mini|Jorunna parva mini|Jorunna parva

Jorunna parva, im Englischen umgangssprachlich Sea Bunny („Seehäschen“, aber nicht zu verwechseln mit dem Seehasen), ist eine Art der Nacktkiemer (Nudibranchia) aus der Familie der Discodorididae. Die Art wurde erstmals 1938 von Kikutarō Baba als Thordisa parva wissenschaftlich beschrieben, später aufgrund des Vorhandenseins von Caryophyllidien und einer großen akzessorischen Drüse mit langem Stachel in die Gattung Jorunna überführt. Aufgrund ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit einem Kaninchen erlangte die Art im Jahr 2015 auf der Plattform Twitter große Popularität, insbesondere in Japan.

Beschreibung Die Art erreicht eine Körperlänge von durchschnittlich 1 cm, maximal bis zu 2,5 cm.

Der Körper ist mit Papillen bedeckt, fleischigen Auswüchsen mit sensorischer Funktion, die dem Tier das Erscheinungsbild eines pelzigen Lebewesens verleihen. Jorunna parva tritt in verschiedenen Farbvarianten auf, darunter Gelb (am häufigsten), Weiß, Orange, Braun und Grün, wobei die grüne Variante nur selten fotografisch dokumentiert wurde. Allen Farbformen gemeinsam sind schwarze Papillen, die zwischen den Papillen der jeweiligen Grundfarbe verteilt sind. Die Färbung wird vermutlich durch die Einlagerung von Pigmenten aus gefressenen Schwämmen beeinflusst. Ob die verschiedenen Farbvarianten als eigenständige Arten aufzufassen sind, ist in der Wissenschaft umstritten.

Ihre schwarz-weißen Rhinophoren ähneln optisch den Ohren eines Kaninchens. Im Unterschied zu den lamellierten Rhinophoren vieler anderer Nacktschnecken handelt es sich um massive Säulen mit flaumiger Oberfläche, die als Chemorezeptoren dem Tier helfen, Nahrung und Paarungspartner aufzuspüren. Die äußeren Kiemen befinden sich im hinteren Körperbereich.

Lebensweise

Ernährung Wie die meisten Vertreter ihrer Gattung ernährt sich Jorunna parva vorwiegend von giftigen Schwämmen der Familie Chalinidae, die zu den Haplosclerida gehört. Die beim Fressen aufgenommenen Giftstoffe werden nicht abgebaut, sondern über das Verdauungssystem in die Hautdrüsen transportiert und dort gespeichert. Sie dienen dem Tier als chemischer Abwehrmechanismus (Toxin-Sequestrierung). Die auffällige Körperfärbung fungiert dabei als abschreckendes Signal (Warnfärbung), das Fressfeinde auf die Toxizität hinweist. Es wird angenommen, dass diese Fähigkeit eine evolutionäre Antwort auf den Verlust der schützenden Schale darstellt. Trotz dieser Abwehr zählen Kegelschnecken, Krabben, Seehasen und andere Nacktschnecken zu den bekannten Fressfeinden.

Fortpflanzung Jorunna parva ist ein Zwitter (Hermaphroditismus), bildet also sowohl Spermien als auch Eizellen aus. Eine Selbstbefruchtung ist jedoch nicht möglich. Bei der Paarung legen sich die Tiere seitlich aneinander und tauschen wechselseitig Spermien aus. Beide Partner legen anschließend befruchtete Eier in Form bandartiger Gelege ab. Die Larven schlüpfen mit einer Schale, die während der Metamorphose abgeworfen wird.

Die Art ist semelpar, reproduziert sich nur einmal und stirbt danach. Die Lebensdauer beträgt wenige Monate bis maximal ein Jahr.

Verbreitung Die Erstbeschreibung der Art erfolgte anhand von Exemplaren aus der (ehemaligen) Provinz Kii in Japan (heute: Präfektur Wakayama und Teile der Präfektur Mie). Nachfolgende Nachweise liegen von den Philippinen, aus Tansania, Papua-Neuguinea, von den Seychellen sowie der Insel Réunion vor, wobei in einigen Fällen Zweifel bestehen, ob es sich tatsächlich um eine einzige Art oder um einen Artenkomplex handelt. Auch in Südkorea konnte die Art nachgewiesen werden.

Die Art lebt benthisch auf Korallen, Korallenriffen und felsigem Substrat in tropischen Gewässern und bevorzugt Gebiete mit reichlichem Schwammvorkommen.

Literatur Y. E. Camacho-García, T. M. Gosliner: Systematic revision of Jorunna Bergh, 1876 (Nudibranchia: Discodorididae) with a morphological phylogenetic analysis. In: Journal of Molluscan Studies. 74, 2008, S. 143–181.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hinterkiemerschnecken Kategorie:Opisthobranchia