Der Mensch und der Riese ist ein Märchen der Berber (AaTh 1640: Tapferes Schneiderlein).Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 97–102, 240–241.
Handlung Der Riese trifft einen Stier und ein Kamel, die unter den Schlägen ihres Besitzers leiden. Er fragt sie wer ihnen sowas antut und diese antworten, dass der Mensch dafür verantwortlich sei. Der Riese wird daraufhin böse und will den Menschen treffen, also zeigen sie auf diesen, der gerade dabei ist mühsam einen Baum zu fällen. Mit einem einzigen Axtschlag macht der Riese dem Menschen vor, wie man Bäume fällt, doch dieser beschwert sich, da er so um sein Vergnügen gebracht wurde, verzeiht dem Riesen aber. Er weist den Riesen an, seine Füße in die Spalte des Baumes zu stecken, damit er seine Axt herausziehen könne, was dieser auch tut, somit gefangen ist und in der Folge von dem Menschen verprügelt wird.
Nachdem er sich befreit hat, sucht der Riese erneut den Menschen auf, um ihn zu fragen, warum er das getan habe. Dieser antwortet, dass er ihn auch hätte töten können, ihn aber verschont habe und so bietet der Riese dem Menschen an, in Freundschaft bei ihm zu leben. Als der Mensch dann Feuerholz aus dem Wald holen soll, bindet er alle Bäume mit einem langen Strick zusammen. Er wartet auf den Riesen, der ihn zu suchen beginnt, als er nicht wieder zurückkehrt und erklärt diesem, dass er gleich den ganzen Wald mitnehmen will, damit er nicht andauernd Nachschub holen müsse. Der Riese verwirft den Plan, reißt einen Baum aus und stapft heim, wobei der Mensch schnell in die Zweige des Baumes springt, sich tragen lässt und am Heim angelangt meint, dass die ganze Last allein auf seinen Schultern gelegen habe.
Später soll der Mensch Wasser vom Brunnen holen, um den herum er einen Graben aushebt und an den er eine Schnur befestigt. Er wartet dann wieder auf den Riesen, der ihn abermals sucht und behauptet, dass er gleich den ganzen Brunnen mitnehmen wolle. Unzufrieden über seinen Mitbewohner trägt der Riese das Wasser heim, woraufhin sich der Mensch mit ihm im Ringkampf messen will, da er Achtung vermisse. Er macht dem Riesen weis, dass wenn seine Zunge aus dem Mund hervortritt und seine Augen aus den Höhlen hervorquellen, er überlege, wohin er seinen Widersacher werfen solle und als der Kampf beginnt und der Riese den Menschen packt, da tritt dies augenblicklich ein, woraufhin der Riese aus Angst davonläuft.
Wieder friedlich im Heim des Riesen beisammen, kann dieser nicht gut schlafen und beschließt den Menschen umzubringen. Des Nachts nimmt er einen großen Knüppel und schlägt mit einem gewaltigen Hieb auf den vermeintlich in seinem Bett schlafenden Menschen ein. Dieser hatte jedoch schon geahnt, dass dies passieren würde, einen Kessel in sein Bett gelegt und sich woanders zur Ruhe gebettet. Als der Riese am nächsten Morgen fröhlich singt, fragt der Mensch den über sein Dasein Erschrockenen, warum dieser des Nachts so getan habe, als ob er seine Braut wäre, da er ihn geküsst habe, woraufhin der Riese von der Stärke des Menschen überzeugt ist.
Sie beschließen anschließend Schafe zu stehlen, wobei der Mensch aber durch einen Dorn verletzt wird. Er wehklagt in einem fort, sodass der Riese sich die Wunde anschaut. Er wundert sich über die Jämmerlichkeit des Menschen, nimmt den Dorn, drückt ihn sich ins Auge, als ob es nichts wäre und erschlägt den Menschen mit einem einzigen Schlag.
Hintergrund Das Märchen entspricht nach Uwe Topper den beiden grimmschen Märchen Das tapfere Schneiderlein und Der Riese und der Schneider, wobei für letzteres „in der maghebinischen Fassung die Schweine natürlich durch Schafe ersetzt sein müssen, da das Schwein als unrein gilt“. In seinem Werk Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber (Köln 1986) erhielt es den Titel Der Mensch und der Riese.
Literatur Uwe Topper (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Berber. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1986, S. 97–102, 240–241.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Märchen