Saxophone Improvisations Series F ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 28. Februar 1972 in den Decca Studios, Paris entstandenen Aufnahmen erschienen 1972 als Doppel-LP in Frankreich auf Columbia Records, in den Vereinigten Staaten auf Inner City Records.
Hintergrund Das Label Inner City veröffentlichte dieses Album nicht etwa aus großem Engagement für avantgardistisches Solo-Saxophon, sondern aufgrund eines Lizenzvertrags mit dem dubiosen französischen Label America, notierte Eugene Chadbourne, und Braxtons gestiegenem Ansehen in seiner Heimat. Dieser habe inzwischen bei Arista Records unter Vertrag gestanden, als das Album schließlich in den USA erschien, und einige positive Kritiken in Magazinen wie dem Rolling Stone erhalten – „doch all das konnte einen unerfahrenen Hörer unmöglich auf die Wucht seiner frühen Solo-Saxophonmusik vorbereiten, als sein Stil noch weniger ausgefeilt und die Aufnahmen mit geringem Budget produziert waren“.
Titelliste Anthony Braxton:Saxophone Improvisations Series F (Columbia SL-5057~8-MU)
A1.1 BWC-12 N-48 K Stage 1 1:11 A1.2 BWC-12 N-48 K Stage 2 1:00 A1.3 BWC-12 N-48 K Stage 3 2:15 A2 NR-12-C (33 M) 9:04 A3 RFO-M° F (32) 6:50 B JMK-80 CFN-7 17:54 C1 178-F4 312 2:15 C2 NBH-7C K7 5:19 C3 MMKF-6 (CN-72) 6:54 C4 (348-R) C-233 7:17 D 104°-KELVIN M-12 19:00
Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.
Rezeption Die deutsche Zeitschrift Sounds besprach das Doppelalbum im Mai 1973. Karl Lippegaus ordnete es in eine Reihe damals zunehmend erscheinender Solo-Einspielungen wichtiger Free-Jazz-Musiker ein, die Neuhörern den Zugang zu dieser Musik erleichterten, weil der Musiker darin mit sich selbst spreche. Er warnte davor, Braxtons Aufnahmen in erster Linie als Erprobung des Klangspektrums seines Instruments zu verstehen. Braxton sei „kein Techniker und Luftlieferant, sondern Musiker“, das Ausloten des Klangbereichs habe „ganz und gar funktionellen Charakter“. Selbst wenn Braxton nur die Klappen seines Instruments bewege, sei das Musik und Bestandteil der Aussage. Zu den Werktiteln merkte Lippegaus an, Braxton gebe seinen Stücken Bezeichnungen, „die wie chemische Formeln und Temperaturangaben klingen“, und sah darin den Versuch, den Hörer nicht an bestimmte Vorstellungen zu ketten. Wie bei allen großen Free-Jazz-Musikern sei klar, dass Braxton „Jazz spielt, schwarze Musik mit einem konkreten historischen Background“. Das Stück 104°-KELVIN M-12 swinge „ganz enorm, der Blues ist immer da“.
Eugene Chadbourne verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, diese Aufnahme aus den frühen 1970er-Jahren sei qualitativ etwas besser als Braxtons bahnbrechende Soloaufnahme für Delmark Records. Trotzdem klinge sie, als wäre sie in einer Privatküche aufgenommen worden, und die Pressungen alles andere als erstklassig. Nun könnte man behaupten, all das trage zum Charme bei, aber das wäre gelogen, so der Autor. Die etwas minderwertige Aufnahmequalität beeinträchtige einige der ruhigeren und subtileren Passagen der ersten Seite und sei auch bei den lauten, verzerrten Abschnitten kaum weniger problematisch. Nichtsdestotrotz würde die ausgedehnte Darbietung, die die gesamte zweite Seite ausmacht, zu den großartigsten Aufnahmen zählen, die Braxton je gemacht hat – eine Demonstration von Energie, Vielseitigkeit, meisterhafter Klanggestaltung und einer eigenwilligen musikalischen Logik, die zu den besten Solo-Bläser-Performances der Jazz-Diskografie gehöre. Und obwohl Braxtons frühe Aufnahmen von Frustration und Misserfolg geprägt zu sein scheinen, sei dies eine würdige Fortsetzung von „For Alto“ und zugleich eine Steigerung – eine beachtliche Leistung für sich.
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 1972 Kategorie:Anthony-Braxton-Album