Zdeňka Neuhäuslová (geb. Novotná; * 4. April 1934 in Kutná Hora, Tschechoslowakei; † 31. März 2021 in Nové Strašecí, Tschechien) war eine tschechische Botanikerin und Geobotanikerin, die am Botanischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Průhonice tätig war und dort als leitende Wissenschaftlerin der geobotanischen Abteilung wirkte. Ihr wissenschaftliches Werk umfasst rund 400 Publikationen zur Pflanzensoziologie und Vegetationskartierung sowie die Mitarbeit an der paneuropäischen Karte der natürlichen Vegetation Europas im Maßstab 1:2.500.000 (2003), für die sie mit dem Josef-Hlávka-Preis und der G.-J.-Mendel-Ehrenmedaille der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet wurde.
Leben Zdeňka Neuhäuslová wurde am 4. April 1934 in Kutná Hora geboren, besuchte dort die Grundschule und schloss das Gymnasium 1952 mit der Matura ab. Im selben Jahr nahm sie das Studium der Botanik und Geobotanik an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karls-Universität Prag auf, wo sie unter der Leitung von Professor Jaromír Klika von Beginn an als studentische Hilfswissenschaftlerin tätig war. Im Jahr 1957 schloss sie das Studium mit einer Diplomarbeit ab, die sich der Phytozönologie (Pflanzensoziologie) und Synökologie (Ökologie der Lebensgemeinschaften) der Waldvegetation widmete.
Noch im selben Jahr begann sie im Geobotanischen Laboratorium der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften (ČSAV) in Průhonice, das 1954 unter der Leitung von Rudolf Mikyška gegründet worden war, eine geobotanische Karte der böhmischen Länder zu erarbeiten. Mit Wirkung vom 1. Januar 1962 wurde auf Beschluss des Präsidiums der ČSAV das Botanische Institut der ČSAV als eigenständige Institution gegründet, in die dieses Laboratorium als Kern überging. Im Jahr 1962 verteidigte Neuhäuslová ihre Kandidatenarbeit über die Auenwälder des mittleren Elbegebietes, und einige Jahre später, 1966, wurde ihr der Grad einer Doktorin der Naturwissenschaften verliehen. Sie blieb am Botanischen Institut in Průhonice bis zu ihrer Pensionierung tätig, zuletzt als leitende Wissenschaftlerin der geobotanischen Abteilung. Daneben wirkte sie in der Kommission für naturwissenschaftliche Bibliografie bei der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik in Prag mit. Im Laufe ihrer Karriere publizierte sie unter mehreren Familiennamen: neben „Neuhäuslová“ (2. Ehename) und „Neuhäuslová-Novotná“ sind in der botanischen Fachliteratur auch die Namen „Dovolilová“ (1. Ehename) und „Novotná“ (Geburtsname) anzutreffen.
Zdeňka Neuhäuslová war mit dem Botaniker und Pflanzensoziologen Robert Neuhäusl verheiratet und arbeitete seit den frühen 1960er-Jahren eng mit ihm an zahlreichen geobotanischen Projekten zusammen. Beide bildeten ein enges wissenschaftliches Arbeitsteam, das über Jahrzehnte die tschechoslowakische und tschechische Geobotanik prägte. Nach dem Tod ihres Mannes im April 1991 setzte Neuhäuslová die gemeinsam begonnenen Forschungs- und Kartierungsprojekte weiter fort und übernahm als koordinierende Hauptverantwortliche die Vollendung der Karte der natürlichen Vegetation Europas (Map of the Natural Vegetation of Europe) im Maßstab 1:2.500.000, die 2003 erschien. In den letzten Lebensjahren lebte sie nach einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes bei ihrer Tochter in Nové Strašecí, wo sie am 31. März 2021 im Alter von 86 Jahren verstarb.
Wissenschaftliches Werk und Forschungsschwerpunkte Neuhäuslová arbeitete methodisch in der Tradition der Braun-Blanquet-Schule der Pflanzensoziologie, deren Verfahren der standardisierten Vegetationsaufnahme und syntaxonomischen Klassifikation sie auf die Waldvegetation Böhmens und der Tschechischen Republik anwandte. Inhaltlich konzentrierten sich ihre Arbeiten auf Erlen-Bruchwälder, Auenwälder, Weidengebüschgesellschaften, thermophile und acidophile Eichenwälder sowie Eichen-Hainbuchen-Wälder. Neben der syntaxonomischen Klassifikation bezog sie die synökologischen Standortbedingungen der jeweiligen Gesellschaften in ihre Arbeiten ein und berücksichtigte dabei auch das Moosschichtinventar der untersuchten Bestände. Ihre Publikationen enthielten durchgehend umfangreiche Literaturverzeichnisse und erschienen in tschechischer, deutscher, polnischer, französischer, englischer und in weiteren Sprachen.
Ihre erste Arbeit in der Fachzeitschrift Preslia erschien 1964 unter dem Namen „Neuhäuslová-Novotná“: Zur Charakteristik der Carpinion-Gesellschaften in der Tschechoslowakei. Es folgten gemeinsam mit Robert Neuhäusl Beiträge zur Geobotanischen Charakteristik des Waldes „Vidrholec“ bei Prag (1966) und zur Kenntnis der Carpinion-Gesellschaften im subkontinentalen Teil Europas sowie eine Studie zur saisonalen Dynamik von Auen- und Eichen-Hainbuchen-Wäldern. Im Jahr 1987 erschien in Preslia die Arbeit Společenstva vrby bílé a vrby křehké v České socialistické republice über die Gesellschaften der Silber-Weide (Salix alba ) und der Bruch-Weide (Salix fragilis ). Daneben redigierte sie als Herausgeberin einen Tabellenband zu den Vegetationsklassen Salicetea purpureae 1958 und Alnetea glutinosae et 1943. Im Jahr 1996 veröffentlichte sie einen Beitrag zur Dynamik der Kahlschlaggesellschaften, in dem die Sukzession der Pflanzengesellschaften auf windwurfbedingten Kahlschlagflächen im Železné-hory-Gebirge (Eisengebirge) dokumentiert wird, auf denen zuvor Abieti-Quercetum und Luzulo pilosae-Abietetum vorhanden waren.
Gemeinsam mit Dmytro Dubyna und Jurij Šeljag-Sosonko veröffentlichte sie 1994 in Preslia die Arbeit Coastal vegetation of the ‘Birjučij Island’ Spit in the Azov Sea, Ukraine sowie eine Studie zu Salzwiesen (Festuco-Puccinellietea ex 1973) derselben Nehrung. Zusammen mit Robert Neuhäusl beteiligte sie sich an einem Forschungsprojekt zur Vegetation der Koreanischen Halbinsel, zu dem ein Beitrag über die Vegetationsstufung der Demokratischen Volksrepublik Korea beigesteuert wurde. Für den Böhmerwald erarbeitete sie, teils gemeinsam mit Victoria Eltsova, Untersuchungen zum Soldanello-Piceetum und Bazzanio-Piceetum ( et 1936) et 1939, die 2002 in den Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich erschienen. Im Jahr 2004 erschien gemeinsam mit Tomáš Kučera ein Beitrag zur Kenntnis der Auenwälder der südböhmischen Becken in denselben Verhandlungen.
Als Mitautorin wirkte Neuhäuslová an Band 2 von Vegetation Survey of the Czech Republic: Hygrophilous, mesophilous and xerophilous deciduous forests (2000) sowie an Band 4 von Vegetation of the Czech Republic: Forest and Scrub Vegetation (2013) mit. Im Rahmen des von der Tschechischen Wissenschaftsstiftung geförderten Projekts „Vegetation of the Czech Republic: formalized typology, monograph and expert system“ (Laufzeit 2005–07) ist sie als beteiligte Wissenschaftlerin verzeichnet. Neuhäuslová unterhielt Fachkontakte zu Phytosoziologen der Braun-Blanquet-Schule aus der Schweiz, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und weiteren Ländern. Dazu zählte auch der japanische Phytosoziologe Akira Miyawaki. Insgesamt veröffentlichte sie rund 400 Arbeiten in botanischen Fachzeitschriften und Sammelbänden.
Werke Kartierungswerke Neuhäuslová war an allen maßgeblichen geobotanischen Kartierungsprojekten des 20. Jahrhunderts in der Tschechoslowakei und der Tschechischen Republik beteiligt. Seit ihrer Einstellung 1957 wirkte sie an der Geobotanická mapa ČSSR – České země (Geobotanische Karte der ČSR – Böhmische Länder) unter der Herausgeberschaft von Rudolf Mikyška mit, die ab 1968 bei der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften (ČSAV) erschien und die Rekonstruktionsvegetation der böhmischen Länder im Maßstab 1:200.000 darstellt. In den 1980er Jahren beteiligte sie sich ferner an der Erstellung der Geobotanischen Karte der Slowakei.
Für das Biosphärenreservat Křivoklátsko bearbeitete sie Kapitel zu Weidengebüsch- und Baumweidenwaldgesellschaften, Erlen-Bruchwäldern und Sumpfweidenwäldern, Auenwäldern, thermophilen und azidophilen Eichenwäldern sowie Eichen-Hainbuchenwäldern und beschrieb darüber hinaus dreizehn Vegetationseinheiten für die Legende der Karte der potentiellen natürlichen Vegetation dieses Gebietes. Gemeinsam mit Robert Neuhäusl kartierte sie das Blatt 12-411 Beroun, und gemeinsam mit Jiří Kolbek die Blätter 12-324 Zdice, 12-342 Hořovice und 12-413 Králův Dvůr. Ferner verfasste sie mit Neuhäusl 1985 in der živa den Beitrag Potenciální přirozená vegetace Průhonického parku (Potentielle natürliche Vegetation des Průhonice-Parks), in dem die Vegetationseinheiten Stellario-Alnetum ( 1938) 1957, Melampyro-Carpinetum 1957 em. 1968 und Luzulo-Quercetum 1932 ausgewiesen wurden. Für das Biosphärenreservat Šumava fungierte sie als Herausgeberin des Begleitwerkes The map of potential natural vegetation of the Šumava National Park (2001).
Das wissenschaftliche Hauptwerk Neuhäuslovás ist die Mapa potenciální přirozené vegetace České republiky (Karte der potentiellen natürlichen Vegetation der Tschechischen Republik) im Maßstab 1:500.000, die 1997 als Kartographisches Blatt am Botanischen Institut in Průhonice und 1998 in einer mit umfangreichem Textteil versehenen Buchausgabe beim Verlag Academia in Prag erschien. Als Mitautoren zeichneten neben Neuhäuslová als Erstherausgeberin Jaroslav Moravec, Milan Chytrý, Jiří Sádlo, Kamil Rybníček, Jiří Kolbek und Jaromír Jirásek. Das Werk unterscheidet eine Vielzahl von Vegetationseinheiten, von Weichholzauenwäldern über Eichen-Hainbuchenwälder bis hin zu montanen Fichtenwäldern und Hochmoorkomplexen. Es bildete die methodische Grundlage für die Pladias-Datenbank der tschechischen Flora und Vegetation, in der die Kartierungsdaten digital zugänglich gemacht wurden. Für diese Publikation wurde Neuhäuslová 1998 mit der Cena Josefa Hlávky (Josef-Hlávka-Preis) für die beste originäre Buchpublikation im Bereich der Lebenswissenschaften ausgezeichnet. Eine Nachfolgepublikation erschien 2001 in der Zeitschrift Braun-Blanquetia.
Seit Ende der 1970er Jahre war Neuhäuslová an dem paneuropäischen Projekt zur Karte der natürlichen Vegetation Europas (Map of the Natural Vegetation of Europe) im Maßstab 1:2.500.000 beteiligt, das vom deutschen Bundesamt für Naturschutz unter der Hauptkoordination von Udo Bohn organisiert wurde. Neuhäuslová übernahm dabei Koordinierungsaufgaben für den osteuropäischen Raum, namentlich bei der Abfassung des Erläuterungstextes sowie der Bearbeitung der Datenbankeinträge. Nach dem Tod Robert Neuhäusls setzte sie diese Zusammenarbeit fort. Das fertige Kartenwerk erschien 2003 im Landwirtschaftsverlag Münster. Es wird in deutschen und österreichischen naturschutzfachlichen Publikationen als Standardreferenz herangezogen.
Bibliografische Arbeiten und Dokumentation Neben ihrer eigentlichen Forschungstätigkeit widmete sich Neuhäuslová über Jahrzehnte der systematischen Dokumentation der botanischen und pflanzensoziologischen Fachliteratur. Als Herausgeberin redigierte sie mehrere Bände der Bibliographia Syntaxonomica Čechoslovaca ad annum 1970, einer umfangreichen Bibliografie der pflanzensoziologischen Literatur auf dem Gebiet der Tschechoslowakei, die am Botanischen Institut ČSAV in Průhonice erschien. Das Gesamtprojekt umfasste Bände zu Vegetationsklassen wie Phragmiti-Magnocaricetea , Agropyretea repentis et al. 1967 ex et 1969, Secalietea 1952 und Oryzetea sativae 1960. Als Mitautorin und Redakteurin wirkte sie an der Bibliographia botanica Čechica (Průhonice 1999–2005) mit, deren Bände in internationalen Bibliothekskatalogen nachgewiesen sind. Darüber hinaus organisierte sie als Leiterin die Erarbeitung des Přehled vegetace České republiky, einer Gesellschaftenliste der Vegetation der Tschechischen Republik nach Vegetationsklassen, mit vollständiger Zitations- und Nomenklaturangabe, die als phytozönologische Bibliografie des Botanischen Instituts ČSAV erschien.