Georges Island (französisch Île Georges) ist eine Insel in der Halifax Regional Municipality. Sie liegt vor der Nova-Scotia-Halbinsel in der Bucht Halifax Harbour. Seit dem Bau von Fort Charlotte in der Mitte des 18. Jahrhunderts ist Georges Island Teil der Verteidigungsanlagen des Hafens von Halifax. Die Insel ist seit 1965 als National Historic Site of Canada gelistet.

Geographie Die Insel ist als Drumlin ein Relikt der letzten Kaltzeit. Sie liegt etwa 400 Meter vor der Küste der Nova-Scotia-Halbinsel. Die tropfenförmige Insel ist 360 Meter lang, 200 Meter breit und bis zu 24 Meter hoch. Sie hat eine Fläche von 5 Hektar.

Geschichte Georges Island wurde über Jahrtausende von indigenen Völkern aufgesucht. Als die ersten Europäer die Region erreichten, lebten hier Angehörige des Stammes der Mi’kmaq, die die Insel Elpaqkwitk (etwa „Wasser schwappte von den Wellen darauf“) nannten. Im 17. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Stützpunkt für europäische, insbesondere französische Fischer. Sie hieß jetzt Île Ronde oder auch Île de la Raquette („Runde Insel“ bzw. „Schneeschuhinsel“). 1746 erreichten die Reste der Expedition des Herzogs von Anville die heutige Bucht Halifax Harbour. Der Herzog starb an einem Schlaganfall und wurde auf der Île de la Raquette beigesetzt. Drei Jahre später wurden seine Gebeine aber nach Louisbourg umgebettet.

Als die Briten 1949 Halifax gründeten, erkannten sie die strategische Bedeutung der Insel, die nun zu Ehren ihres Königs George II. George’s Island genannt wurde. Schon 1850 hatten sie auf der Insel Palisaden und eine erste Batterie mit sieben Kanonen errichtet, um einen seeseitigen Angriff auf die Stadt zu verhindern. Bis 1755 wurden eine Festung mit Kavalier auf dem zentralen Hügel, eine Batterie im Nordosten und 3 Bastionen mit Brustwehr auf der Westseite der Insel angelegt. Auf der Festung gab es ein unterirdisches Pulvermagazin, ein Lagerhaus, ein kleines Offizierskasino und eine Kaserne für 40 Mann. In dieser Zeit wurden auf Georges Island auch französische Kriegsgefangene interniert.

Neben den Befestigungsanlagen gab es auf der Insel auch Lagerhäuser, die zeitweise als Gefängnis genutzt wurden. Hier wurden auch französische Seeleute festgehalten, die 1755 und 1756 von der britischen Marine bei der Kaperung französischer Schiffe gefangen genommen worden waren. Während der Deportation der Akadier diente Georges Island als Internierungslager. Zwischen 1755 und 1764 nahmen die Briten schätzungsweise 900 akadische Männer, Frauen und Kinder gefangen und hielten sie auf der Insel fest, bevor sie zwangsweise an andere Orte der Welt deportiert wurden. Zeitweise waren 300 Menschen gleichzeitig interniert.

Der Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1775 führte zur Erweiterung des Forts auf Georges Island. Bei Kriegsende war Halifax die letzte verbliebene, britische Marinebasis an der nordamerikanischen Ostküste. Der erneute Krieg gegen Frankreich, der auf die Französische Revolution folgte, war Anlass für den Bau einer stärkeren Festung auf der Insel, die nach der britischen Königin den Namen Fort Charlotte erhielt. Die Festung wurde während des Britisch-Amerikanischen Krieges um einen Martello-Turm ergänzt. Die Einführung eiserner Kriegsschiffe machte die Modernisierung der Bewaffnung und einen Umbau von Fort Charlotte notwendig. Die Arbeiten dauerten von 1864 bis 1873.

Von 1876 bis 1876 wurde am Westhang der Insel ein hölzerner Leuchtturm errichtet, der 1916 abbrannte. Sein Nachfolger ist bis heute aktiv. Als einer der ersten Leuchttürme Kanadas wurde er 1972 auf automatischen Betrieb umgestellt.

Am Ende des 19. Jahrhunderts installierten die Briten ein hochmodernes Unterwasser-Minen-System, das im Falle eines Angriffs einer feindlichen Flotte schnell Minen im Hafenkorridor auf beiden Seiten der Insel ausbringen konnte. Um sich gegen schnelle Torpedoboote verteidigen zu können, wurden moderne Hinterlader-Schnellfeuerkanonen montiert. 1906 übernahm die kanadische Regierung die Verantwortung für die Verteidigung von Halifax. Im Ersten Weltkrieg waren kanadische Truppen auf der Insel stationiert. Die letzte militärische Nutzung gab es im Zweiten Weltkrieg, als ein Flugabwehreinheit auf Georges Island stationiert war.

Georges Island wurde 1965 in die Liste der National Historic Sites of Canada aufgenommen.

Heutiger Status Obwohl die Insel 1965 in die Liste der National Historic Sites of Canada aufgenommen wurde, ist sie erst seit 2020 für die Öffentlichkeit zugänglich. Zuvor hatte die Bundesregierung mehr als 2 Millionen kanadische Dollar für den Bau eines permanenten Anlegers mit schwimmenden Stegen bereitgestellt. Die Insel kann von Juni bis Anfang Oktober an den Wochenenden und in der Hochsaison auch freitags besucht werden. Die Anreise ist mit privaten Booten und mit der Fähre der Ambassatours Gray Line möglich.

Auf Georges Island erwartet den Besucher vor allem Fort Charlotte mit seinen Batterien, Geschützstellungen, einer Kaponniere, dem Paradeplatz usw. Parks Canada bietet Führungen durch die Tunnel der Anlage an. Es gibt einen Picknickplatz und Sanitäranlagen. Die Freitage im Sommer sind Familientage, an denen Spiele und eine Schatzsuche veranstaltet werden.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Insel (Nova Scotia) Kategorie:Insel (Nordamerika) Kategorie:Insel (Atlantischer Ozean) Kategorie:Halifax (Nova Scotia) Kategorie:National Historic Site of Canada in Nova Scotia