Liliane Méautis (* 24. Mai 1905 in Fleurier; † 2. Juli 1988 in Neuchâtel) war eine Schweizer Malerin, die als Porträtistin des Bildungsbürgertums der Stadt Neuchâtel bekannt wurde. Sie malte meist mit Pastellfarben. Im Lexikon SIKART ist sie unter dem Geburtsnamen Liliane Jequier verzeichnet.

Leben und Werk Liliane Jequier wurde als Tochter von Alice Auroi aus Evilard und ihrem Mann Paul Jequier im Val-de-Travers geboren. Sie wurde auf das Pensionnat de Tourelles in Neuchâtel geschickt und lernte etwas Englisch und Deutsch. Zudem erhielt sie Klavier- und Geigenstunden. Als Zwanzigjährige begann sie während eines Englandjahres in Sussex mit dem Zeichnen. 1927 schrieb sie sich in Florenz bei Filippo Marfori-Savini für Malereikurse ein. Dort lernte sie auch, Radierungen anzufertigen und beschäftigte sich mit Porträt- und Landschaftsmalerei. 1928 wechselte an die Kunstakademie in Rom.

Als Tochter aus wohlhabender Familie war sie nicht zum Arbeiten gezwungen, doch die Familie erwartete, dass sie sich nützlich machte. Auch aus religiöser Bewegtheit entschied sie sich 1930 zu einer Ausbildung als Krankenschwester an der Ecole d’infirmières de Bon-Secours. Dank der Fürsprache einer Bekannten bei ihren Eltern durfte sie die Ausbildung nach drei Monaten abbrechen und ihre Kunststudien wieder aufnehmen. Sie wurde in Paris Schülerin von Conrad Meili. Im Juni 1931 lernte sie den Gräzisten Georges Méautis kennen, Professor an der Universität Neuenburg, den sie am 29. Dezember 1931 heiratete. Ende 1932 kam mit André das erste Kind zur Welt. 1936 wurde Ariane geboren, 1942 folgte Daphné. In der Siebenzimmerwohnung der Familie blieb sie bis zum Ende ihres Lebens.

Als Hausfrau und Malerin wandte sich Liliane Méautis spirituellen Bewegungen zu. Neben eher widerwillig besuchten mormonischen und adventistischen Gottesdiensten war dies auch die Bahai-Religion und die bewusstseinsspiritualistische und vegane Gruppe Mazdaznan. Mit ihren Töchtern ging sie an Gahambaras in London und Amsterdam oder nahm in Gstaad mit den Kindern an Zen-Sessionen von Linssen teil und traf Sarnen Krishnamurti. Mit ihrem Mann, den die Theosophie ansprach, und Daphné ging sie an den Internationalen Theosophenkongress in Montecatini, um Curuppumullage Jinarajadasa zu sehen. Dabei interessierten sie weniger die Dogmen als das «Leuchten», das von diesen Menschen ausging und das sie sich mit ihrer überschwänglichen und manchmal exzessiven Persönlichkeit auch selbst aneignete, wie ihre Töchter dies später beurteilten.

Durch ihre gesellschaftliche Position und durch ihre überdurchschnittliche Extrovertiertheit etablierte sie sich als Porträtistin des Neuenburger Bürgertums. Unter anderem malte sie den Bundesrat Philipp Etter, einen Freund ihres Mannes, und die Schauspielerin Madeleine Ozeray, sowie mehrere Asiaten und Afrikaner. Auch der Musiker Arturo Benedetti Michelangeli und seine Berufskollegen Hermann Scherchen, Aurèle Nicolet und Edwin Fischer sassen für sie. Scherchens chinesische Frau Hsiao Shusien (Mme Scherchen, Pastell, 45 × 58 cm) zu malen, war ihr ein Anliegen. Die Personen durften sich während der Sitzung bewegen und gerne auch mit ihr sprechen. Die Frau von Jacques Ibert wählte in Rom dennoch eine strenge Pose. Paul Fort und Lanza del Vasto zeigten sich in ihrer Qualität als Dichter. Ihr dringender Wunsch, Personen malen zu dürfen, traf in Neuchâtel bald auf Widerwillen, jedoch fand sie in Paris und Athen weitere Modelle. In der griechischen Hauptstadt liess sich Frau Kalligas, die mit dem Direktor der Pinakothek von Athen verheiratet was, in einem ihrer schönsten Pastelle verewigen.

Andere Bildthemen stehen im Werk von Liliane Méautis im Hintergrund. Sie malte Blumenkompositionen bevorzugt in den Vasen des Genfer Keramikerpaars Beer-Zorian sowie Stillleben nach Vincent van Gogh. Diese entstanden im Unterschied zu den dynamischen und intuitiven Porträts häufig in Ölmalerei. Landschaftsbilder entstanden in La Comballaz, Evolènes, Salvan, Saas-Fee, Leukerbad, Zermatt, am Lac Champey, in Gstaad und Tarasp als Plein-air-Malerei, vor allem in den Jahren der Isolation der Schweiz im Zweiten Weltkrieg als Auslandreisen nicht möglich waren. Zudem umfasst ihr Werk weibliche Akte, ebenfalls in Pastell gefertigt, und beobachtete Salonszenen. Méautis arbeitete kaum für den Kunstmarkt oder auf Auftrag; die meisten ihrer Werke behielt sie als private Erinnerungsstücke für sich, was ihre umfassende Kunstsammlung der Neuenburger Malerei des 20. Jahrhunderts bereicherte. Ihr eigenes Schaffen zählt über 2700 Pastelle und Ölgemälde und fast 1500 Zeichnungen.

Einzelausstellungen Couvet und Fleurier, Juli 1939 Galerie Potterat, Lausanne, 15.–25. August 1955 Galerie des amis des arts de Neuchâtel, 1973 Galerie des amis des arts de Neuchâtel, 1976 Galerie des amis des arts de Neuchâtel, Februar 1982 Lyceum Club de Neuchâtel, November 1987

Auszeichnungen Prix de la Fédération international de l’Union féminine artistique et culturelle des salons internationaux (UUFACSI), verliehen in Vichy, 1958 Diplôme d’honneur de l’Association féminine artistique et musicale d’Afrique du Nord, verliehen am Salon d’Alger in Algier, 1960 Prix du Cercle d’art «Traboule», verliehen in Lyon, 1972 (Silbermedaille für zwei Gemälde)

Einzelnachweise

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