Milde Königin, gedenke ist ein römisch-katholisches Marienlied.
Geschichte mini|Milde Königin im ersten Nachkriegsgesangbuch des Bistums Hildesheim Beim Liedtext, der in den ältesten Quellen sieben Strophen umfasst,Franz Xaver Weninger: Heiliger Liebes-Bund. Zehnte, verbesserte und vermehrte Auflage. Verlag der Franz Ferstl’schen Buchhandlung, Graz 1849, S. 392 f. (). handelt es sich um eine Nachdichtung des lateinischen Mariengebets Memorare, als dessen Verfasser bis ins frühe 20. Jahrhundert der hl. Bernhard von Clairvaux galt, und das 1846 von Papst Pius IX. mit einem Ablassprivileg ausgezeichnet wurde. Der deutsche Text wird um das Jahr 1840 datiert. Der Textdichter ist nicht mit Gewissheit bestimmt,Andreas Heinz: Marienlieder des 19. Jahrhunderts und ihre Liturgiefähigkeit. In: Trierer theologische Zeitschrift. 97, 1988, S. 106–134, hier S. 119 f.; doch wird der Text üblicherweise dem Wiener Regierungsrat Joseph Anton von Pilat zugeschrieben. Diese Zuschreibung erscheint plausibel, da Pilat mehrere griechische und lateinische Texte nachdichtete,Karl Goedeke, fortgeführt von Edmund Goetze: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung. Sechster Band (= Siebentes Buch, erste Abteilung): Zeit des Weltkrieges. Ehlermann, Leipzig/Dresden/Berlin 1898, S. 580 f.; . sie ist jedoch nicht durch eine direkte Quelle abgesichert und beruht im Wesentlichen auf einer mündlichen Aussage des Bischofs von St. Pölten Ignaz Feigerle.Joseph Gabler: Bemerkungen zu dem von den hochwürdigsten Ordinariaten in Wien, Linz und St. Pölten approbirten katholischen Gesangbuche Te Deum laudamus. 2. vermehrte Auflage. Breitkopf u. Härtel, Leipzig 1899, S. 137 f. ().Wilhelm Bäumker: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. 4. Band. Herder, Freiburg i. Br. 1911, S. 623–625 (). Der Jesuit Clemens Blume erklärte später noch, dies auch von Pilat persönlich vernommen zu haben.Clemens Blume: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. Vierter und letzter Band [Rezension]. In: Stimmen aus Maria-Laach, Band 82, 1912, S. 550–554, hier S. 554 ().
Milde Königin ist ein Pilgergebet des Vertrauens zu Maria; es sei „unerhört“, dass ein Mensch, der seine Zuflucht zu Maria nahm, „verlassen“ zurückkehrte. Der Begriff „unerhört“ könnte von modernen Hörern als Ausdruck der Empörung missverstanden werden, ist hier jedoch gemeint in dem Sinn, etwas Derartiges sei noch niemals gehört worden. Irritierend könnte auch die Aussicht auf eine garantierte Gebetserhörung wirken, die gegenüber der lateinischen Vorlage eine pointierte Zuspitzung darstellt.Marco Benini: O Maria, hilf uns allen. In: Joachim Werz, Josef Kreiml (Hrsg.): Mariahilf: Geschichte – Theologie – Frömmigkeit. Pustet, Regensburg 2021, ISBN 978-3-7917-3296-1, e-ISBN 978-3-7917-7376-6, S. 132–164, hier S. 141 f.; . Das Gebet schließt mit der Bitte, durch Marias Führung zu Jesus zu gelangen.
Es existieren mindestens zwölf verschiedene Vertonungen des Textes.Christoph Jäggin: Milde Königin gedenke, wie’s auf Erden unerhöhrt. (PDF; 546 KB), abgerufen am 6. Juni 2026. Der Schweizer Zisterzienser Alberich Zwyssig vertonte den Text vor 1841.Das Memorare des heiligen Vaters Bernard. Lied für 2 Sopran Solo-Stimmen, 4 Chorstimmen & Orgelbegleitung. In Musik gesetzt von P. Alberic Zwyssig, Kapellmeister des Stiftes Wettingen. Luzern, Musikalienhandlung von J. v. Hospenthal [o. J.] . – Der Druck ist nicht datiert, aber jedenfalls vor Januar 1841 entstanden, da das Kloster Wettingen damals aufgehoben wurde. Diese Melodie wird noch gelegentlich gesungen.Sie ist z. B. im Gebet- und Gesangbuch der Priesterbruderschaft St. Petrus Laudate Patrem, 3/2021, abgedruckt (Nr. 463), dort außerdem aber auch die von Weninger (Nr. 934). Die heute geläufigste Melodie wird Franz Xaver Weninger zugeschrieben und auf 1857 datiert.Actio Mariae (Hrsg.): Marienlob. Lieder- und Gebetbuch für das pilgernde Gottesvolk. Mit einem Geleitwort von Bischof Rudolf Graber. Josef Kral, Abensberg 1979, S. 212–214. Die Angabe, die Melodie sei 1857 in dem Andachtsbuch Maiblüthen von Ludwig Carl Seydler veröffentlicht worden,Peter Stürz: Die Wallfahrtslieder von Maria Weißenstein – Ein Beitrag zur musikalischen Volkskultur in Südtirol. In: Walter Deutsch, Manfred Schneider (Hrsg.): Beiträge zur Volksmusik in Tirol. Eigenverlag des Musikwissenschaftlichen Instutzts der Universität Innsbruck, 1978, S. 43–60, hier S. 52 f. Auch in: Peter Stürz: Maria Weissenstein als Wallfahrtsmittelpunkt in Südtirol (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 19: Volkskunde, Ethnologie, Abteilung A: Volkskunde, Band 16). Peter Lang, Bern/Frankfurt am Main/Las Vegas 1981, ISBN 3-261-04682-1, S. 115 f. u. 131.Lieder zur Wallfahrt – Gehen, Beten, Singen. Steirisches Volksliedwerk. Weishaupt, Graz 2002, S. 82 f. Abgerufen über https://www.deutscheslied.com entspricht jedenfalls nicht den Tatsachen, denn dort erscheint das Lied mit einer Melodie von Seydler selbst und der Zuschreibung des Textes (!) an Weninger.Ludwig Carl Seydler: Maiblüthen. Ein vollständiges Andachtsbuch in täglichen Gebeten und Gesängen nebst Beicht- und Communiongebeten zur Feier des Marienmonats. Ferstl in Commission, Graz 1857. – freundliche Auskunft der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, vgl. auch die Neuausgabe: Maiblüten. Gebete und Gesänge zur Feier des Marien-Monates von Ludwig Carl Seydler. Neu bearbeitet von Anton Seydler, Dom-Organist in Graz. Ulr. Mosers Buchhandlung, Graz 1898, S. 64 f. (). Jedenfalls fand das Lied mit der genannten Melodie Eingang in die Eigenteile des Katholischen Gebet- und Gesangbuchs Gotteslob der Bistümer Passau (GL 878),Bischöfliches Ordinariat Passau (Hrsg.): Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Ausg. für das Bistum Passau. Passau 2013. Eichstätt (GL 857) sowie Regensburg (GL 881).Bischöfliches Ordinariat Regensburg (Hrsg.): Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Ausg. für das Bistum Regensburg. Regensburg 2013.
Anderssprachige Versionen Ein unbekannter tschechischer Dichter schuf auch eine tschechische Version unter dem Titel Matko Boží, neslýcháno, die 1864 das erste Mal erschien.Kancionál čili Kniha duchovních zpěvů pro kostelní i domácí pobožnost. Prag 1864, S. 54; digitalniknihovna.cz.
1889 wurde eine obersorbische Version des Liedes unter dem Titel Wopomń, Krałowna Ty miła veröffentlicht.Poutní zpěvník ke cti svatých Anny a Jáchyma. Mikulášovice 2023. S. 96.
Schutzfrau Österreichs Der Gründer des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs, der Franziskaner Petrus Pavlicek, veröffentlichte 1955, nach Unterzeichnung des Staatsvertrags, eine adaptierte Version des Liedes zur Erinnerung an die Befreiung Österreichs, die schnell populär wurde. Vor allem am Fest Mariä Namen wird es in Österreich regelmäßig gesungen.
Melodie und Text (Gotteslob Regensburg)
mini|Melodie (Fassung GL Regensburg) Milde Königin, gedenke, wie’s auf Erden unerhört, dass zu dir ein Pilger lenke, der verlassen wiederkehrt. Nein, o Mutter, weit und breit schallt’s durch deiner Kinder Mitte: Dass Maria eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit.
Wer zu dir um Schutz geflohen, wer nur deiner nicht vergisst, muss bekennen, wie das Drohen auch der Hölle nichtig ist. Nein, o Mutter …
Ach, erhöre meine Worte, führ mich einst zu deinem Sohn, öffne mir die Himmelspforte, dass ich ewig bei dir wohn. Nein, o Mutter …
Literatur Wilhelm Bäumker: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. 4. Band. Herder, Freiburg i. Br. 1911, S. 623–625 ().
Weblinks Milde Königin, gedenke. Notenblatt bei musescore.com
Einzelnachweise
Kategorie:Marienlied