Marie Hunziker-Thommen (* 7. April 1839 in Waldenburg BL; † 7. Februar 1907 in Aarau) war eine Schweizer Lyrikerin.
Leben Marie Thommen wurde als Jüngste von zehn Geschwistern geboren. Fünf davon starben bald darauf. Sie besuchte Schulen in Waldburg und schrieb schon früh Gedichte. Bis zu ihrer Hochzeit half sie im Haus sowie in der Seilerei und im Laden ihres Vaters Martin Thommen mit. 1864 heiratete sie Wilhelm Hermann Hunziker, Kaufmann von Aarau (1831–1892), ein Freund ihres Bruders. Ihr Mann arbeitete zuerst in der Firma Bally in Schönenwerd, später als Teilhaber an einem Bandfabrikationsgeschäft in Aarau. Sie hatten zwei Kinder, Hermann Emil (geboren 1865) und Marie Rosalie (geboren 1868).
Marie Hunziker-Thommen zog nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1892 und ihrer Tochter vom Aarauer Haus am Graben in ein neugebautes Haus an der Jurastrasse, wo sie mit ihrem Sohn bis zu ihrem Tod am 7. Februar 1907 wohnte.
Die schweren Erlebnisse vertieften ihre Empfindungswelt, was sich in ihren Gedichten ausdrückte. Ihr 1901 bei Sauerländer in Aarau erschienener Gedichtband Endliches und Ewiges wurde damals viel gelesen. Carl Spitteler schrieb im Vorwort: «Abgesehen davon, dass Sie die Technik so gut beherrschen, den Reim so vorzüglich, so dass ich Sie nicht zu den Dilettanten zähle, haben Sie eine seltene, bedeutende, mir ganz besonders sympathische Tugend: Sie sagen immer genau das, was Sie zu sagen haben, also was Sie fühlen, kein Wort mehr.» Fast die Hälfte der Gedichte beschäftigen sich mit dem Jahreskreislauf und spiegeln ihre naturverbundene Art wider. Sie handeln von Bergblumen, Bäumen oder der Arbeit des Mähders. Die Erinnerung an ihren Mann und ihre Tochter sind weitere wichtige Themen ihrer Dichtung.
«Was Gedankentiefe und Formenschönheit anbetrifft, so zählen ihre Lieder wohl zum Schönsten, was eine Schweizerin je gedichtet hat. (...) Unvergessen bleibe ihr Name in den Annalen geistesadeliger Schweizerinnen.»
Schriften Endliches und Ewiges: Gedichte. Sauerländer, Aarau 1901.
Literatur Burechost: mundartliche Dichtungen / herausgegeben unter der Mitwirkung schweizerischer Schriftsteller und Schriftstellerinnen von J. Reinhart. Aarau 1899. Aargauisches Dichterbuch: Festschrift zur Aargauischen Centenarfeier 1903. Herausgegeben von der Literarischen Gesellschaft Aarau. Druck und Verlag von Emil Wirz, vorm. J. J. Christen, Aarau 1903, S. 131–134. Am Grabe der sel. Frau Marie Hunziker-Thommen, geb. am 7. April 1839, gest. am 7. Februar 1907. Buchdruckerei des Aargauer Tagblatt, Aarau 1907. Von Diesem und Jenem. In: Schweizer Frauenheim. 16. Februar 1907, Seite 78. † Frau Hunziker-Thommen. In: Aargauer Tagblatt. 8. Februar 1907, Jahrgang 61. Nr. 37. † Frau Hunziker-Thommen. In: Aargauer Nachrichten. 8. Februar 1907, Jahrgang 53, Nr. 37. Elisabeth Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein Lexikon. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1981, ISBN 3-476-00456-2, S. 143 Doris Stump, Maya Widmer, Regula Wyss, unter Mitarbeit von Sabine Kubli: Deutschsprachige Schriftstellerinnen in der Schweiz 1700–1945. Eine Bibliographie. Limmat, Zürich 1994, ISBN 978-3-85791-214-6, S. 102. Kaspar Birkhäuser: Das Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1997. (Online) Deutsches Literatur-Lexikon: biographisch-bibliographisches Handbuch 1968-2005. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin 1968–2024.
Weblinks Biographisches Lexikon des Aargaus 1803-1957. Aarau, 1958, Seite 381 (online). Publikationen von und über Marie Hunziker-Thommen im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek Dossier über Marie Hunziker-Thommen in der Gosteli-Stiftung – Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung
Einzelnachweise
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