mini|hochkant=1.2|Das Corps de Logis des Schlosses Parentignat Das Schloss Parentignat () ist eine barocke Schlossanlage in der französischen Gemeinde Parentignat im Département Puy-de-Dôme der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Aufgrund seiner architektonischen Pracht wird das Anwesen auch als das „kleine Versailles der Auvergne“ (Petit Versailles auvergnat) bezeichnet. Es beherbergt mit der Sammlung Georges de Lastic eine der bedeutendsten privaten Kollektionen französischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Das Bauwerk steht seit dem 5. Juni 1972 als Monument historique unter Denkmalschutz.
Das Anwesen befindet sich im Privatbesitz der Familie de Lastic, ist jedoch für die Öffentlichkeit sowie für Empfänge zugänglich.
Geschichte Ursprünge und Erwerb durch die Familie de Lastic In der Spätrenaissance war das damals noch Parentignac genannte Anwesen eine klassische, wehrhafte Festungsanlage am Rande des Dorfes. Der im ausgehenden 16. Jahrhundert von Claude Chastillon dokumentierte Bau präsentierte sich als ein geschlossenes Quadrilateral, das an den Ecken von vier massiven Wehrtürmen flankiert war. Die Wurzeln der vormaligen mittelalterlichen Festung reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, als die Anlage auf einem markanten Felssporn (piton rocheux) als Wiege der Herren von Lastic errichtet wurde.
Am 23. Oktober 1707 erwarben Jean-Antoine de Lastic, Prior von Bredons sowie Vikar von Murat, und sein Neffe François II. de Lastic, Marquis de Sieujac und Graf von Sieujac, die damals stark vernachlässigte Anlage für 45.000 Livres von den Erben des Maximilien de Sommyèvre. François II. hatte zuvor im Spanischen Erbfolgekrieg gekämpft und 1706 eine Ehe mit einer vermögenden Dame de la Roche-Aymon geschlossen, deren Bruder später Erzbischof von Reims und Großalmosenier von Frankreich wurde.
Nach dem Tod des Priors wurde Anne-François II. de Lastic zum alleinigen Eigentümer und leitete eine tiefgreifende Transformation ein. Zwischen 1710 und 1714 kaufte er systematisch das umliegende Dorf auf, das sich bis dahin dicht an die Burgmauern drängte, und schloss hierzu mehr als 170 Kaufverträge ab. Die ursprüngliche Burganlage aus dem 15. Jahrhundert wurde dabei stark modifiziert und in den linken Flügel des neuen Schlosses integriert, wobei zwei der vier alten Ecktürme erhalten blieben. Um die beiden entstehenden Seitenflügel symmetrisch miteinander zu verbinden, wurde zeitgleich an der Ostseite das zentrale Hauptgebäude (Corps de logis) errichtet, dessen Schaufassade von einem markanten Dreiecksgiebel bekrönt wird.
Ausbau im 18. Jahrhundert mini|hochkant=0.9|Der Marquis de Lastic, Freund des Maréchal de Saxe Nach dem Tod von Anne-François II. im Jahr 1749 ging der Besitz an seinen Sohn Anne-François III. de Lastic über, einen hochrangigen Militär und engen Freund des Marschalls Moritz von Sachsen (Maréchal de Saxe). Er bewohnte das Schloss jedoch selten und zog seine Residenzen in Paris und Behoust vor, weshalb das Anwesen zeitweise vernachlässigt wurde. Dennoch verzeichneten die Chroniken im Frühjahr 1771 den Besuch des berühmten Marquis de La Fayette, der in Begleitung des jungen Vizegrafen de Lastic auf dem Schloss weilte. Anne-François III. verstarb am 23. August 1772.
Sein Nachfolger, Graf Anne-François IV. de Lastic, kehrte 1779 nach einer eigenen militärischen Karriere als Kavallerieinspekteur dauerhaft nach Parentignat zurück, um das Anwesen als seine „philosophische Zuflucht“ (retraite philosophique) vollständig zu vollenden. Er gestaltete die Innenräume im klassizistischen Geschmack der Epoche neu, vollendete die zum Park gewandte Fassade und strukturierte die Gartenanlagen grundlegend um. Für den Einbau einer monumentalen Ehrentreppe (Escalier d’honneur) sowie für die prachtvollen Kamine und Bodenbeläge der Privatgemächer erwarb er eigens den nahegelegenen Marmorsteinbruch von Nonette. Seine Ehefrau, Anne Charon de Ménars (eine Nichte von Colbert), verblieb derweil aufgrund ihrer Verpflichtungen als Ehrendame der Töchter Ludwigs XV. (Mesdames) meist in Versailles.
Den Ideen der Französischen Revolution gegenüber aufgeschlossen, übernahm er das Kommando der Nationalgarde von Issoire und wurde 1792 zum Chef der Nationalgarde-Legion von Clermont-Ferrand ernannt. Er verstarb am 12. September 1794. Während der Revolutionswirren blieb das Schloss weitgehend unbehelligt; es beherbergte zeitweise eine Salpeterfabrik, wodurch sowohl die Bausubstanz als auch das reiche Mobiliar vollständig vor Plünderungen bewahrt wurden.
Vom Kaiserreich bis zur Moderne Da Anne-François IV. keinen männlichen Erben hinterließ, fiel das Schloss an seine Enkeltochter Octavie, die ihren entfernten Cousin Joseph de Lastic aus der Linie Vigouroux heiratete. Joseph diente als Kammerherr und Octavie als Palastdame der Kaiserin Joséphine de Beauharnais. Aus Dankbarkeit schenkte die Kaiserin dem Paar einen seltenen Tulpenbaum, der im Schlosspark eingepflanzt wurde. Um den verkleinerten Gutshof ökonomischer zu verwalten, wandelten die beiden die barocken französischen Gärten in einen weitläufigen englischen Landschaftspark um. Joseph de Lastic schloss sich 1815 den Bourbonen an, verließ jedoch 1830 seine Ämter und weigerte sich im Folgejahr, den neuen König Louis-Philippe bei dessen Besuch bei Madame Adélaïde auf Schloss Randan zu begrüßen.
In den 1970er Jahren restaurierte und bewahrte der Kunsthistoriker und Marquis Georges de Lastic (1927–1988) gemeinsam mit seiner Gemahlin Françoise, einer Tochter des Mäzens Henry Goüin, die Anlage. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 1988 setzten seine Witwe und sein Sohn Anne-François die umfangreichen Arbeiten fort, sodass das Schloss 1994 wieder für Besucher geöffnet werden konnte.
Beschreibung und historisches Inventar mini|hochkant=1.2|Die barocke Orangerie des Schlosses Das Schloss präsentiert sich als dreigeschossiger barocker Palast, dessen oberstes Stockwerk an den Seitenflügeln als repräsentatives Mansarddach mit Schieferziegeln gedeckt und mit Mansarden versehen ist. Die zum Garten gewandte Rückseite des Schlosses ist streng geradlinig konzipiert und erstreckt sich über fünfzehn Fensterachsen, während der Ehrenhof (Cour d’honneur) an den Flügelenden von den zwei integrierten Rundtürmen der mittelalterlichen Vorgängerburg flankiert wird.
Da das Schloss von den Plünderungen der Revolution verschont blieb, verfügt es über ein in der Auvergne einzigartiges, unversehrtes Interieur des 18. Jahrhunderts:
Winter-Prunksaal (*Salon d’assemblée d’hiver*): Dieser Raum ist mit feinen, weiß gestrichenen Holzvertäfelungen (*boiseries*) ausgestattet. Hier befinden sich bedeutende Gemälde, darunter ein Porträt der Duchesse du Maine von François de Troy sowie ein monumentales Porträt des Comte de Toulouse (Großadmiral von Frankreich) von Hyacinthe Rigaud, welches dem Chevalier de Lastic von seinem ersten Dienstherrn geschenkt wurde. In den Ecken des Saals stehen wertvolle Intarsienmöbel und ein vergoldeter Hochzeitstruhen-Schrank (*coffre de mariage*) aus dem Besitz von Mademoiselle de la Roche-Aymon. Sommer-Prunksaal (*Salon d’assemblée d’été*): Die Wände dieses herrschaftlichen Salons sind mit kostbarem rotem Damast bespannt. Das Mobiliar umfasst ein seltenes Louis-XIV-Kanapée sowie Sessel und Stühle aus der Epoche des Louis-quinze, die mit altrosa und silberfarbenem Lampas-Stoff bezogen sind und aus feinsten Pariser Kunsttischlerwerkstätten stammen. Über einer monumentalen, vergoldeten Holzkonsole von außergewöhnlicher Qualität hängt ein Originalporträt des Marquis de Lastic von Charles André van Loo, flankiert von großen chinesischen Kanton-Porzellanvasen und einer weiten Landschaftsdarstellung von Constant Troyon. Das Parade-Schlafgemach: Prunkstück des Schlosses ist ein monumentales, prachtvolles Kreuzbett (*lit à crosses*) mit der Meisterstempelung des berühmten Pariser Kunsttischlers Nicolas Heurtaut. Die herrlich frischen Stoffbehänge bestehen aus seltenen, floral gemusterten Tapisseriebändern. Ein benachbartes Schlafgemach beherbergt ein paradehaftes Louis-XIV-Bett „à la française“, dessen herrschaftlicher Betthimmel (*impériale*) von vier durchbrochenen Prunkvasen bekrönt wird. Speisesaal (*Salle à manger*): Der Saal zeichnet sich durch schlichtere, im rustikalen *Capucine*-Stil gehaltene Holzvertäfelungen aus, die einfach getönt und gewachst sind.
Die Sammlung Georges de Lastic Das Schloss beherbergt die hochkarätige Gemäldesammlung des namhaften Kunsthistorikers Georges de Lastic. Neben seltenen königlichen Büsten und den lückenlos erhaltenen Familienarchiven enthält sie eine der weltweit größten privaten Kollektionen altmeisterlicher französischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts.
Zu den ausgestellten Meisterwerken in den Salons des Schlosses gehören bedeutende Arbeiten von Philippe de Champaigne, Pierre Mignard, Nicolas de Largillierre, Hyacinthe Rigaud und Jean-Marc Nattier. Zudem wird ein historisch bedeutsames, in der Conciergerie von Alexander Kucharsky gemaltes Porträt der gealterten Königin Marie-Antoinette im schlichten weißen Haubenschmuck aufbewahrt, welches der Familie Lastic von der Duchesse d’Angoulême geschenkt wurde.
Literatur Henry Pourrat et al.: Merveilles des châteaux d’Auvergne et du Limousin. Hachette, Paris 1980. Dominique Brême, Alexandre Pradère: Le château de Parentignat. In: L’Objet d’art. Nr. 304, 1996, S. 54–69. Odile Travers: Châteaux vivants de Basse-Auvergne. Éditions G. de Bussac, Clermont-Ferrand 1973, S. 53–68. Jean de Lastic: Chroniques de la family de Lastic. 8 Bände, 1919–1921.
Weblinks
Offizielle Website des Schlosses (französisch/englisch)
Einzelnachweise Merveilles des châteaux d’Auvergne et du Limousin. 1980, S. 46. Merveilles des châteaux d’Auvergne et du Limousin. 1980, S. 49. Merveilles des châteaux d’Auvergne et du Limousin. 1980, S. 50. Merveilles des châteaux d’Auvergne et du Limousin. 1980, S. 51.
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