mini|Musée de la Chartreuse mini|Musée de la Chartreuse (Eingang) Das Musée de la Chartreuse ist ein Kunstmuseum in der nordfranzösischen Stadt Douai im Département Nord in der Region Hauts-de-France. Es ist als städtisches Kunstmuseum (Musée des Beaux-Arts) klassifiziert und gehört zu den Musée de France.

Geschichte

Das Gebäudeensemble bis zur Französischen Revolution mini|Musée de la Chartreuse Der älteste Bauteil des heutigen Gebäudeensembles stammt aus dem Jahr 1559: Jacques d’Abancourt ließ auf dem Gelände des sogenannten Colombier-Hauses das Hôtel d’Abancourt im Renaissancestil aus Stein und Ziegeln mit einem charakteristischen Rundturm errichten. Jean de Montmorency erweiterte den Komplex im Jahr 1608 durch einen rechtwinklig angesetzten Baukörper im gleichen Stil mit einem Viereckturm. Das so entstandene Hôtel d’Abancourt-Montmorency gilt als Beispiel flämischer Renaissancearchitektur.

Im Jahr 1623 erwarben die Prämonstratenser von Furnes das Anwesen und verkauften es 1662 an die Kartäuser weiter. Diese gründeten hier die Chartreuse Saint-Joseph-et-Saint-Mauran. In der Folgezeit bauten die Kartäuser den Komplex aus: 1663 entstanden der Kapitelsaal und der kleine Kreuzgang, 1687 das Refektorium und 1690 das Priorengebäude. In einem weiteren Bauabschnitt wurde zudem ein großer Kreuzgang mit Zellen auf einem angrenzenden Grundstück errichtet. Dieser wurde jedoch im 19. Jahrhundert abgetragen. Die Klosterkirche im Jesuitenstil wurde zwischen 1700 und 1722 errichtet und ist bis heute nicht vollständig restauriert. Während der Französischen Revolution wurde das Gebäude zeitweise militärisch genutzt.

Das erste Stadtmuseum (1802–1944) mini|Ausstellungssaal Die Sammlungen des späteren Musée de la Chartreuse wurden zunächst aus Werken zusammengestellt, die in der Revolutionszeit aus Kirchen und Klöstern beschlagnahmt worden waren. Das erste Museum wurde 1802 in der Rue Fortier eröffnet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchsen die Bestände auf den Gebieten: Bildende Kunst, Kunstgewerbe, Musik, europäische und außereuropäische Ethnografie, Naturgeschichte, Archäologie und Stadtgeschichte. Mehrere bedeutende Schenkungen prägten die Sammlung: So übertrug der Bildhauer Théophile Bra im Jahr 1852 seinen gesamten Atelierbestand an das Museum und der Arzt Escalier vermachte 1857 eine Kollektion von 176 flämischen und niederländischen Gemälden. Pierre-Amédée Foucques de Wagnonville vermachte im Jahr 1877 eine umfangreiche Sammlung, die er in Italien zusammengetragen hatte und die Gemälde, Skulpturen, Möbel und Kunstgegenstände, darunter mehrere Skulpturen von Giambologna, umfasste. Dank des von Jean-Baptiste Fortier vermachten Geldbetrags konnte das Museum Werke von Veronese, Rubens und Gustave Courbet erwerben. Im Jahr 1914 umfasste die Sammlung rund 2000 Gemälde und Skulpturen, 6000 archäologische Objekte und eine gleich große Anzahl ethnografischer Objekte.

Kriegsverluste und Neuansiedlung (1914–1958) mini|Ausstellungssaal Bei den Bombenangriffen auf Douai am 11. August 1944 wurde ein Teil des Gebäudes zerstört, in dem die Sammlungen des Museums ausgestellt waren. Dabei wurden über 30.000 Objekte zerstört, darunter 1122 Artefakte aus dem Pazifikraum. Das heutige Museum bewahrt nur noch elf Objekte aus dieser Pazifik-Sammlung. Die im Juni 1872 eröffnete ethnografische Sammlung in Douai wurde nach ihrem Gründer Samuel Henry Berthoud (1804–1891) benannt und umfasste auch die Sammlung von Edmé François Jomard (1777–1862). Berthoud, der von Beruf Schriftsteller war, hatte in seiner Pariser Wohnung eine ethnografische Sammlung zusammengetragen, die er 1864 der Stadt Douai schenkte. Das sechs Jahre vor dem Trocadéro-Museum eröffnete Berthoud-Museum gehörte zu den ersten französischen Museen, die sich ausschließlich der Ethnografie widmeten. Die Geschichte dieser Sammlung und ihre Klassifizierung lassen sich mit der der Pariser Institution vergleichen.

Da das ursprüngliche Museumsgebäude durch die Bombardierung irreparabel beschädigt worden war, kaufte die Stadt Douai im Jahr 1951 das ebenfalls stark beschädigte, benachbarte ehemalige Kartäuserkloster, um die verbliebenen Sammlungen dort unterzubringen. Ab 1958 wurde das Kloster als Ersatz für das im Krieg zerstörte Beaux-Arts-Museum genutzt. In den ersten zwanzig Jahren nach der Wiedereröffnung wurden mehr als sechzig Gemälde erworben.

Denkmalschutz und jüngere Entwicklung mini|Ehemalige Kirche – Französische Skulptur aus dem 19. Jahrhundert Der ehemalige Klosterkomplex steht seit 1930 unter Denkmalschutz (Monument historique) des französischen Kulturministeriums (Base Mérimée: PA00107451). Im Jahr 2006 wurde im Kreuzgang der Kartäuser das Auftragswerk Cabane rouge aux miroirs von Daniel Buren installiert. Staatliche Leihgaben gingen 2007 größtenteils in das Eigentum der Stadt Douai über.

Das Museum besitzt zudem zwei Gemälde mit dem Status Biens Musées Nationaux Récupération (MNR): La fête au village von Adriaen Brouwer (Öl auf Holz, 52 × 83 cm, MNR 417) und Lièvre mort von Jan Fyt (Öl auf Leinwand, 62 × 42 cm, MNR 504). Es handelt sich dabei um Werke, die noch nicht restituiert wurden.

Sammlung Das Musée de la Chartreuse beherbergt mehr als 10.000 Werke. Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Kunstgewerbe und Grafik. Ein Schwerpunkt liegt auf flämischer und niederländischer Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Gemälde Die Gemäldesammlung präsentiert Werke verschiedener europäischer Schulen in chronologischer Abfolge. Zu den herausragenden Werken zählen:

Venezianische Frau und Bildnis einer Dame (beide 1565) von Paolo Veronese, Die Geißelung Christi von Lodovico Carracci, Stillleben mit Rebhuhn, Bekassine, Kiebitz, Moorhuhn und Zitrone von Jean-Baptiste Siméon Chardin, Schneelandschaft von Constant Dutilleux (1865), Die Heilung des Tobias von Jan Metsys (1550), Das Urteil des Paris von Hans von Aachen, Ludwig XIV. (Öl, 1668) von Charles Le Brun.

Durch staatliche Leihgaben gelangten unter anderem Werke von Jacob van Ruisdael, Théodore Chassériau und Jean-Baptiste Camille Corot in die Sammlung. Durch Ankäufe auf Auktionen kamen Skulpturen von Jean-Baptiste Carpeaux und Auguste Rodin sowie Gemälde von Alfred Sisley, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Maurice Denis und Henri Edmond Cross hinzu.

Das Anchin-Polyptychon von Jean Bellegambe mini|Jehan Bellegambe (etwa 1470–1535): Polyptichon Anchin. (Die Datierung des Anchin-Polyptychons ist umstritten. Während das Museum selbst die Jahre 1509–1513 angibt, datiert das Metropolitan Museum of Art in New York das Werk auf ca. 1511–1520)

Das bedeutendste Werk der Sammlung ist das Polyptychon von Anchin (Retable d’Anchin) von Jean Bellegambe. Es wird im ehemaligen Refektorium der Kartäuser ausgestellt. Das 1,78 × 3,60 m große Polyptychon besteht aus neun Tafeln, die in Öl auf Eichenholz gemalt wurden. Um 1511 beauftragte Abt Charles Coguin Bellegambe mit der Ausführung dieses Retabels für den Hochaltar der Abteikirche von Anchin, einer Benediktinerabtei bei Pecquencourt. Das Polyptychon barg ursprünglich ein heute verschollenes Reliquiar aus dem 13. Jahrhundert, das von einer hölzernen Schutzhülle umgeben war, welche wiederum Bellegambes Malerei umrahmte. Nach einer fünfjährigen Restaurierung in den Versailler Restaurierungswerkstätten der Musées de France wurde das Werk am 6. März 2007 neu präsentiert. Das Museum bewahrt außerdem das Triptychon der Unbefleckten Empfängnis (1525) von Bellegambe.

Das Marchiennes-Polyptychon mini|Jan van Scorel: Polyptyque de Marchiennes (um 1540/1541) Das Polyptychon von Marchiennes stammt von Jan van Scorel (16. Jahrhundert) und wurde ursprünglich für die Abbaye de Marchiennes gefertigt.

Skulpturen Im Langhaus der Klosterkirche befindet sich eine Skulpturensammlung aus dem 19. Jahrhundert. In den fünf Seitenkapellen wird Kunstgewerbe in chronologischer Abfolge vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert präsentiert, darunter mittelalterliche Goldschmiedearbeiten sowie Bronzen und Terrakotten von Giambologna, der aus Douai stammte.

Kunstgewerbe und Graphik Der Sammlungsbestand umfasst außerdem Limoges-Email, englische Alabasterwerke, Glaswaren, Fayencen und Silberwaren aus Douai. Unter den kunstgewerblichen Objekten befinden sich Delfter Fayencen. Ein Vasenpaar des Töpfers Rochus Jacobsz Hoppesteyn zählt zu den Höhepunkten dieser Bestände. Die älteste bekannte Provenienz der Vasen ist ein Inventareintrag des Museums aus dem Jahr 1877; die Umstände seines Erwerbs sind jedoch unbekannt.

Fotografie Sammlung Augustin Boutique-Grard Im Jahr 1977 erhielt das Museum eine umfangreiche Schenkung aus dem Nachlass von Thérèse Hervieu, der Tochter der Künstler Augustin Boutique und Cécile Grard. Augustin Boutique (1862–1944) wurde in Valenciennes geboren. Als Amateurfotograf war er von 1894 bis 1914 in Douai ansässig. Als Fotojournalist hielt er große Festveranstaltungen sowie den Alltag der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts fest. Von seinen zahlreichen Reisen durch Frankreich brachte er Aufnahmen von Denkmälern aus den großen Städten mit.

Seine Tochter Thérèse Hervieu vermachte der Stadt Douai eine Sammlung von 25.000 Glasplatten. Auf der Grundlage dieses Vermächtnisses gründete die Stadt Douai im Jahr 1989 die Photothèque Augustin Boutique-Grard im Musée de la Chartreuse. Seitdem wurde die Fotothek um mehrere alte Fotobestände auf Glasplatten, Film und Papier erweitert, darunter die Sammlungen Boutique, Baron-Gallois, Ferran, Dubuisson, Lucas, Dewailly, Maillard, Lefebvre, Société Photo-Ciné und Lecouffe.

Wechselausstellungen (Auswahl) Das Museum veranstaltet regelmäßig Wechselausstellungen. Zu den jüngeren Beispielen gehören monographische Ausstellungen zu Henri Le Sidaner (2001–2002), Léon Spilliaert (2002–2003), Edmond Aman-Jean (2003–2004), Félix Labisse (2006), Jean Bellegambe (2007), André Derain als Bildhauer und Fotograf (2008), Joan Miró (2008–2009), Henri Martin (2009), Achille Laugé (2010) und Camille Corot (2013–2014).

Literatur Au cirque, le peintre et le saltimbanque. Ausstellungskatalog, Musée de la Chartreuse, Douai / Somogy Éditions d’Art, Paris 2004. Christina Kott: Préserver l’art de l’ennemi ? Le patrimoine artistique en Belgique et en France occupées, 1914–1918. Peter Lang, Brüssel 2006. Françoise Baligand: Le Musée de la Chartreuse, Douai. Fondation Paribas / Réunion des Musées Nationaux, Paris 1999. Françoise Baligand: Musée de la Chartreuse. Guide de visite. Association des conservateurs des musées du Nord–Pas-de-Calais, Douai 1994. Le Musée de Douai : depuis son origine jusqu’à ses derniers accroissements. L. Crépin, Douai 1867.

Weblinks

Offizielle Website Histoire des collections Musenor – Association des Conservateurs des Musées des Hauts-de-France

Einzelnachweise

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