mini|hochkant|Günther Seibert (2025) Günther Seibert (* 12. September 1936 in München) ist ein deutscher Diplomat im Ruhestand. Er war von 1992 bis 1997 erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Slowenien und von 1997 bis 2001 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei der Abrüstungskonferenz in Genf.
Schule und Universität Im Jahr 1942 wurde Günther Seibert an einer staatlichen Grundschule in Freilassing eingeschult 1949 wechselte er auf die neusprachlich und technisch ausgerichtete Oberrealschule in Salzburg.Lebenslauf von Dr. Günther Seibert, Botschafter a.D., abgerufen am 14. Mai 2026. Dort bestand er 1956 die Matura.
Noch im selben Jahr begann Seibert ein Studium der Handelswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien, wo er auch Serbokroatisch erlernte. 1961 schloss er das Studium als Diplom-Kaufmann ab. 1962 wurde er mit einer volkswirtschaftlichen Arbeit über die Auswirkung von Wechselkursen zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1962 bis 1963 absolvierte er an der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) ein Postdoktorandenstudium in Bologna.
Neben dem Studium war Seibert sportlich aktiv: 1961 errang er den Titel des Bayerischen Meisters im Diskuswerfen für den TSV Freilassing.
Diplomatischer Dienst Im April 1963 trat Günther Seibert nach erfolgreichem Bestehen des Auswahlverfahrens in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland ein und absolvierte die Diplomatenschule in Bonn. Noch im selben Jahr wurde er als Attaché und Referendar an die Deutsche Botschaft in Rabat in Marokko versetzt. 1966 übernahm er die Leitung der Abteilung für WirtschaftHinweise bei Google Books, abgerufen am 14. Mai 2026. in der Deutschen Botschaft in Saigon, Südvietnam,Thomas Wittke: Ein Funktelefon sichert den ständigen Kontakt. Günther Seibert ist neuer Generalkonsul in Slowenien. Berufung traf ihn unvorbereitet. In: General-Anzeiger, 8. November 1991, S. 4. damals herrschte der Vietnamkrieg. 1969 wechselte er zur Deutschen Botschaft in Belgrad, Jugoslawien, um 1973 in die Zentrale des Auswärtigen Amts nach Bonn zurückzukehren.
1977 versetzte das Auswärtige Amt Seibert an die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Dort blieb er bis 1980. 1981 kehrte er nach Bonn zurück. 1985 wurde Seibert erneut nach Brüssel versetzt, diesmal zum NATO-Hauptquartier, wo er Leiter eines Referats für Fragen der nuklearen Abrüstung war. 1988 kehrte er in die Bonner Zentrale des Auswärtigen Amts zurück. In Bonn leitete er das Referat, das sich mit Abrüstungsfragen befasste.
Im November 1991 entsandte Außenminister Hans-Dietrich Genscher Seibert als Generalkonsul nach Ljubljana in Slowenien, um dort ein Generalkonsulat aufzubauen, das nach der völkerrechtlichen Anerkennung des neuen Staates in eine Botschaft umgewandelt werden sollte. Einem Genscher-Vertrauten zufolge galt er als „exzellenter Vertreter des Hauses, abgeklärt, zupackend und von einer ungeheuren Arbeitsdisziplin“.
Am 27. Dezember 1991 übergab Seibert als Generalkonsul das Anerkennungsschreiben von Bundespräsident Richard von Weizsäcker an die Republik Slowenien, mit dem die Bundesrepublik Deutschland – als erstes EG-Mitglied – die Unabhängigkeit Sloweniens anerkannte.Kroatien und Slowenien anerkannt. Bonn als Vorreiter. Die diplomatischen Beziehungen werden am 15. Januar aufgenommen. In: Nürnberger Nachrichten, 27. Dezember 1991.Weisel wird Botschafter in Zagreb, Seibert in Laibach. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Januar 1992.
Am 22. April 1992 übernahm Seibert die Geschäfte als erster deutscher Botschafter in Slowenien mit Sitz in Ljubljana. Als Botschafter warb er für Slowenien als Wirtschaftsstandort und nahm an Eröffnungsveranstaltungen westlicher Unternehmen in dem Land teil.Für Pfleiderer ist es vor 30 Jahren eine Riesensache. In: Mittelbayerische Zeitung – Neumarkter Tagblatt, 13. Oktober 2023, S. 19. 1996 ernannte ihn die Gemeinde Vodice zum Ehrenbürger. Seine Dienstzeit in Ljubljana endete 1997.
Im Mai 1997 übernahm Seibert den Posten des Deutschen Botschafters und Ständigen Vertreters bei der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen. Mit dieser Position war eine rotierende, halbjährliche Präsenz in Genf und New York verbunden. Seibert hatte diesen Posten bis September 2001 inne.
Im Juni 1998 trat Seibert anlässlich der Atomwaffentests von Indien und Pakistan auf einer Dringlichkeitssitzung der Abrüstungskonferenz auf. Er forderte beide Länder auf, „auf den Weg der Vernunft zurückzukehren“, den Atomwaffensperrvertrag sowie den Vertrag über einen Atomteststopp ohne Vorbedingungen zu unterzeichnen und warnte vor „schmerzhaften und andauernden Folgen“.Pierre Simonitsch, André Kunz: Einstimmige Kritik an den Bomben. Die internationale Abrüstungskonferenz appelliert an Indien und Pakistan, auf weitere Atomwaffenversuche zu verzichten. In: Tages-Anzeiger, 3. Juni 1998, S. 11.Kernwaffen-Versuche. Abrüstungskonferenz verurteilt Tests. In: Mitteldeutsche Zeitung, 03.06.1998.Indien und Pakistan sollen Abkommen über Atomteststopp unverzüglich beitreten. In: Handelsblatt, 3. Juni 1998, S. 3. Im November 1998 stimmte Seibert auf Weisung des neuen Außenministers Joschka Fischer auf der UN-Generalversammlung einem Vorschlag von Ländern des Globalen Südens zu, der den Ersteinsatz von Atomwaffen (First Use) für alle Nuklearmächte ausschließen sollte (siehe Verzicht auf den Ersteinsatz). Das war eine Abkehr von der bisherigen deutschen Praxis.Peter Gräf, Friedrich Thelen: E.T. im Zwirn. In: Wirtschaftswoche, Nr. 47, 12.11.1998, S. 33.
Zum 30. September 2001 trat er in den Ruhestand.
Siehe auch Liste der deutschen Botschafter in Slowenien Liste der Botschafter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in Genf
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Botschafter in Slowenien Kategorie:Diskuswerfer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Mann