Das E-2 ist ein bemanntes Einmann-U-Boot, das in den 1970er Jahren von den Ingenieuren Pavel Gross und Jaroslav Kohout in der Schweiz entwickelt wurde. Das Tauchboot gilt als eines der kleinsten bemannten U-Boote seiner Zeit und wurde für wissenschaftliche Forschung, Unterwasserinspektionen, Bergungsarbeiten sowie Wracksuchen eingesetzt.
Die Konstruktion entstand im Kanton Aargau unter Einhaltung der Sicherheitsstandards der Klassifikationsgesellschaft "Det Norske Veritas". Ziel der Entwickler war ein möglichst kompaktes, kostengünstiges und unabhängig von einem Mutterschiff einsetzbares Tauchboot. mini|E-2 im Technischen Museum Brünn
Geschichte Die Zusammenarbeit von Pavel Gross und Jaroslav Kohout begann 1968 in der Schweiz. Gross verfügte bereits über Erfahrung im Bereich der Unterwassertechnik. 1965 entwickelte er in Prag das Unterwasserhaus „XENIE“, das für mehrtägige Aufenthalte in der Adria genutzt wurde.
In den folgenden Jahren arbeiteten Gross und Kohout an einem Kleinst-U-Boot, das unter möglichst einfachen Bedingungen betrieben werden konnte. Die Entwicklung erfolgte grösstenteils in Eigenarbeit in einer Garage. Zahlreiche technische Systeme mussten aufgrund der kompakten Bauweise neu entwickelt werden.
1976 wurde zunächst das Modell E-1 vorgestellt. Daraus entstand später das verbesserte Modell E-2 mit veränderter Sichtkuppel und optimierter Technik. Drei Exemplare wurden gebaut und international eingesetzt.
1980 entwickelten Gross und Kohout auf Basis der E-Serie das Zweimann-Forschungs-U-Boot „GEO“ für den Meeresbiologen Hans Fricke. Die Technologie wurde später in das U-Boot „JAGO“ übernommen, das bis 2021 wissenschaftlich genutzt wurde.
Trotz der zunehmenden Verbreitung unbemannter Unterwasserfahrzeuge blieb das E-2 auch Jahrzehnte nach seiner Entwicklung im Einsatz. Noch im Jahr 2026 wurde ein Exemplar in der Nord- und Ostsee verwendet. Im Mai 2026 wurde das Tauchboot zur Überholung und Modernisierung in die Schweiz überführt. Neuer Besitzer ist Silvan Paganini, der insbesondere durch die Bergungsarbeiten rund um das Dampfschiff Säntis im Bodensee bekannt wurde.
Konstruktion rechts|271x271px
Das E-2 wurde als druckstabiles Einpersonen U-Boot mit atmosphärischem Innendruck konstruiert. Der Pilot befand sich vollständig innerhalb des Druckkörpers. Die Steuerung erfolgte elektrisch über zwei unabhängig drehbare Elektromotoren.
Besonderes Augenmerk lag auf geringer Grösse, niedrigem Gewicht und einfacher Wartung. Aufgrund der kompakten Bauweise wurden zahlreiche Komponenten speziell für das Tauchboot entwickelt.
Die Einstiegsluke bestand aus einer halbkugelförmigen Acrylkuppel, die zugleich eine Rundumsicht ermöglichte. Zusätzlich verfügte das Tauchboot über ein Frontsichtfenster im Bugbereich.
Für externe Arbeitsgeräte besass das E-2 Blindflansche zur Montage zusätzlicher Ausrüstung wie Greifarme, Kameras oder Probennehmer.
Technische Daten MerkmalDatenTypEinmann-U-BootEntwicklerPavel Gross, Jaroslav KohoutMaximale Arbeitstiefe260 mBesatzung1 PersonLebenserhaltung40 StundenKabinendruckAtmosphärischLänge1,90 mBreite1,95 mHöhe1,45 mTrockengewicht630 kgWasserverdrängung750 kgNutzlastca. 120 kgReserve-Auftrieb210 kgBallast-Notabwurf40 kgSchwimmer-Auftrieb170 kgHöchstgeschwindigkeit2,7 KnotenBatterieleistung160 Ah (12 V)
Antrieb und Steuerung Das E-2 verfügte über zwei unabhängig arbeitende Elektromotoren mit jeweils 360 Watt Leistung. Die seitlich montierten Antriebseinheiten konnten vertikal um bis zu 330° geschwenkt werden. Dadurch war eine hohe Manövrierfähigkeit auch bei niedriger Geschwindigkeit möglich.
Die Energieversorgung erfolgte über Batterien mit einer Gesamtkapazität von 160 Ah bei 12 Volt.
Sichtsystem Die obere Einstiegsluke bestand aus einer halbkugelförmigen Acrylkuppel mit einem Durchmesser von 490 mm. Sie ermöglichte eine gute Rundumsicht sowohl unter Wasser als auch an der Oberfläche.
Zusätzlich verfügte das E-2 über ein Frontfenster im Bug mit einem Durchmesser von 407 mm zur Beobachtung des Arbeitsbereichs.
Sicherheits- und Rettungssysteme Das Tauchboot verfügte über mehrere unabhängige Notfall- und Rettungssysteme. Dazu gehörten:
Schwimmer ausblasen Notfall-Boje – beim festsitzenden Boot manuell ausklinken Abwurf Ballast – Ballast-Platte (45 kg) abwerfen Notausstieg (durch Fluten und verlassen der Kabine) Unterwassertelefon Blink- und Stroblicht Notatemmaske für Mund und Nase Feuerlöscher
Der Ballast konnte sowohl manuell als auch automatisch abgeworfen werden. Die automatische Auslösung erfolgte über eine „Dead Man“-Schaltung, die alle 10 min bestätigt werden musste oder bei Überschreitung der maximal zulässigen Tauchtiefe.
Ein aufblasbarer Schwimmer erzeugte zusätzlichen Auftrieb von 170 kg.
Bedeutung Das E-2 gilt als bedeutende Entwicklung im Bereich kompakter bemannter Unterwasserfahrzeuge. Die Konstruktion verband geringe Abmessungen mit hoher Sicherheit und langer Einsatzdauer. Technologien des E-2 wurden später auch bei wissenschaftlichen Tauchbooten wie „GEO“ und „JAGO“ verwendet.
Weblinks Kohout Tauchboote Archiv Film zum Bau und Einsatz der Boote, YouTube-Video
Einzelnachweise
Kategorie:U-Boot