mini|Der Olivenhain von Arco mit dem Burgberg und der Burgruine im Hintergrund Der Olivenhain von Arco (Dialekt: Olivaia di Arco) ist eine jahrhundertealte Kulturlandschaft bei Arco im Trentino und das größte Olivenanbaugebiet am Oberen Gardasee.

Der Olivenanbau am Oberen Gardasee Der Olivenbaum ist eine typische Pflanze für den Mittelmeerraum und ungewöhnlich für die Alpen. Im Trentino finden sich, beeinflusst vom milden Klima des Gardasees, ausgedehnte Olivenhaine im Bereich des Nordufers des Sees. Letztere umfassen eine Gesamtfläche von 500 Hektar mit etwa 80.000 Olivenbäumen.Giovanni Giovannini (Hrsg.): Paesaggi agro-forestali in Trentino: tutela, ripristino e miglioramento degli ambienti tradizionali. Agroforstliche Landnutzung im Trentino: Pflege, Wiederherstellung und Verbesserung traditioneller Kulturlandschaften. S. 45–46.

Charakteristisch für die Olivenölproduktion am Oberen Gardasee ist, dass nur ein geringer Anteil des Olivenöls in den Handel kommt, da etwa 80 % der Produktion für den Eigenverbrauch bestimmt sind. Des Weiteren zeichnet sich das Anbaugebiet durch seine hohe Fragmentaktion aus, da die Durchschnittsgröße eines Olivenhains pro Ölbauer bei nur etwa 3000 m² liegt.Franco Michelotti: L’oliveto e l’olio del Garda Trentino. S. 64.

Seit 1997 besitzt das kaltgepresste native Olivenöl des Oberen Gardasees das D.O.P.-Gütesiegel. 2024 wurden 2.845 Tonnen Oliven geernet, aus denen 311,4 Tonnen Olivenöl gepresst wurde.

Olivaia von Arco Lage, Anbau und Phänologie mini|Die Burg Arco („fenedier klawsen“) umgeben von der Olivaia di Arco, Aquarell von Albrecht Dürer 1495, (Louvre) Der Olivenhain von Arco ist mit 40.000 Olivenbäumen der größte seiner Art am Oberen Gardasee. Er erstreckt sich von der Burgruine Arco in westlicher Richtung entlang der Ausläufer des Monte Baone bis zu den angrenzenden Gemeinden von Tenno und Riva del Garda.Richard Keller, Walter Larcher, Fiorenza Tisi, Romano Turrini: Arco nel suo verde. S. 108.

Die Anbaufläche bildet eine Art natürliches Amphitheater, das den Ortskern von Arco und die Stadtteile Chiarano, Vigne und Varignano im Norden und Nordwesten umschließt. Sie breitet sich auf künstlichen Terrassen auf einer Höhe zwischen 100 und aus. In diesem Höhenbereich sinken im Winter die Temperaturen nachts nicht so stark und über einen kürzeren Zeitraum als im Talgrund ab, während die Tagestemperaturen schneller ansteigen. Auf der anderen Seite machen die zum Teil schwer zugänglichen Terrassen den Anbau beschwerlich. Außerdem steht oft kein Wasser für die Bewässerung zur Verfügung.Franco Michelotti: L’oliveto e l’olio del Garda Trentino. S. 53. Der Hauptgrund, den Olivenanbau hier zu betreiben, liegt jedoch darin, dass die leichter zu bewirtschaftenden und fruchtbareren Böden im Talboden für ertragreichere Kulturen genutzt wurden.Fondazione Edmund Mach – Centro Trasferimento Tecnologico (Hrsg.): Coltivazione dell’olivo in Trentino. Guida pratica per l’olivicoltura multifunzionale. (Nr. 17 - September 2023), Fondazione Edmund Mach, o. O. 2023, S. 9.

Als im Extremwinter 1985 in Arco −11,5º gemessen wurden, erlitten die Olivenbäume trotz ihrer überhöhten Lage schwere Frostschäden, von denen sie sich erst nach einigen Jahren vollständig erholten. Im Vergleich zum Mittelmeerraum setzen die jährlichen Wachstums- und Fortpflanzungsstadien der Bäume in Arco etwas später ein. Die Blütenknospen beginnen sich in der Regel Ende Mai zu öffnen und die Steinfrüchte reifen von Mitte Juni bis Ende Oktober heran.Fiorenza Tisi, Walter Larcher: Note botaniche. S. 46, 50.

Die anschließende Ernte dauert bis etwa Mitte Dezember.Richard Keller, Walter Larcher, Fiorenza Tisi, Romano Turrini: Arco nel suo verde. S. 109. Neue Anbauerkenntnisse haben dazu geführt, dass sich die Erntezeit in den letzten 30 bis 40 Jahren langsam bis in den Oktober nach vorne verschoben und sich zudem verkürzt hat. Noch bis Ende der 1980er Jahre begann die Olivenernte nicht vor Mitte November und endete teilweise erst im Februar. Das Vorziehen hat sich dabei positiv auf die Qualität des Olivenöls ausgewirkt.

Zur Verkürzung der Erntezeit haben auch neue Erntemethoden beigetragen. Früher wurden die Oliven ausschließlich von Hand geerntet. Mittlerweile greifen die Ölbauern vermehrt auf mechanische Hilfen zurück und lassen die Früchte in Netze fallen, die unter den Bäumen ausgebreitet werden.Richard Keller, Walter Larcher, Fiorenza Tisi, Romano Turrini: Arco nel suo verde. S. 109.

Die in Arco am weitesten verbreitete Olivensorte ist die autochthone Art Casaliva. Die Produktivität dieser Sorte ist auch unter nicht optimalen Anbaubedingungen, wie am Oberen Gardasee relativ konstant.Franco Michelotti: L’oliveto e l’olio del Garda Trentino. S. 57. Der Großteil der Olivenbäume der Olivaia sind über hundert Jahre alt. Der älteste Baum ist der an der Straße nach Padaro gelegene Olif del Bottes oder Olif de Bottes. Je nach Quelle wird sein Alter zwischen 600Fondazione Edmund Mach – Centro Trasferimento Tecnologico (Hrsg.): Coltivazione dell’olivo in Trentino. Guida pratica per l’olivicoltura multifunzionale. (Nr. 17 - September 2023), Fondazione Edmund Mach, o. O. 2023, S. 7. und 800 bis 1000 Jahren geschätzt.Romano Turrini: Arco e la sua olivaia. S. 126.

Kulturlandschaft Olivaia mini|Terrassenanbau Die Olivaia stellt eine komplexe Kulturlandschaft dar, die durch jahrhundertelange Wechselwirkungen zwischen Menschen und Umwelt geprägt wurde.Maria Paola Gatti, Claudia Battaino: Valorizzare l’esistente e coltivare il futuro. Strategie progettuali per il riutilizzo adattivo e sostenibile del patrimonio rurale. L’”Olivaia“ di Arco. = Enhancing the existing and cultivating the future. Design strategies for the adaptive and sustainable re-use of the rural heritage. The olive grow of Arco. S. 272. Ausdruck dieser Wechselwirkung ist auch der spezifische sprachliche Terminus „olivaia“ anstelle des italienisch korrekten „oliveto“.Fiorenza Tisi (Hrsg.): Arco e la sua olivaia – Arco and its olive grove – Arco und seine Olivenhaine. S. 6.

Der Olivenanbau sicherte nicht nur den Lebensunterhalt der lokalen Bevölkerung, sondern war auch eine willkommene Einkommensergänzung. Geregelt wurde er von der Feudalherrschaft durch eine klare Trennung zwischen Landbesitz und Bewirtschaftungsrechten. Diese Organisation garantierte die ständige Instandhaltung der Infrastruktur, wie den auf Trockenmauern beruhenden charakteristischen Terrassenanbau, aber auch das verzweigte Netz von Zufahrtsstraßen und -wegen.

Mit dem Übergang des Landbesitzes in die öffentliche Hand hat die Weitergabe des Wissens von Generation zu Generation den Olivenanbau von einer rein wirtschaftlichen Ressource zu einem tiefgreifenden soziokulturellen Erbe und Identitätsmerkmal verwandelt. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch ein merklicher Rückgang der Olivenhaine zu beobachten, vor allem in Randgebieten. Dieses Phänomen führt zu einem starken Paradoxon: Trotz des hohen ideellen und identitätsstiftenden Wertes, der dem Olivenanbau beigemessen wird, reicht diese Verbundenheit nicht aus, um den starken sozioökonomischen Druck der Gegenwart zu bewältigen, wie etwa den Verlust der Rentabilität der traditionellen Landwirtschaft, den Klimawandel und das fortschreitende kulturelle Desinteresse an manueller und landwirtschaftlicher Arbeit.Maria Paola Gatti, Claudia Battaino: Valorizzare l’esistente e coltivare il futuro. Strategie progettuali per il riutilizzo adattivo e sostenibile del patrimonio rurale. L’”Olivaia“ di Arco. = Enhancing the existing and cultivating the future. Design strategies for the adaptive and sustainable re-use of the rural heritage. The olive grow of Arco. S. 272–273.

Flora und Fauna Der Anbau wird überwiegend nicht intensiv betrieben, wodurch sich die Vielfalt der verschiedenen Landschaften mit gemähten Wiesen, Weiden, Gemüsegärten sowie kleinen Feldern erklärt. Die verschiedenen Landschaften bilden wiederum das Habitat für eine hochinteressante Flora.Alessandro Marsilli: Il paesaggio dell’olivaia. S. 45.

Die gemähten Wiesen lassen sich in Fett- und Magerwiesen unterscheiden. Erstere bildet den Lebensraum für Süßgräser, Korbblütler und Hülsenfrüchtler. Aber insbesondere die Magerwiesen sind für ihre Artenvielfalt bekannt. Darunter befinden sich auch zahlreiche Orchideenarten. Die am häufigsten vorkommenden Orchideenarten sind der Große Spinnen-Ragwurz, der Insubrische Ragwurz, Affen-Knabenkraut und der Pyramiden-Hundswurz. Des Weiteren finden sich in der Olivaia unter anderem der Amethyst-Mannstreu, die Wilde Möhre, der Echte Lavendel, der Ysop und die Weinraute. Die Trockenmauern bilden unter anderem das Habitat für das Zimbelkraut, das Wermutkraut, die Zypressen-Wolfsmilch oder den Edel-Gamander.Richard Keller, Walter Larcher, Fiorenza Tisi, Romano Turrini: Arco nel suo verde. S. 113–122.

Im Olivenhain sind zudem zahlreiche Vogelarten heimisch. Allen voran der Grünspecht, der in alten Ölbaumstämmen seine Nesthöhlen anlegt, die wiederum von anderen Vogelarten zum Nisten genutzt werden. Gartenbaumläufer, Wendehals, Wiedehopf bewohnen ebenso die Olivaia, wie die Zwergohreule und der Steinkauz.Alessandro Marsilli: Il paesaggio dell’olivaia. S. 46–49.

Geschichte mini|hochkant|Der Olif del Bottes ist der älteste Olivenbaum der Olivaia Der Olivenbaum ist vermutlich seit 2000 Jahren am Oberen Gardasee verbreitet und mit der Romanisierung der Gegend verbunden. So wurden bei archäologischen Grabungen in Riva del Garda in einem römischen Urnengrab aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. die verkohlten Reste von Olivenkernen gefunden.Maria Luisa Crosina: L’olivo nella storia, nelle religioni monoteiste e nell’arte. S. 106. Olivenöl gehörte neben Wein zu den landwirtschaftlichen Produkten der Römer, die im Ager Benacensis über den lokalen Verbrauch produziert und exportiert wurden.Annapaola Mosca: Ager Benacensis: Carta archeologica di Riva del Garda e di Arco (IGM 35 I NE-I SE). Editrice Università degli Studi di Trento – Dipartimento di Scienze Filologiche e Storiche, Trient 2013, ISBN 88-8443-034-8, S. 48.

Im Frühmittelalter begann der Klerus, eine immer bedeutendere Rolle als Landbesitzer zu spielen. In diesem Zusammenhang waren es im 8. Jahrhundert zunächst verschiedene große Abteien, darunter die Abtei San Salvatore in Brescia, der Abtei Nonantola und der Abtei San Lorenzo in Trient, die als Grundeigentümer am Oberen Gardasee auftauchten.Ivo Bertamini: L’olivicoltura trentina negli antichi documenti. S. 114. In einem 771 datierten Gütertauschgeschäft zwischen der Äbtissin von San Salvatore und Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, Anselperga, und dem Kleriker aus Sirmione ist schließlich der Olivenanbau am Gardasee erstmals urkundlich dokumentiert.Romano Turrini: Arco e la sua olivaia. S. 119.

1106 sind die Olivenhaine am Oberen Gardasee erstmals urkundlich belegt. In einer Schenkungsurkunde wurden mehrere Olivenbäume am Monte Brione der Pieve in Riva übereignet.Ivo Bertamini: L’olivicoltura trentina negli antichi documenti. S. 113. Aus einem 1180 datierten Dokument geht hervor, dass die Äbtissin der Abtei Sonnenburg dem Cellarius Öl aus Arco ablieferte. Da die Abtei 1018 von Bischof Uldarich I. von Trient mit Ländereien in Arco belehnt worden war, kann davon ausgegangen werden, dass das Kloster bereits seit dem 11. Jahrhundert Olivenöl aus Arco und Umgebung bezog. Wenn man das langsame Wachstum der Olivenbäume berücksichtigt, ist davon auszugehen, dass es bereits vor dem Jahr 1000 Olivenhaine gab.Carlo Hugues: Il Trentino oleario. S. 123, 125.