Gloydius ussuriensis ist eine giftige Schlangenart aus der Unterfamilie der Grubenottern (Crotalinae). Das Verbreitungsgebiet umfasst den Fernen Osten Russlands, den Nordosten Chinas sowie die Koreanische Halbinsel. Die Art besiedelt vor allem bewaldete Gebiete und Flusstäler der gemäßigten Klimazone Ostasiens und zählt in Korea zu den medizinisch bedeutenden Giftschlangen.
Merkmale mini|links|G. ussuriensis auf der Insel Jejudo Erwachsene Tiere erreichen gewöhnlich Gesamtlängen von etwa 40 bis 65 cm. Weibchen werden im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Männchen. Die Schwanzlänge beträgt etwa 12 bis 17 % der Gesamtlänge. In der Körpermitte besitzt die Art meist 21 Reihen gekielter Rückenschuppen. Die Zahl der Bauchschuppen (Ventralia) liegt zwischen 146 und 157, die der Unterschwanzschuppen zwischen 39 und 54. Die Oberlippenschilder sind gewöhnlich siebenzählig. Die Grundfärbung variiert von hell bräunlich-grau bis schwärzlich. Auf dem Rücken verläuft eine Reihe von 24 bis 33 dunklen, meist elliptischen Flecken mit heller Mitte. Diese können einander gegenüberliegen oder alternierend angeordnet sein und verleihen vielen Individuen ein zielscheibenartiges Muster. Hinter dem Auge befindet sich ein dunkler Postokularstreifen, der oberseits von einer hellen Linie begrenzt wird.
Systematik Die Art wurde 1929 von Aleksandr Adrianovich Emelianov wissenschaftlich beschrieben. Sie gehört zur ostasiatischen Grubenottergattung Gloydius. Anerkannte Unterarten werden gegenwärtig nicht unterschieden.
Verbreitung und Lebensraum Die Art kommt im Fernen Osten Russlands, insbesondere in der Region Primorje, im Nordosten Chinas sowie auf der Koreanischen Halbinsel einschließlich der Insel Jejudo vor. Gloydius ussuriensis bewohnt Flusstäler, Bachläufe, Waldränder, Gebirgswälder sowie angrenzende landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Art wird vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von etwa 1000 m nachgewiesen. In Korea zählt sie zu den am weitesten verbreiteten Grubenottern. In Jeju werden besonders häufig Feuchtgebiete, Sümpfe und Bachufer in Waldnähe genutzt. Die Tiere halten sich bevorzugt in offenen Bereichen mit Steinen oder umgestürzten Baumstämmen auf, die als Sonnen- und Versteckplätze dienen.
Lebensweise Gloydius ussuriensis ist überwiegend von April bis Oktober aktiv und verbringt die Wintermonate in frostgeschützten Verstecken.
Die Art ernährt sich opportunistisch von verschiedenen Wirbeltieren und Wirbellosen. Zu den wichtigsten Beutetieren gehören Amphibien und Nagetiere; daneben werden Reptilien, Fische, Hundertfüßer und andere Kleintiere erbeutet. Untersuchungen auf Jeju ergaben, dass Amphibien den größten Anteil der Nahrung ausmachen. Die Zusammensetzung des Beutespektrums variiert jedoch regional in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot.
Im Vergleich zu einigen verwandten Arten der Gattung Gloydius weist Gloydius ussuriensis ein breites Nahrungsspektrum auf und sucht seine Beute teilweise aktiv, während viele andere Grubenottern überwiegend als Lauerjäger agieren.
Die Art ist ovovivipar (ei-lebendgebärend). Die Paarungszeit liegt überwiegend im April und Mai. Die Jungtiere werden meist zwischen Ende August und September geboren; ein Wurf umfasst gewöhnlich zwei bis zehn Nachkommen.
Ökologie Untersuchungen südkoreanischer Populationen zeigten, dass Weibchen durchschnittlich etwas größer werden als Männchen, was innerhalb der Vipern vergleichsweise selten ist.
Die körperliche Verfassung unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen und spiegelt den Fortpflanzungszyklus sowie die Vorbereitung auf die Winterruhe wieder. Während Weibchen kurz vor der Geburt der Jungtiere ihr Maximalgewicht erreichen, ist die Kondition von Männchen unmittelbar vor Beginn der Überwinterung am besten. Die körperliche Verfassung der Tiere steht dabei mit höheren Jahresmittel- und Wintertemperaturen in Zusammenhang.
Innerhalb der Art besteht eine hohe Überschneidung der ökologischen Nische zwischen den verschiedenen Alters- und Geschlechtsgruppen. Lediglich Neugeborene nutzen teilweise abweichende Lebensräume, was möglicherweise der Verringerung innerartlicher Konkurrenz dient. Einzelne Tiere zeigen meist nur geringe Wanderbewegungen und können über längere Zeit in kleinen Streifgebieten verbleiben.
Gift Das Gift von Gloydius ussuriensis ist überwiegend hämotoxisch und verursacht vor allem lokale Gewebeschäden, Blutungen und Gerinnungsstörungen. In schweren Fällen können Nekrosen und innere Blutungen auftreten.
Innerhalb der in Südkorea vorkommenden Grubenottern zählt Gloydius ussuriensis zu den medizinisch bedeutendsten Arten. Zusammen mit Gloydius brevicaudus ist sie für einen Großteil der registrierten Giftschlangenbisse des Landes verantwortlich.
Proteomische und transkriptomische Untersuchungen zeigten, dass das Gift vor allem Schlangengift-Metalloproteasen (SVMP), Phospholipasen A2 (PLA2) und Serinproteasen enthält. Die Zusammensetzung unterscheidet sich von jener anderer koreanischer Arten der Gattung Gloydius, was als Ausdruck artspezifischer evolutionärer Anpassungen interpretiert wird.
Gefährdung Zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren zählen Lebensraumverlust und Lebensraumfragmentierung durch Urbanisierung, Straßenbau und intensive Landwirtschaft. Auf der Insel Jejudo werden zudem zahlreiche Tiere im Straßenverkehr getötet oder gezielt verfolgt. Als weitere potenzielle Bedrohung wird die Ausbreitung invasiver Arten wie der Roten Feuerameise (Solenopsis invicta) diskutiert.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Crotalinae Kategorie:Grubenottern