Seloua Luste Boulbina (* 1957) ist eine französisch-algerische Philosophin und Politikwissenschaftlerin, deren Arbeiten koloniale und postkoloniale Fragestellungen sowie politische, kulturelle, epistemische und künstlerische Dimensionen der Dekolonisierung behandeln. Sie forscht am Laboratoire du changement social et politique (LCSP) der Université Paris Cité und wird als Spezialistin der postkolonialen Studien beschrieben. Leben Seloua Luste Boulbina wurde in Frankreich als Tochter einer französischen Mutter und eines algerischen Vaters geboren und wuchs im gerade unabhängig gewordenen Algerien auf. Von 1989 bis 1992 war sie am Institut Pierre-Mendès-France als attachée scientifique pour la recherche tätig und von 1990 bis 2005 lehrte sie politische Theorie am Institut d’études politiques de Paris. Von 2010 bis 2016 war sie Programmdirektorin am Collège international de philosophie in Paris.
Wirken Ausgehend von persönlichen Erfahrungen und philosophischen Untersuchungen thematisiert Luste Boulbina in L’Afrique et ses fantômes. Écrire l’après (2015) die physischen, intellektuellen und psychologischen Nachwirkungen der Kolonisierung auf beiden Seiten des Mittelmeers. Sie unterscheidet dabei zwischen dem Postimperialen, welches die ehemaligen Metropolen betrifft, und dem Postkolonialen, das sich auf die ehemals Kolonisierten und die Wiederherstellung verweigerter Subjektivitäten bezieht. Ihr Verständnis von Dekolonisierung geht über formale politische Unabhängigkeit hinaus und umfasst auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Dimensionen. In Les Miroirs vagabonds ou la décolonisation des savoirs (2018) entwickelt sie eine Philosophie der Dekolonisierung der Wissensformen, in der Kunst, Literatur und Philosophie als Felder erscheinen, auf denen koloniale Vergangenheiten bearbeitet und überschritten werden können. In Le Singe de Kafka et autres propos sur la colonie betrachtet sie die Kolonie aus der Perspektive derjenigen, die unter ihr gelitten haben, und macht sie zu einem philosophischen Gegenstand, der sonst häufig historisch behandelt wird. In Alger-Tokyo. Des émissaires de l’anticolonialisme en Asie (2022) untersucht sie die Beziehungen algerischer Unabhängigkeitsakteure nach Asien und Japan sowie die Rolle dieser Kontakte bei der Herausbildung einer afro-asiatischen Achse des Antikolonialismus. In Sortir de terre. Une philosophie du végétal (2025) erweitert sie ihre dekoloniale Philosophie auf das Verhältnis zwischen Menschen und Pflanzen und bezieht dabei auch Wissensformen aus Afrika, Ozeanien und der Karibik ein.
Einzelnachweise
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