenden Herrscher- und Bojarenfamilien der Donaufürstentümer.Gabriel Constantin: Istoria familiei Ghica. In: București. Materiale de Istorie și Muzeografie, Band XXX, 2016, S. 235–246.
Grigore I. Ghica war mit Maria Sturdza verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn und späterer Fürst war Matei Ghica.Vgl. Vasile Mărculeț u. a.: Dicționarul domnilor Țării Românești și ai Moldovei. Editura Meronia, Bukarest 2009.
Erste Herrschaft 1660–1664 Grigore I. Ghica kam im Herbst 1660 auf den Thron der Walachei. Seine Erhebung erfolgte im Umfeld der osmanischen Oberhoheit über die Walachei und mit Unterstützung des postelnic Constantin Cantacuzino. In der Anfangsphase seiner Herrschaft versuchte Ghica, das Kräfteverhältnis im Fürstenrat zwischen den miteinander rivalisierenden Bojarengruppen auszugleichen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Gruppierungen um die Familie Cantacuzino und um Stroe Leurdeanu.
Außenpolitisch blieb Ghica zunächst eng an die Politik der Hohen Pforte gebunden. 1661 unterstützte er im Auftrag der Osmanen den siebenbürgischen Fürsten Michael I. Apafi gegen Johann Kemény. 1663 nahm er an einem osmanischen Feldzug gegen Oberungarn teil. Während seiner Abwesenheit verschärften Stroe Leurdeanu und Dumitrașcu Cantacuzino den Konflikt mit Constantin Cantacuzino, dem sie Untreue gegenüber dem Fürsten vorwarfen.
Nach seiner Rückkehr ließ Ghica Constantin Cantacuzino im Kloster Snagov festsetzen und ihn schließlich im Dezember 1663 erdrosseln. Sein Sohn Șerban I. Cantacuzino wurde körperlich verstümmelt. Die Hinrichtung Cantacuzinos vertiefte den Konflikt zwischen Ghica und der Cantacuzino-Partei nachhaltig.
Im Jahr 1664 nahm Ghica erneut an einem osmanischen Kriegszug gegen die Österreicher teil. Während der Schlacht bei Léva (1664) schlug sich Grigore I. Ghica auf die Seite Österreichs und trug so zur Niederlage des Großwesirs Ahmed Kӧprülü bei. Er fiel daraufhin beim Sultan in Ungnade und floh Ende November 1664 nach Wien und wurde von der Hohen Pforte abgesetzt. Damit begann eine mehrjährige Exilzeit. Sein Nachfolger wurde Radu Leon.
Exil und zweite Herrschaft 1672–1673 Nach mehreren Jahren im Exil gelang es Ghica, in Konstantinopel erneut die Unterstützung maßgeblicher osmanischer Funktionsträger zu gewinnen. Nach Rafailă spielte dabei die Vermittlung des Dragomans Panagiotis Nikousios ebenso eine Rolle wie erhebliche Geldzahlungen. 1672 wurde Ghica erneut als Fürst der Walachei eingesetzt.
Seine zweite Herrschaft war deutlich stärker von Repressionen gegen die Cantacuzino-Partei geprägt. Ghica stützte sich vor allem auf Stroe Leurdeanu und ließ Angehörige der Cantacuzino-Gruppe aus dem fürstlichen Rat entfernen, festsetzen oder zu schweren Abgaben verpflichten.
Während des Osmanisch-Polnischen Krieges nahm Ghica 1672 an der osmanischen Kampagne teil, die zur Einnahme von Kamieniec Podolski führte. 1673 war er an der osmanischen Kampagne bei Chotyn beteiligt. Dort nahm er Verhandlungen mit dem polnischen Heerführer Jan III. Sobieski auf und geriet zeitweise in polnische Gefangenschaft. Nach der osmanischen Niederlage wurde Ghica abgesetzt und an seiner Stelle wurde Gheorghe Duca als Fürst der Walachei eingesetzt.
Ghica zog sich nach Konstantinopel zurück. Er starb dort im September 1674.
Siehe auch Liste der Herrscher der Walachei Ghica (Familie)
Literatur Gabriel Constantin: Istoria familiei Ghica. In: București. Materiale de Istorie și Muzeografie, Band XXX, 2016, S. 235–246. Radu Lungu: Domnitori și Principi ai Țărilor Române. Editura Paideia, Bukarest 2010. Vasile Mărculeț u. a.: Dicționarul domnilor Țării Românești și ai Moldovei. Editura Meronia, Bukarest 2009. Grina-Mihaela Rafailă: Catalogul documentelor lui Grigore I Ghica aflate în colecțiile Muzeului Municipiului București. In: București. Materiale de Istorie și Muzeografie, Band XXX, 2016, S. 150–168. Constantin Rezachevici: Cronologia domnilor din Țara Românească și Moldova, a. 1324–1881. Editura Enciclopedică, Bukarest 2001.
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Einzelnachweise
Kategorie:Fürst (Walachei) Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1674 Kategorie:Mann