mini|Musée national Adrien-Dubouché, Limoges (2017) mini|Installation von Porzellantellern und Porzellanfiguren von Zhuo Qi im Musée National Adrien Dubouché, Limoges (2016) Das Musée national Adrien-Dubouché ist ein französisches Nationalmuseum für Keramik in Limoges im Département Haute-Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Es besitzt die weltweit größte öffentliche Sammlung von Limoger Porzellan und bewahrt darüber hinaus repräsentative Werke aus allen Epochen der Keramikgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Die Sammlung umfasst insgesamt rund 18.000 Objekte, von denen etwa 5000 dauerhaft ausgestellt sind.
Das Musée national Adrien-Dubouché und Sèvres – Manufacture et Musée nationaux bildeten gemeinsam die öffentliche Verwaltungseinheit Cité de la Céramique – Sèvres & Limoges unter der Aufsicht des Kulturministeriums. Durch Dekret vom 27. Dezember 2024 wurde das Museum zum 1. Januar 2025 in die neu geschaffene öffentliche Einrichtung Manufactures nationales – Sèvres & Mobilier national integriert.
Geschichte
Gründung und frühe Entwicklung (1845–1864) Das Museum wurde 1845 von Tiburce Morisot, dem Präfekten der Haute-Vienne und Vater der Malerin Berthe Morisot, gegründet. Das erste Museum der Stadt Limoges war zunächst in den Räumlichkeiten der Präfektur auf der Place du Présidial untergebracht und hatte den Auftrag, eine Sammlung aufzubauen. Gemälde, Skulpturen und Kunstgegenstände wurden von Mitgliedern der Société archéologique et historique du Limousin zusammengetragen.
Adrien Dubouché als Direktor und Mäzen (1865–1881) mini|François-Henri-Alexandre Lafond (1815–1901) – Porträt von Adrien Dubouché (1881) François-Louis Bourcin-Dubouché, genannt Adrien Dubouché (* 2. April 1818 in Limoges; † 24. September 1881 in Jarnac), war ein Kaufmann, Kunstsammler und Mäzen. Nach seiner Heirat mit Ermance Bisquit trat er in das Cognacunternehmen seines Schwiegervaters in Jarnac ein. Adrien Dubouché, Sohn eines Tuchhändlers, übernahm 1865 ehrenamtlich die Leitung des Museums und begann mit einer Reihe von Schenkungen, um die Bestände zu erweitern. Französische und ausländische Keramikmanufakturen übermittelten ihm Vermächtnisse. Die Stadt Limoges stellte ihm ein stillgelegtes Irrenhaus auf der Place du Champ-de-Foire zur Verfügung. Das Gebäude wurde für die Präsentation der Sammlungen hergerichtet und beherbergte auch die von Dubouché gegründete Schule für dekorative Künste.
Adrien Dubouché wurde 1870 zum Bürgermeister von Limoges gewählt. 1877 wurde er als Mitglied der Jury zur Weltausstellung in Wien entsandt, um dort die französische Abteilung der Schönen Künste zu organisieren. Dafür verlieh ihm Kaiser Franz Joseph I. von Österreich das Ritterkreuz seines Ordens und den Titel eines Barons. Adrien Dubouché war Vizepräsident der Académie des Beaux-Arts und Präsident der École nationale des arts décoratifs de Limoges. Im Jahr 1875 erwarb er die Keramiksammlung seines verstorbenen Freundes Albert Jacquemart, des Verfassers des Werkes Les Merveilles de la céramique, und schenkte sie der Stadt Limoges. In Anerkennung dieser Schenkung gab der Bürgermeister von Limoges dem Museum noch zu Lebzeiten Dubouchés seinen Namen. Ein Jahr vor seinem Tod erwarb Dubouché eine letzte Sammlung: jene seines Freundes Paul Gasnault, Konservator am Musée des arts décoratifs in Paris.
Nationalisierung und Neubau (1881–1900) Kurz vor Dubouchés Tod im Jahr 1881 wurden das Museum und die Schule verstaatlicht. Der französische Staat verpflichtete sich daraufhin, auf dem von der Stadt bereitgestellten Gelände des ehemaligen Hospizes neue Gebäude zu errichten. Die Leitung beider Einrichtungen wurde Auguste Louvrier de Lajolais übertragen, dem Direktor der École nationale des Arts décoratifs in Paris. Der Pariser Architekt Pierre-Henri Mayeux wurde mit dem Bau der Schule und des Museums beauftragt. Er entwarf zwei aneinandergrenzende Gebäude, die 1900 eingeweiht wurden. Die Bauarbeiten fanden von 1895 bis 1900 unter der Leitung von Henri Mayeux statt. Die Gesamtanlage besteht aus einem rechteckigen Hauptgebäude, in dem sich das Museum befindet, sowie zwei rückseitigen Flügeln, die einen Garten umschließen. Die Schule ist in einem parallel zum vorderen Gebäude verlaufenden, rechteckigen Gebäude untergebracht, das sich im hinteren Teil der Anlage befindet.
Renovierung und Wiedereröffnung (2003–2012) mini|Ausstellungssäle, dem Limoges-Porzellan gewidmet Im Jahr 2003 schrieb das Kulturministerium einen internationalen Wettbewerb für die Erweiterung des Museums aus, den der Wiener Architekt Boris Podrecca in Zusammenarbeit mit der Museographin Zette Cazalas gewann. Sein Projekt sah einen neuen Eingang und einen Empfangsbereich vor. Die Esplanade vor der neuen Fassade aus Glas und Porzellan, die als italienische Piazza konzipiert wurde, beherbergt ein Kunstwerk von Haguiko und Jean-Pierre Viot – Une Suite –, das im Rahmen der 1-%-Kunstförderung realisiert wurde.
Das Museum wurde zwischen 2009 und 2012 einer umfangreichen Renovierung unterzogen. Nach einer architektonischen und museografischen Renovierungskampagne öffnete es am 29. Juni 2012 wieder seine Türen.
Architektur
Originalbau (1895–1900) Das auf zwei Etagen errichtete Museum präsentiert eine Fassade im italienischen Stil und verwendet regionale Materialien sowie Architekturkeramik, um das Kunsthandwerk der Stadt Limoges hervorzuheben. Die Hauptfassade weist einen Sgraffito-Dekor aus pflanzlichen Motiven in Ocker auf beigem Grund sowie polychrome Porzellanplatten auf.
Das Erdgeschoss verfügt über große Rundbogenfenster, während das Obergeschoss eine mit Sgraffito und Nischen für Porträts von Persönlichkeiten aus der Region Limousin verzierte Wand aufweist. Der Architekt verwendete im Inneren Stahlkonstruktionen, was ein Ergebnis der technischen Forschungen jener Epoche und der industriellen Revolution war. Die Räume im Erdgeschoss, die für die Präsentation der Keramiken bestimmt sind, werden durch seitliche Öffnungen beleuchtet. Das Obergeschoss verfügt über ein Oberlicht zur Präsentation von Skulpturen und Gemälden.
Das Innere des Gebäudes ist mit einem Mosaikboden von Guibert Martin, Wandmalereien von Rouillard und Buntglasfenstern von Marcel Delon ausgestattet. Im Obergeschoss befindet sich der Ehrensalon mit einer dekorativen Deckenmalerei, die vom Pariser Unternehmen Rouillard ausgeführt wurde. Das Gebäude wurde 1992 als Monument historique klassifiziert.
Erweiterungsbau (2003–2012) Im Rahmen der Renovierung wurde ein neues Gebäude zwischen den beiden von Mayeux errichteten Bauten – dem Museum und der ehemaligen École des Arts Décoratifs – eingefügt. Das erneuerte Museum umfasst nun drei Gebäude. Das Gesamtareal beträgt 7200 m².
Sammlung Das Musée national Adrien-Dubouché bewahrt rund 18.000 Werke aus Keramik (Töpferwaren, Steinzeug, Fayencen und Porzellan) sowie Glas aus verschiedenen Epochen und Kulturen. Darunter befinden sich Keramiken aus dem antiken Griechenland und Europa, chinesisches Porzellan, islamische Fayencen, Steinzeugstücke sowie europäisches Porzellan vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das Museum präsentiert außerdem eine Glassammlung, in der die Glaszentren Venedig, Nevers und Böhmen vertreten sind.
Werke (Auswahl)
Literatur
Éditions Gourcuff Gradenigo (Hrsg.): Les collections du musée Adrien Dubouché. Paris 2021. Laure Chabanne: Henri Mayeux et le musée national Adrien Dubouché à Limoges, une leçon d'art décoratif. In: Livraisons d’histoire de l’architecture, Nr. 3, 2002, S. 129–138. Chantal Meslin-Perrier: 100 ans d’architecture et 10 ans d’acquisitions. Musée national Adrien Dubouché, Limoges 2000. Décret n° 2024-1219 du 27 décembre 2024 portant création de l’établissement public Mobilier national – Musée national de céramique – Musée national Adrien Dubouché. In: Journal officiel de la République française, 28 décembre 2024.
Weblinks
Offizielle Website des Museums site des collections du Musée national Adrien Dubouché
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstmuseum in Frankreich Kategorie:Limoges Kategorie:Museumsgründung 1845 Kategorie:Keramikmuseum Kategorie:Museum in Nouvelle-Aquitaine