Die Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft (engl. International Rosa Luxemburg Society)Die 16. wissenschaftliche Konferenz auf socialhistoryportal.org ist eine interdisziplinäre Fachgesellschaft zur Erforschung von Leben und Werk der deutschen Sozialistin Rosa Luxemburg.

Geschichte Die Gesellschaft wurde 1980 vom Japanischen Friedensforscher Narihiko Itō gegründet, in Reaktion auf internationale Spannungen und eine Verschärfung des Kalten Krieges nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Laut ihrem Gründer sollte die Gesellschaft "1. Möglichkeiten bieten, Forschungsergebnisse und Meinungen über Rosa Luxemburg frei auszutauschen, 2. die Demokratisierung des realexistierenden Sozialismus fördern, 3. kritische Standpunkte zum kapitalistischen System bündeln, und 4. den »Kalten Krieg« in der Wissenschaft überwinden helfen."

Anders als die parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) ist die Rosa-Luxemburg-Gesellschaft ein unabhängiges und interdisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk, dass einen globalen Kreis von Forschenden in den Austausch brachte – vor allem durch die alle ein bis zwei Jahre abgehaltenen "Rosa-Luxemburg-Konferenzen".

Die erste Konferenz fand im September 1980 auf Initiative von Nahiriko Ito in Zürich statt, er koordinierte das dort entstandene Netzwerk von Wissenschaftlern. Ehrenamtlicher Sekretär war zunächst der Züricher Buchhändler Theo Pinkus, und dann bis 1998 der Schweizer Historiker Markus Bürgi in Zürich, ab Januar 1999 der Berliner Historiker Ottokar Luban. Die bisher letzte Konferenz fand 2024 in Wien statt.

Zu den Referenten der Konferenzen zählten so gut wie alle namhaften Luxemburg-Forscher der letzten Jahrzehnte, darunter der Herausgeber der englischen Ausgabe der Luxemburg-Werke Peter Hudis, die Luxemburg-Biographin Annelies Laschitza, die Politikwissenschaftler Michael Krätke und Ingo Schmidt oder der Ökonom Theodor Bergmann. Die marxistisch-feministische Soziologin Frigga Haug trat seit Ende der 1980er Jahre auf mehreren Konferenzen auf und entwickelte aus ihren Vorträgen das 2007 erschienene Werk "Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik".

Eine Besonderheit der Konferenzen ist ihre globale Reichweite. Begonnen als Ost-West Dialog bezogen sie nicht nur den deutsch- und englischsprachigen Raum ein, sondern auch die asiatische, nord- und osteuropäische Forschungslandschaft. Hervorzuheben ist ebenfalls die Interdisziplinarität der Tagungen, die Forschende aus Geschichts-, Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaften zusammenführten.

Die an wechselnden Orten stattfindenden wissenschaftlichen Konferenzen der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft sind nicht zu verwechseln der gleichnamigen aktivistischen Rosa-Luxemburg-Konferenz, die jedes jahr in Berlin stattfindet und aus dem Umfeld der Tageszeitung Junge Welt organisiert wird.

Konferenzen 1980: ZürichEine Aufstellung der Konferenzen der Jahre 1980–2000 findet sich hier: 1981: Linz 1983: Paris 1985: Hamburg 1989: West-Berlin 1991: Tokio 1996: Warschau 1994: Peking 1998: Tampere (Finnland) 1999: Berlin 2000: Zürich 2002: BochumDimitrij Owetschkin: Internationale Rosa Luxemburg-Konferenz 2002, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Nr. 1/2003. 2004: Guangzhou (China)Bericht in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2006, S. 237–244 2007: Tokio 2009: Berlin 2011: Moskau 2015: Seoul 2018: Chicago 2023: Bodø (Norwegen) 2024: Wien

Konferenzbände (Auswahl) Narihiko Ito, Annelies Laschitza, Ottokar Luban (Hrsg.): Rosa Luxemburg. Ökonomische und historisch-politische Aspekte ihres Werkes, Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft in Tokio, April 2007, und Berlin, Januar 2009, Karl Dietz Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-320-02233-4. Narihiko Ito, Theodor Bergmann, Stefan Hochstadt, Ottokar Luban (Hrsg.): China entdeckt Rosa Luxemburg. Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft in Guangzhou am 21./22. November 2004, Karl Dietz Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-320-02101-6. Rosa Luxemburg und die Arbeiterbewegung, Heft 29 des Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 2003 (Volltext hier) [zur Konferenz in Bochum 2003]. Narihiko Ito, Annelies Laschitza und Ottokar Luban (Hrsg.): Rosa Luxemburg im internationalen Diskurs. Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft in Chicago, Tampere, Berlin und Zürich (1998–2000), Karl Dietz Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-320-02033-0. Rosa Luxemburg Tokyo Kokusai Symposium Jikko Iinkai (Hg.): Rosa Luxemburg to gendai sekai: Tokyo Kokusai Symposium Hokoku−shu (= Internationales Rosa Luxemburg Symposium Tokio), Shakaihyoronsha. Tokio 1994 [Zur Konferenz in Tokio 1991]. Theodor Bergmann, Jürgen Rojahn, Fritz Weber (Hrsg.): Die Freiheit der Andersdenkenden. Rosa Luxemburg und das Problem der Demokratie. Hamburg 1995, ISBN 978-3-87975-676-6 [zur Konferenz in Peking 1994]. Theodor Bergmann, Wolfgang Haible (Hrsg.): Reform – Demokratie – Revolution. Zur Aktualität von Rosa Luxemburg, VSA Verlag, Hamburg 1997 (Supplement der Zeitschrift „Sozialismus“ 5/97), ISBN 3-87975-921-9 [zur Konferenz in Warschau 1996]. Claudie Weill, Gilbert Badia (Hrsg.): Rosa Luxemburg aujourd’hui, Verlag Pu Vincennes, Paris 1986 [zur Konferenz in Paris 1983]. Die Linie Luxemburg-Gramsci. Zur Aktualität und Historizität marxistischen Denkens, Berlin/Hamburg 1989, Argument-Sonderband 159, ISBN 978-3-88619-159-8 [zur Konferenz in Hamburg 1985].

Weblinks

Rosa Luxemburg in China 2004 Dokumentarfilm über die Rosa-Luxemburg-Konferenz in Guangzhou 2004

Einzelnachweise

Kategorie:Rosa Luxemburg als Namensgeber Kategorie:Wissenschaftliche Gesellschaft Kategorie:Gegründet 1980