Günter Grunwald (* 30. Oktober 1924 in Düsseldorf; † 6. November 2011 in Bonn) war ein deutscher Historiker und Gewerkschafter. Er war von 1956 bis 1986 Geschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Leben Grunwald absolvierte die Volksschule und Höhere Schule, bevor er 1942 mit dem Notabitur zur Wehrmacht eingezogen wurde. Als Panzergrenadier erhielt er die Ausbildung zum Funker und Decodierer. Er wurde zuerst eineinhalb Jahre an der Front in Russland, dann in Frankreich eingesetzt. Grunwald wurde am 21. November 1944 in Lothringen verwundet und in ein Lazarett in Bregenz verlegt. Trotz der Verwundung wurde er nach Villach und anschließend im März 1945 nach Torgau abkommandiert. 1945 desertierte er, um nicht in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten. Nach der Gefangennahme durchlief er verschiedene Lager und wurde im Juli 1945 freigelassen. Er kehrte nach Düsseldorf zurück und machte 1946 sein endgültiges Abitur. Nach dem Krieg trat er in die SPD ein.

An der Universität Köln nahm Grunwald ein Studium von Geschichte, Geographie und Politischer Wissenschaft auf. Er studierte und promovierte 1951 nach nur acht Semestern beim Historiker Theodor Schieder. Sein Dissertationsthema lautete »Ludovicus Settala. Ein Lehrer der Staatsräson in Italien 1552–1633«.

Grunwald arbeitete seit 1952 beim DGB-Bundesvorstand unter Leitung von Ludwig Rosenberg. Dort war er zuständig für Auswanderungspolitik und die Betreuung der Sozialreferenten. Danach war er Leiter der Abteilung unter dem DGB-Vorsitzenden Walter Freitag und dort auch zuständig für die Beziehungen des DGB zum SPD-Parteivorstand für auswärtige Fragen sowie für die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und den europäischen Gremien. Seit Mai 1956 bis April 1957 war Grunwald Kulturreferent im SPD-Parteivorstand.

1956 wurde er Gründungsgeschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) bei ihrer Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er leitete die FES von 1956 bis 1986 als Geschäftsführer und war verantwortlich für den Neuaufbau der in den 1920er Jahren gegründeten Stiftung, prägte sie über dreißig Jahre lang. Seine Arbeit umfasste den Aufbau einer Infrastruktur für die politische Bildungsarbeit in Deutschland, den Ausbau eines Netzwerkes von Auslandsbüros für die internationale Entwicklungszusammenarbeit und die Gewerkschaftskooperation. Dem Vorstand der Stiftung gehörte er bis 2004 an. Grunwald gehörte der Deutschen UNESCO-Kommission als Mitglied des Vollzugsausschusses an.

Grunwald unterstützte maßgeblich das von Georg Eckert 1961 ins Leben gerufene, bis heute erscheinende „Archiv für Sozialgeschichte. Jahrbuch der Friedrich-Ebert-Stiftung“ sowie die ebenfalls von Eckert initiierte Gründung des Instituts für Sozialgeschichte Braunschweig e. V. 1962.Siehe den Personeneintrag Eckert, Georg Josef Fedor in der Deutschen Biographie

Werk Kurz nach der Eröffnung der ersten Heimvolkshochschule der FES 1956 in Bergneustadt wurde Günter Grunwald als erster Geschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung eingestellt. Er entwickelte die Stiftung von einem Eineinhalb-Personen-Büro 1956 in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit zu einer international agierenden Institution mit fast 800 Mitarbeitenden. Er löste die FES durch eine Umstellung der Finanzierung allmählich vom direkten Einfluss der SPD.

Seine diplomatischen Fähigkeiten zeigten sich beim Einsatz für die Demokratieentwicklung in Spanien und Portugal. Günter Grunwald stellte Mário Soares und seinen im portugiesischen Untergrund arbeitenden Getreuen auf Anregung von Willy Brandt ein Haus der Stiftung in Bad Münstereifel zur Verfügung. Am 19. April 1973 wurde hier die Partido Socialista gegründet. Die FES und Günter Grunwald setzten sich ebenso in Spanien für die Überwindung des Franquismus ein.

Schriften (Auswahl) gemeinsam mit Friedhelm Merz (Hrsg.): Vorwärts 1876 bis 1976. Ein Querschnitt in Faksimiles. J.H.W. Dietz-Verlag Berlin und Bonn 1976.

Literatur Dieter Dowe, Peter Hengstenberg, Ernst J. Kerbusch (Hrsg.): Günter Grunwald und die Friedrich-Ebert-Stiftung, Verlag J.H.W. Dietz, Bonn 2012. ISBN 978-3-8012-0435-8

Weblinks

Grunwald, Günter in der Deutschen Biographie

Einzelnachweise

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