mini|hochkant=1.2|Das Château de La Trémolière in Anglards-de-Salers
Das Schloss La Trémolière () ist ein Schlossbau aus dem späten 16. und 17. Jahrhundert in der französischen Gemeinde Anglards-de-Salers im Département Cantal der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Das Anwesen, das im Inneren eine kunsthistorisch bedeutende Serie von Spätrenaissance-Tapisserien beherbergt, wurde am 14. Oktober 1963 in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques aufgenommen; die Fassaden, Dächer, der Treppenturm sowie die getäfelten Salons im ersten und zweiten Obergeschoss wurden am 2. März 1981 als Monument historique klassifiziert.
Das Schloss befindet sich heute im Besitz der Gemeinde Anglards-de-Salers und wird als Museum genutzt.
Geschichte
Die Anfänge und die Familie de Vigier
Das Lehen (Fief) La Trémolière ist seit dem 15. Jahrhundert urkundlich belegt und befand sich ursprünglich im Besitz der Familie de Tournemire, den Herren von Leybros. Vor dem Jahr 1592 erwarb Antoine de Vigier, ein wohlhabender Bürger aus Salers und Sohn des Herrn von Retortillade, das Anwesen von den Tournemire, um dort einen standesgemäßen Sitz für seine Familie zu begründen.
Sein Sohn, Jacques-Antoine de Vigier, Herr von Prades und Loupiac sowie Mitherr von Saint-Christophe-les-Gorges, diente 1597 als Waffenrockträger des Marschalls d’Albret und nahm 1635 am Adelsaufgebot (Ban) der Region teil. Es wird angenommen, dass Jacques-Antoine de Vigier den Bau des heutigen Schlosses in Auftrag gab. Durch die Hochzeit seiner Tochter Catherine de Vigier am 24. September 1640 mit Jean de Monclar gelangte das Schloss in den Besitz der Familie de Montclar (oft auch Monclar geschrieben).
Die Familie de Montclar und die Entdeckung im Grenier
Jean-Antoine de Montclar, Herr von Fournols und La Trémolière, vermählte sich im 17. Jahrhundert mit seiner Cousine Gilberte de Montclar. Diese brachte eine kostbare Serie von zehn großen Bildteppichen (Tapisseries de verdure) in die Ehe ein, die sie von ihren Großeltern geerbt hatte. Das Schloss verblieb über Generationen in der Familie, bis die Erbin Angélique de Montclar im Jahr 1795 Alexis Planchard de Cussac, den Unterpräfekten von Mauriac, heiratete.
Im Jahr 1855 verkaufte deren Nachkommin Stéphanie Rongier gemeinsam mit ihrem Ehemann Augustin de Courboulès de Montjoly das Schloss an die Gemeinde Anglards-de-Salers, die das Gebäude fortan als Presbyterium (Pfarrhaus) für die lokale Kirchengemeinde nutzte. Als im Jahr 1903 im Zuge der strikten Trennung von Kirche und Staat in Frankreich die Nutzung als Pfarrhaus endete, inspizierten Gemeindevertreter das Gebäude. Dabei wurden im Jahr 1909 auf dem Dachboden die jahrzehntelang vergessenen und eingelagerten Wandteppiche aus dem 16. Jahrhundert in einem stark vernachlässigten Zustand wiederentdeckt.
Beschreibung
Das Schloss präsentiert sich als typisches Beispiel für einen ländlichen Adelssitz der Haute-Auvergne beim Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance.
Architektur
Das Bauwerk besteht aus einem kompakten, rechteckigen Hauptgebäude (Logis) mit drei Etagen. Dem Wohnbau ist an der Nordseite ein markanter, runder Treppenturm (Tour d’escalier) straßenseitig vorgelagert, der das Haupttreppenhaus enthält und die Jahreszahl 1685 trägt. Das architektonische Portal, das in diesen Treppenturm führt, weist feine bildhauerische Details auf, die stilistisch auf das Ende des 16. Jahrhunderts datiert werden.
Die Wandteppiche und die Innenräume
Die Tapisseriensammlung (Verdures d’Aubusson): Die im Dachgeschoss geretteten zehn Wandteppiche bilden den kunsthistorischen Kern des Schlossmuseums. Die ursprünglich wohl elfteilige Serie wurde im späten 16. Jahrhundert (um 1586) in den Webereien des Limousin, vermutlich in Felletin oder Aubusson, gefertigt. Sie zeigen detailreiche, phantastische Millefleurs- und Vedutenmotive (Verdures) mit einem dichten Bestiarium realer und mythologischer Fabelwesen. Drei der Teppiche tragen die Allianzwappen von Guy de Montclar und Renée de Chaslus d’Orcival, die am 8. Oktober 1586 heirateten. Die Teppiche wurden ursprünglich für das Schloss Montbrun in Méallet hergestellt und kamen erst 1640 nach La Trémolière. Sie wurden nach ihrer Entdeckung aufwendig restauriert. Die barocken Salons: Die Wohnräume im ersten und zweiten Obergeschoss zeichnen sich durch ländlich-elegante Holzvertäfelungen (*Boiserien*) aus dem 18. Jahrhundert aus. Die Kamine, Türen und Wandschränke sind mit zeittypischen Trumeau-Gemälden verziert, die der Werkstatt der lokalen Künstlerfamilie Fabry zugeschrieben werden.
Der Obstgarten von Déduit
Zum Schloss gehört der Verger de Déduit, eine zeitgenössische Gartenanlage, die als „Bemerkenswerter Garten“ (Jardin remarquable) ausgezeichnet wurde. Die Konzeption des Gartens greift die allegorischen Motive und Fabelwesen der im Schloss ausgestellten Tapisserien sowie Szenen aus dem mittelalterlichen Rosenroman (Roman de la Rose) gestalterisch auf.
Weblinks
Offizielle Website des Schlosses (französisch)
Einzelnachweise Louis de Ribier: Recherches de la Noblesse d'Auvergne. Imprimerie de Dumoulin, Paris 1907.
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