Die Medienunternehmen in Portugal umfassen öffentlich-rechtliche und private Akteure in den Bereichen Fernsehen, Radio, Zeitungen und Online-Medien. Portugal hat mit rund 10,4 Millionen Einwohnern einen Markt, auf dem einige wenige große Unternehmen dominieren. Die Medienlandschaft ist historisch stark durch den Übergang von der autoritären Diktatur des Estado Novo zur Demokratie nach der Nelkenrevolution 1974 geprägt.EurOMo (Euromedia Ownership Monitor): Portugal Country Report 2025. Tampere University / European Commission, 2025. Im World Press Freedom Index (Rangliste der Pressefreiheit) von Reporter ohne Grenzen belegt Portugal 2026 den 10. Platz von 180 Ländern.Reporter ohne Grenzen: World Press Freedom Index 2026 – Portugal Country Profile. rsf.org, 2026.

Struktur Der portugiesische Medienmarkt ist sprachlich einheitlich (Portugiesisch), unterscheidet sich jedoch grundlegend von den Märkten in Nordeuropa.Daniel C. Hallin, Paolo Mancini: Comparing Media Systems: Three Models of Media and Politics. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-54308-8. Da es in Portugal historisch keine so stark ausgeprägte Tradition des Zeitungslesens gibt, spielen Fernsehen und Radio die Hauptrolle bei der täglichen Information der Bevölkerung.Ana Pinto-Martinho, Miguel Paisana, Gustavo Cardoso: Digital News Report Portugal 2025. OberCom – Observatório da Comunicação / Reuters Institute for the Study of Journalism, Lissabon/Oxford 2025.

Seit den 2000er Jahren kämpft die Branche mit stark sinkenden Verkaufszahlen bei gedruckten Zeitungen, weniger Werbeeinnahmen und dem allgemeinen Wechsel hin zu digitalen Angeboten im Internet.Luísa Torre, Giovanni Ramos, Mateus Noronha, Pedro Jerónimo: Sourcing Local Information in News Deserts. In: Journalism and Media. Band 5, Nr. 3, 2024, S. 1228–1243, doi:10.3390/journalmedia5030078.Elsa Costa Silva: O futuro da imprensa portuguesa: há lugar para o Estado? In: Observatorio (OBS*). Band 13, Nr. 3, 2019, doi:10.15847/obsobs13320191401.

Typisch für den portugiesischen Medienmarkt sind: Private Zeitungen, Radios und Fernsehsender gehören größtenteils einigen wenigen, großen nationalen Medienkonzernen (wie Grupo Impresa, Media Capital und Medialivre). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Rádio e Televisão de Portugal (RTP) teilt sich den Markt mit zwei finanzstarken privaten Fernsehnetzwerken (SIC und TVI). Es gibt eine im südeuropäischen Vergleich traditionell hohe Pressefreiheit, die jedoch durch die wirtschaftliche Krise der Verlage und schlechter werdende Arbeitsbedingungen für Journalisten unter Druck gerät.Jorge Fidalgo: Portugal: Impoverished media struggling for survival. In: J. Fidalgo (Hrsg.): Media Landscapes: Western Europe. DiVA Portal, 2021, S. 297–301 Volltext online.Centre for Media Pluralism and Media Freedom (CMPF): Open-Access-Reports Media Pluralism Monitor 2025 – Country Report: Portugal. European University Institute, Florenz 2025.

Printmedien

Zeitungsmarkt Gedruckte Tageszeitungen erreichen in Portugal deutlich weniger Menschen als in Nordeuropa. Der Markt konzentriert sich fast vollständig auf die beiden großen Ballungsräume rund um Lissabon und Porto. In den letzten zwanzig Jahren sind die Verkaufszahlen massiv eingebrochen. Viele Traditionszeitungen mussten ihr Erscheinen einstellen oder bieten ihre Artikel nur noch rein digital im Internet an.Intermeios / APCT (Associação Portuguesa para o Controlo de Tiragem e Circulação): Relatório Anual de Circulação de Imprensa (2004–2024). Zusammengefasst in: OberCom – Observatório da Comunicação: A Evolução Média der Circulação Impressa em Portugal, Lissabon 2024, S. 8–15. Für den kulturhistorischen Vergleich zu Nordeuropa siehe auch: Daniel C. Hallin, Paolo Mancini: Comparing Media Systems, Cambridge 2004, S. 90–93.

Die wichtigsten überregionalen Tageszeitungen sind: Público (gegründet 1990): Eine landesweite Qualitätszeitung mit den Schwerpunkten Politik, Kultur und Wirtschaft. Sie gehört zur Sonae-Gruppe. Ihre Internet-Ausgabe hat die meisten Digital-Abonnements des Landes. Diário de Notícias (gegründet 1864): Die älteste noch bestehende Tageszeitung des Landes. Sie gehört heute zur Global Media Group. Correio da Manhã (gegründet 1979): Die mit Abstand meistgekaufte und meistgelesene Tageszeitung Portugals. Als klassische Boulevardzeitung (Teil der Medialivre-Gruppe) setzt sie stark auf Sensationen, Kriminalberichte und lokale Nachrichten. Jornal de Notícias (gegründet 1888): Eine überregionale Tageszeitung mit einer sehr starken Leserschaft im Norden des Landes (Hauptsitz in Porto).

Daneben gibt es erfolgreiche wöchentliche Nachrichtenmagazine wie Visão sowie die einflussreiche Wochenzeitung Expresso (Impresa-Gruppe).

Strukturwandel und Digitalisierung Der dauerhafte Rückgang beim Verkauf gedruckter Zeitungen bedroht die Verlage in ihrer Existenz. Die Bereitschaft der Menschen in Portugal, für Nachrichten im Internet Geld auszugeben, ist eher gering und liegt bei etwa 15 %.

Um darauf zu reagieren, haben große Verlage wie Impresa (für Expresso) oder Sonae (für Público) schon früh Bezahlschranken (Paywalls) auf ihren Webseiten eingeführt. Ein großes wirtschaftliches Problem bleibt jedoch, dass die digitalen Werbeeinnahmen größtenteils an globale Plattformen wie Google und Meta fließen. Die Einnahmen aus Internet-Abos können die Verluste aus dem gedruckten Anzeigengeschäft bisher nicht ausgleichen.Ana Pinto-Martinho, Miguel Paisana, Gustavo Cardoso: Digital News Report Portugal 2025. OberCom – Observatório da Comunicação / Reuters Institute for the Study of Journalism, Lissabon/Oxford 2025, S. 28–32 (Kapitel zu digitalen Geschäftsmodellen und der Plattformökonomie). Siehe auch: Elsa Costa Silva: O ecossistema dos média em Portugal: modelos de negócio e dependência das plataformas. In: Comunicação e Sociedade, Band 43, 2023, S. 77–84, doi:10.17231/comsoc.43(2023).4321.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: RTP Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird von der staatlichen Aktiengesellschaft Rádio e Televisão de Portugal (RTP) betrieben. Sie gehört vollständig dem portugiesischen Staat. Damit die Politik keinen Einfluss auf die Inhalte nimmt und die Unabhängigkeit der Nachrichten gesichert bleibt, gibt es ein unabhängiges Aufsichtsgremium (den Conselho Geral Independente – CGI). Dieses Gremium überwacht und bewertet die Arbeit des Vorstands.Rádio e Televisão de Portugal, S.A.: Relatório de Governo Societário 2024, S. 4–9 Online verfügbar, abgerufen am 28. Mai 2026.

Zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehören die großen Hauptsender RTP1 und RTP2 sowie die Spezialprogramme RTP3 (Nachrichten), RTP Memória (Archiv und Kultur) und die Auslandssender RTP Internacional und RTP África. Im Radio betreibt die RTP drei landesweite Hauptprogramme: Antena 1 (Information und Sprache), Antena 2 (klassische Musik und Kultur) und Antena 3 (Pop- und Jugendkultur) sowie Sender für das Ausland (RTP África, RTP Mundo).

Das Geld für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommt aus zwei Quellen: zum einen aus Werbeeinnahmen (vor allem auf dem Sender RTP1), zum anderen aus einer Rundfunkgebühr namens Contribuição para o Audiovisual (CAV). Diese Gebühr wird direkt über die Stromrechnung der Haushalte eingezogen. Das sorgt dafür, dass fast jeder bezahlt und der Sender nicht direkt vom Geld aus dem Staatshaushalt abhängig ist.Pedro Abreu: Monitoring media pluralism in the digital era: Media Pluralism Monitor 2022 – Country Report: Portugal. Centre for Media Pluralism and Media Freedom (CMPF), EUI Cadmus, 2023, S. 12–15 PDF.

Privates Fernsehen Der Markt für privates, kostenlos empfangbares Fernsehen über normale Antenne (Televisão Digital Terrestre – TDT) wird seit den frühen 1990er Jahren von zwei großen Sendern beherrscht. Sie haben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen viele Zuschauer abgeworben: SIC: Gegründet 1992 als erster privater Fernsehsender des Landes. Er gehört zum Medienkonzern Impresa und betreibt auch erfolgreiche Spartenkanäle im Bezahlfernsehen (wie den Nachrichtensender *SIC Notícias*). TVI: Gegründet 1993, gehört zum Konzern Media Capital. Der Sender ist vor allem für Unterhaltungsshows und Daily Soap-Serien (Telenovelas) bekannt. Zu ihm gehören auch der Nachrichtensender CNN Portugal (in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Discovery).

Zusätzlich spielt der Sender CMTV (Correio da Manhã TV, der Fernsehsender der zur Mediengruppe Medialivre gehörenden Boulevardzeitung Correio da Manhã) eine große Rolle. Er ist über Kabel und Satellit empfangbar und gehört wegen seiner Ausrichtung auf Boulevardthemen und Kriminalberichte zu den meistgesehenen Programmen im portugiesischen Bezahlfernsehen.Francisco Rui Cádima: Monitorização do Pluralismo dos Media na União Europeia – Relatório Nacional: Portugal. Observatório EMFA / European University Institute (EUI), 2025, S. 21–23 PDF. Da das kostenlose Antennenfernsehen in Portugal nur sehr wenige Sender bietet, nutzen über 85 % der Haushalte kostenpflichtige Kabel-, Glasfaser- oder Satelliten-Abos (von Anbietern wie MEO, NOS und Vodafone), über die auch die Nebensender der großen Privaten geschaut werden.

Privatradio Das private Radio erreicht in Portugal sehr viele Menschen. Die weitverbreiteten Lokalradiosender sind von einiger Bedeutung, sie werden von Regionalzeitungen, lokalen Unternehmen oder Vereinen betrieben. Auch Hochschulradios sind zu erwähnen (siehe Hochschulradio in Portugal). Der überregionale Markt wird im Wesentlichen von zwei großen Anbietern beherrscht:

Grupo Renascença Multimedia Diese Sendergruppe gehört der portugiesischen katholischen Kirche. Neben dem traditionellen Informationsprogramm Rádio Renascença betreibt die Gruppe mit RFM (aktuelle Popmusik) und Mega Hits (Jugendradio) die wirtschaftlich erfolgreichsten und meistgehörten Radiosender des Landes.

Media Capital Rádios (MCR) Die Radiosparte des Konzerns Media Capital betreibt unter anderem Rádio Comercial, das seit Jahren das meistgehörte Radioprogramm in ganz Portugal ist. Zum Unternehmen gehören auch zielgruppenspezifische Sender wie M80 Radio (Musik der 80er und 90er), Cidade FM (Hip-Hop und R&B) sowie Smooth FM (Jazz).

Zu erwähnen auch der Sender TSF, der seit 2013 zur Global Media Group gehört und mit seinen in allen Landesteilen zu empfangenden journalistischen und kulturellen Beiträgen einige Bedeutung hat.

Große Medienunternehmen Der portugiesische Medienmarkt ist so aufgeteilt, dass vier große nationale Unternehmen den Großteil des Geschäfts mit Fernsehen, Radio und Zeitungen unter sich aufteilen:

Medienkonzern Hauptbereiche Wichtige Marken und Produkte Impresa Fernsehen, Printmedien, Internet SIC, Expresso Media Capital Fernsehen, Radio, Film- und Serienproduktion TVI, CNN Portugal, Rádio Comercial, M80, Plural Entertainment Medialivre (früher Cofina Media) Boulevardpresse, Bezahlfernsehen, Internet Correio da Manhã, CMTV, Record, Jornal de Negócios, Sábado Global Media Group (GMG) Tageszeitungen, Regionalmedien, Radio Diário de Notícias, Jornal de Notícias, TSF Rádio Notícias

Diese traditionelle Struktur geriet in den Jahren 2023 bis 2025 stark in Bewegung. Das Unternehmen *Cofina Media* wurde von neuen Investoren (darunter der Fußballer Cristiano Ronaldo) gekauft und in Medialivre umbenannt.Margarida N. Bexiga: Jornalismo de revistas femininas online em processo revivalista. Instituto Politécnico de Lisboa, 2025, S. 44–46 PDF. Gleichzeitig geriet die Global Media Group (zu dem traditionsreiche Marken wie das *Diário de Notícias* und das Informationsradio *TSF* gehören) nach dem Einstieg eines undurchsichtigen Investmentfonds in eine schwere Finanz- und Führungskrise. Dies führte zu verspäteten Gehaltszahlungen, Streiks der Redaktionen und dem erzwungenen Verkauf mehrerer Regionalzeitungen.

Medienkonzentration, „Nachrichtenwüsten“ und unsichere Jobs