Der Bahnhof Aix-en-Provence des Betreibers SNCF Réseau ist die innenstadtnahe Bahnstation der südfranzösischen Stadt Aix-en-Provence. Der 1856 eröffnete und 1877 auf die heutige Lage erweiterte Bahnhof liegt an den Eisenbahnstrecken Lyon–Grenoble–Marseille und Rognac–Aix-en-Provence. Seine heutige Bedeutung liegt vor allem im Schienenpersonennahverkehr mit etwas unter einer Million Reisenden pro Jahr.
Etwa 15km südwestlich liegt seit 2001 der Bahnhof Aix-en-Provence TGV an der LGV Méditerranée, der dem Schienenpersonenfernverkehr dient.
Lage Die Anlagen des Bahnhofs Aix-en-Provence liegen südlich der Innenstadt an der dort von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Bahnstrecke Lyon–Grenoble–Marseille. Die Bahnstrecke Rognac–Aix-en-Provence erreicht den Bahnhof an dessen äußerstem westlichen Ende.
Alle Zugänge für Reisende liegen seit 1877 auf der Nordseite der Gleisanlagen auf Höhe des Empfangsgebäudes, das aus der Innenstadt über die Avenue Victor Hugo oder die Avenue des Belges und die Rue Gustave Desplaces erreicht wird. Eine direkte Fußgängerverbindung von Süden zu den Bahnsteigen existiert nicht; die Fortführung der Avenue des Belges überquert die Gleise jedoch nordwestlich der Bahnsteige.
Bereits 1856 errichtete, bis 1877 für den Personen- und anschließend bis 1980 für den Güterverkehr genutzte Anlagen des Bahnhofs befanden sich hingegen nordwestlich des heutigen Empfangsgebäudes auf der Westseite der Avenue des Belges.
Infrastruktur mini|links|Bahnsteig- und Nebengleise (2021) 2026 umfasst der Bahnhof Aix-en-Provence fünf Hauptgleise, an denen der Hausbahnsteig sowie zwei Mittelbahnsteige liegen. Die Bahnsteiglänge beträgt jeweils 220m. Für Reisende werden diese Bahnsteiggleise ausgehend vom Empfangsgebäude alphabetisch absteigend mit den Buchstaben E bis A bezeichnet. Sie sind an ihren nordwestlichen Enden durch eine Überführung miteinander verbunden, die über Treppen und Aufzüge zugänglich ist.
Südlich dieser Gleise befinden sich zwei nur aus Nordwesten erreichbare Nebengleise, die der Abstellung von Triebwagen dienen.
Richtung Südosten münden die fünf Hauptgleise in das Streckengleis Richtung Marseille. Richtung Nordwesten werden die fünf Hauptgleise und die beiden Nebengleise auf Höhe der Avenue des Belges zu zwei Hauptgleisen zusammengeführt. Diese verlaufen bis zur etwa 500m weiter westlich gelegenen Trennung der Strecken nach Rognac und Pertuis parallel unter einer Einhausung. Sie sind dort ihrerseits durch Weichen verknüpft.
Seit 2021 wird im Bahnhof ein aus Marseille ferngesteuertes elektronisches Stellwerk genutzt. Es löste ein elektromechanisches Stellwerk des Typs électromécanique unifié (EMU45) ab.
Das Empfangsgebäude ist für Reisende geöffnet und besitzt einen 2026 täglich etwa acht Stunden geöffneten Fahrkartenschalter.
Vor dem Empfangsgebäude befindet sich eine Stadtbus-Haltestelle, die allerdings nur von wenigen Buslinien bedient wird. Weitere städtische Buslinien nutzen eine Haltestelle auf der nordwestlich der Bahnsteige über die Gleise führenden Brücke der Avenue des Belges; der auch von regionalen Linien angefahrene Busbahnhof liegt etwa 500m westlich des Bahnhofs.
Geschichte mini|Der 1877 eröffnete Bahnhofsteil im Jahr 1904, Ansicht nach Südosten mini|Straßenseite des Empfangsgebäudes (2024) mini|Signalbrücke und Personenüberführung am nordwestlichen Ende der Bahnsteige (2024) Als in den 1830er-Jahren die erste Bahnverbindung aus dem Rhonetal nach Marseille geplant wurde, stand auch die Führung über die ehemalige Provinzhauptstadt Aix-en-Provence zur Diskussion. Aus verschiedenen Gründen, darunter Widerstände in Aix selbst, wurde die erste Bahnstrecke Avignon–Marseille jedoch über Arles und direkt nordöstlich des Étang de Berre geführt. 1845 wurde eine davon in Rognac abzweigende Strecke nach Aix-en-Provence genehmigt, deren Bau durch die inzwischen von den Vorteilen einer Bahnanbindung überzeugten Stadt Aix-en-Provence finanziell unterstützt wurde. Unter Regie der Chemin de fer de Lyon à la Méditerranée begannen 1854 die Bauarbeiten. Die offizielle Eröffnung wurde am 31. August 1856 gefeiert, der reguläre Verkehr aber erst am 10. Oktober 1856 aufgenommen. 1857 wurde die Betreibergesellschaft von der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) übernommen.
Der Bahnhof Aix-en-Provence als Endpunkt der Strecke aus Rognac wurde südwestlich der Innenstadt errichtet. Das Ende der Strecke lag in etwa am Anfang der Rue Espariat. Das Streckengleis aus Rognac verzweigte dort in fünf Hauptgleise, die grob in West-Ost-Richtung verliefen, sowie verschiedene Nebengleise. Auf der Nordseite der Hauptgleise lag das Empfangsgebäude, an das eine Bahnhofshalle anschloss, die die beiden nördlichsten Gleise überspannte. Auf der Südseite befand sich eine große Güterhalle. 1869 wurde am östlichen Ende der Gleisanlagen eine Drehscheibe mit einem Durchmesser von 14m errichtet, in die die nördlichen drei Hauptgleise mündeten.
1857 hatte die PLM die Konzession zum Bau einer „Strecke von Avignon nach Gap mit Abzweigungen, [darunter] nach Aix“, erhalten. Diese Zweigstrecke von Pertuis nach Aix-en-Provence wurde am 11. Mai 1872 eröffnet.
1863 wurde der PLM zudem die Konzession zur Fortführung von Aix nach Marseille erteilt. Die Lage der 1856 errichteten Bahnhofsanlagen ließ eine direkte Verlängerung der Strecke Richtung Marseille nicht mehr zu, da östlich des Bahnhofs inzwischen dichte Bebauung existierte. Daher wurde für die Bahnstrecke (Pertuis–)Aix-en-Provence–Marseille (die Teil der Strecke Lyon–Grenoble–Marseille wurde) eine tangential zu den bisherigen Bahnhofsanlagen gelegene, von Nordwest nach Südost führende Trasse gewählt. Es wurde beschlossen, die Bahnhofsanlagen für den Personenverkehr vollständig an die neue Trasse zu verlegen. Die Bauarbeiten begannen 1875. Anfang 1876 wurde das bisherige Empfangsgebäude abgerissen, um einen Teil des Baumaterials für ein Empfangsgebäude im neuen Bahnhofsteil zu verwenden. Auch die Bahnhofshalle wurde demontiert.
Seit der Eröffnung des Streckenabschnitts Aix-en-Provence–Marseille am 13. Oktober 1877 wird für den Personenverkehr ausschließlich der neue Bahnhofsteil genutzt. In diesem wurden mehrere Bahnsteiggleise (davon zwei unter einer Bahnsteighalle), Nebengleise für die Fahrzeugbehandlung und ein neues, auf der Nordostseite der Gleise gelegenes Empfangsgebäude, aber keine Anlagen für den Güterverkehr errichtet. Der ältere Bahnhofsteil blieb für den Güterverkehr erhalten. Westlich der bestehenden Güterhalle wurde dort in den 1870er-Jahren ein zusätzlicher, etwas kleinerer Güterschuppen errichtet. Wiederum westlich der beiden Güterschuppen wurde etwa zur selben Zeit ein Ringlokschuppen mit Drehscheibe als Bahnbetriebswerk gebaut.
1903 eröffnete die PLM die Bahnstrecke Salon-de-Provence–La Calade-Éguilles, die sieben Kilometer nördlich von Aix-en-Provence auf die Strecke aus Pertuis traf. Die Personenzüge aus Salon wurden überwiegend bis Aix geführt.
Zum 1. Januar 1938 wurde die SNCF als Nachfolger der PLM der Betreiber des Bahnhofs Aix-en-Provence. Im Dezember 1938 stellte die SNCF den Personenverkehr auf der Strecke aus Salon und am 18. April 1939 auch auf der Strecke aus Rognac ein. Mit dem Ende der Dampftraktion entfiel nach dem Zweiten Weltkrieg der Bedarf für das Bahnbetriebswerk; die Drehscheibe wurde um 1960 abgebaut.
Im neueren Bahnhofsteil wurde Anfang der 1970er-Jahre die Bahnhofshalle demontiert.
1973 wurde das Industriegebiet in Les Milles, südwestlich von Aix, durch eine von der SNCF betriebene, von der Strecke Rognac–Aix-en-Provence abzweigende Anschlussbahn erschlossen. Die SNCF errichtete dort in einem als Aix-en-Provence-Marchandises bezeichneten Bereich auch Ladestraßen und Laderampen. In den folgenden Jahren wurde der bisher im Bahnhof Aix-en-Provence durchgeführte Umschlag schrittweise nach Les Milles verlagert, woraufhin ab 1978 der städtische Busbahnhof vor und in der neueren Güterhalle des Bahnhofs Aix-en-Provence angelegt wurde. 1980 wurden schließlich alle Gleise im Bahnhofsteil von 1856 abgebaut, woraufhin der Busbahnhof vergrößert und Parkplätze auf dem übrigen Gelände angelegt werden konnten. Nach dem Umzug des Busbahnhofs an den südlich der Strecke nach Marseille gelegenen aktuellen Standort wurde das frühere Bahnhofsgelände in den 2000er-Jahren durch das Einkaufszentrum Les Allées bebaut. Auf dem Gelände des früheren Lokschuppens entstand das 2007 eröffnete Grand Théâtre de Provence.
1997 wurde der Bahnhof zusammen mit der übrigen SNCF-Infrastruktur Teil des staatlichen Infrastrukturunternehmens Réseau ferré de France (RFF). Seit dessen Auflösung zum 31. Dezember 2014 ist SNCF Réseau der Betreiber des Bahnhofs. Die Anlagen für den Personenverkehr werden durch den SNCF-Réseau-Geschäftsbereich SNCF Gares & Connexions betreut.
Der verbliebene Bahnhofsteil von 1877 wurde in den Jahren 2018 bis 2021 komplett modernisiert. Unter anderem wurden dabei die fünf Hauptgleise nach Südosten verlängert, die 2007 anstelle des ebenerdigen Zugangs errichtete Personenüberführung zum zweiten (südlichen) Mittelbahnsteig verlängert und das Empfangsgebäude um einen Anbau ergänzt.
Betrieb und Verkehr Personenverkehr Angebot Der Bahnhof Aix-en-Provence wird im Schienenpersonennahverkehr durch Transport-express-régional-Züge des regionalen Systems TER Provence-Alpes-Côte d'Azur bzw. TER Zou! bedient: Linie 12: Marseille–Aix-en-Provence–Pertuis mit allen Zwischenhalten: Halbstundentakt zwischen Marseille und Aix-en-Provence, etwa fünf Zugpaare pro Tag von und nach Pertuis. Linie 13: Marseille–Aix-en-Provence–Gap–Briançon: Etwa fünf Zugpaare pro Tag
Eisenbahnverkehrsunternehmen dieser rund 100 Zugfahrten pro Tag ist SNCF Voyageurs.
Fahrgastzahlen JahrFahrgäste 2015 1.011.615 2016 998.093 2017 1.106.279 2018 769.147 2019 542.347 2020 189.752 2021 276.414 2022 603.811 2023 776.483 2024 938.858
Güterverkehr Güterumschlag findet im Bahnhof Aix-en-Provence seit 1980 nicht mehr statt. Die den Bahnhof berührenden Strecken können prinzipiell für den Güterverkehr genutzt werden.
Weblinks
Einzelnachweise
Aix Kategorie:Bauwerk in Aix-en-Provence Kategorie:Erbaut 1856 Aixenprovence Kategorie:Verkehrsbauwerk im Département Bouches-du-Rhône