Sylvester Louis von Phul (* 2. Januar 1878 in St. Louis, Missouri; † 25. Mai 1911 in Denver, Colorado) war ein US-amerikanischer Ballonfahrer, Amateur-Jockey und Rancher. 1909 gewann er das St. Louis Centennial Race des Aero Club of St. Louis. Seine tödliche Verwundung im Brown Palace Hotel in Denver wurde Teil eines viel beachteten Strafverfahrens gegen Frank H. Henwood und später in einer Monografie von Dick Kreck behandelt. Leben Sylvester Louis von Phul entstammte einer Familie aus St. Louis. Er war das jüngste Kind von Theodore Frederic von Phul und Elisabeth Nidelet; Henry von Phul war sein Großvater.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 37. Jahrgang, 1938, S. 423. Er besuchte die Christian Brothers College High School in St. Louis. Nach einer fünfjährigen Tätigkeit in einem Maklerbüro ging er in das Indianerterritorium, wo er auf einer Ranch arbeitete.Dick Kreck: Murder at the Brown Palace. A True Story of Seduction and Betrayal. Fulcrum Publishing, Golden 2003, Kap. 3.

Seit 1903 trat von Phul als Amateur-Jockey auf. Daneben betrieb er Automobilsport, Ballonfahrten und Ranching. 1908 begann er mit dem Ballonfahren. 1909 erhielt er die offizielle Pilotenqualifikation und gehörte zum Aero Club of St. Louis. Im selben Jahr gewann er das am 4. Oktober begonnene St. Louis Centennial Race. Richard Ferris gab die zurückgelegte Strecke 1910 mit 550 Meilen in 40 Stunden und 40 Minuten an und bezeichnete das Rennen als wichtigstes Ballonrennen des Jahres 1909 in den Vereinigten Staaten.Richard Ferris: How It Flies; or, The Conquest of the Air. The Story of Man’s Endeavors to Fly and of the Inventions by which He Has Succeeded. Thomas Nelson and Sons, New York 1910, Kap. XIII: Balloons (online).

Einer seiner Geschwindigkeitsrekorde im Ballonfahren war eine rund 700 Meilen lange Fahrt von Saint Louis nach Charleston (South Carolina) in fünfzehn Stunden. In der Rolle als Captain von Phul für den Saint Louis Aero Club unternahm er unter anderem eine viel beachtete, etwa dreistündige Ballonfahrt über den Mississippi mit der bekannten Vaudeville-Künstlerin Eva Tanguay. Insgesamt führte Phul über fünfzig unfallfreie Ballonaufstiege durch. Tage vor seinem Tod kam Phul nach Denver um eine Doppelballonfahrt über den Pikes Peak vorzubereiten.

Im Mai 1911 geriet von Phul in Denver in einen Streit mit Frank H. Henwood. Hintergrund war eine Auseinandersetzung um Isabel Springer, die Ehefrau des Bankiers J. W. Springer. Am 24. Mai 1911 schoss Henwood im Brown Palace Hotel auf von Phul; außerdem wurden George E. Copeland und J. W. Atkinson getroffen. Von Phul starb am folgenden Tag im St. Luke’s Hospital, Copeland am 1. Juni 1911.Case File Name: Frank Harold Henwood. In: History Colorado, Sam Howe Collection, MSS.199.27.146.292. Die New York Times berichtete im Juni 1911 über die anschließende Scheidungsklage J. W. Springers.Divorce follows Killing – Shooting of Von Phul by Henwood Leads to Suit by J. W. Springer. In: The New York Times, 6. Juni 1911.

Henwood wurde im Juni 1911 wegen Mordes zweiten Grades verurteilt. Nach einem neuen Verfahren erhielt er 1913 ein Todesurteil, das 1914 in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Die Denver Public Library beschrieb den Fall als monatelang stark beachtetes Ereignis in Denver. Dick Kreck behandelte ihn 2003 in der Monografie Murder at the Brown Palace.Brian K. Trembath: Denver Murderer Strikes Dapper Pose – Wow Photo Wednesday. In: Denver Public Library Special Collections and Archives, 2. November 2016.Dick Kreck: Murder at the Brown Palace. A True Story of Seduction and Betrayal. Fulcrum Publishing, Golden 2003.

Herkunft Eine früher behauptete Abstammung der amerikanischen Familie von Phul von der märkischen Familie Pfuel bzw. von Adam von Pfuel gilt wegen des abweichenden Wappens als nicht sicher.Genealogisches Handbuch des Adels. Band 93, 1988, S. 341–342.

Literatur Dick Kreck: Murder at the Brown Palace. A True Story of Seduction and Betrayal. Fulcrum Publishing, Golden 2003. Richard Ferris: How It Flies; or, The Conquest of the Air. The Story of Man’s Endeavors to Fly and of the Inventions by which He Has Succeeded. Thomas Nelson and Sons, New York 1910 (online). Henwood, Frank Harold in: Jay Robert Nash: Encyclopedia of World Crime, (D–J). 1989. S. 1521–1522. (Vorschau)

Einzelnachweise

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