mini|Peter Wolff(Fotografie von Franz Xaver Setzer, 1931) Peter Wolff (auch Wolf; * 4. Oktober 1911 als Hans Martin Felix Weck in Berlin; † 11. Januar 1978 in Mountain Center, Kalifornien, USA) war ein deutscher Schauspieler.
Leben und Wirken Der gebürtige Berliner war ein Sohn der Putzdirektrice Else Weck und des jüdischen Schauspielers Martin Wolff.Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Berlin IV b, Nr. 1760/1911 (vgl. Namensverzeichnis zum Geburtsregister 1911; PDF; 12 MB). 1914 heirateten seine Eltern und er erhielt den Familiennamen seines Vaters.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Schöneberg II, Nr. 58/1914 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). Die Ehe wurde 1918 geschieden. 1918 wurde er in der Kirche Zum Heilsbronnen evangelisch getauft.
Nach dem Besuch der Hohenzollern-Schule in Berlin-Schöneberg sowie der Körner-Realschule in Berlin-Tiergarten erhielt er ab seinem 16. Lebensjahr auf Empfehlung von Max Reinhardt Schauspielunterricht bei Theodor Loos, Hans Adalbert Schlettow und Hermann Vallentin und legte sich den Künstlernamen Peter Wolff zu – möglicherweise eine Hommage an seinen Förderer Peter Martin Lampel. Seinem Debüt am Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz folgten Engagements an weiteren hauptstädtischen Bühnen wie dem Lessingtheater, dem Berliner Theater und dem Deutschen Theater samt dessen Kammerspielen. Vorerst noch in Jungenrollen besetzt, ging er alsbald zum Fach des jugendlichen Liebhabers und Charakterdarstellers über. Ferner wirkte er am Kabarett der Komiker und arbeitete als freier Schriftsteller für Zeitungen.
Bereits 1929 stand Wolff zum ersten Mal auch vor der Kamera: Sein Debüt gab er noch beim Stummfilm in Georg Asagaroffs sozialkritischer Revolte im Erziehungshaus, einer Adaption von Peter Martin Lampels gleichnamigem Bühnenstück, bei dessen Uraufführung Wolff ebenfalls mitgespielt hatte. Während er an der Bühne meist Hauptrollen erhielt, musste er sich beim Film mit kleineren Parts begnügen. Auf das Profil des vorwitzigen Halbwüchsigen – häufig mit komischem Einschlag – abonniert, drehte er 1931 unter anderem die Komödie Ich geh’ aus und Du bleibst da unter Hans Behrendt sowie die Satire Der brave Sünder unter Fritz Kortner.
Presse und Kritik äußerten sich bis zum Schicksalsjahr 1933 durchweg lobend über Wolffs künstlerische Leistungen. Thomas Mann schrieb nach dem Besuch einer Aufführung von Jacques Devals Salonkomödie Etienne in der Berliner Tribüne an den Regisseur Eugen Robert: „Das Zusammenspiel von [Oskar] Sima, Maria Fein und Peter Wolff ist eine Sehenswürdigkeit. Besonders dem ausgezeichneten Herrn Peter Wolff, dessen künstlerisches Wachstum ich mit Vergnügen verfolge, scheint die Titelrolle ja geradezu auf den Leib geschrieben.“LABO, Abteilung I – Entschädigungsbehörde des Landes Berlin, Entschädigungsakte Nr. 23 383 (Peter Norman), Brieffragment von Thomas Mann an Eugen Robert, o. D. Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung hetzte hingegen der braune Angriff anlässlich der Uraufführung von Erichs Engels’ Gruselfilm Geheimnis des blauen Zimmers über Wolff in der Rolle des Mörders: „Den haltlosen Burschen in diesem Stück, eine muffige, von Komplexen geplagte Existenz, spielte Peter Wolf [sic], der schon einmal im Theater am Schiffbauerdamm durch zügellosen Zynismus und reichlich feminines Gebaren unangenehm auffiel.“Der Angriff, 14. Dezember 1932.
Nach Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1933 über den gemäß NS-Rassenideologie als „Halbjude“ geltenden Peter Wolff das Auftrittsverbot verhängt. 1935 ging er nach Wien, wo er Arbeit beim Radio fand. Da er hiervon seinen Lebensstil nicht bestreiten konnte und über seine Verhältnisse lebte, wurde er Anfang 1936 wegen Betrugsdelikten festgenommen. Anschließend versuchte er sich in Belgien als Antiquitätenhändler durchzuschlagen. Während seines dortigen Aufenthalts ereilte ihn 1939 die Ausbürgerung aus dem Deutschen Reich.Deutscher Reichsanzeiger, 17. November 1939, S. 2 (online beim Deutschen Zeitungsportal). Nach dem deutschen Überfall auf die Benelux-Staaten im Mai 1940 flüchtete er – nunmehr staatenlos – weiter nach Frankreich und meldete sich zur Fremdenlegion. Als beim Westfeldzug auch Frankreich eingenommen und besetzt wurde, deportierte man Wolff mit zahlreichen anderen belgischen Flüchtlingen ins Konzentrationslager Saint-Cyprien, von wo er sich im Sommer 1940 zunächst nach Canet-en-Roussillon und anschließend nach Spanien absetzte. Dort wiederum polizeilich aufgegriffen, wurde er im Konzentrationslager Miranda de Ebro interniert. Über Vermittlung von David J. Blickenstaff von der US-amerikanischen Quäkervereinigung wurde Wolff 1944 freigelassen und konnte sich in Madrid ansiedeln. Im Juni 1947 wanderte er in die USA aus. Dort arbeitete er in New York City und Los Angeles als Buchhalter.LABO, Abteilung I – Entschädigungsbehörde des Landes Berlin, Entschädigungsakten Nr. 23 382 (Else Wolff) und Nr. 23 383 (Peter Norman). Zwischenzeitlich war er 1951 vom Amtsgericht Schöneberg mit Wirkung zum Jahresende 1945 für tot erklärt worden. 1954 wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben.Amtsgericht Schöneberg, Todeserklärungssache Hans Wolff, 34 II 1257/51. Im selben Jahr nahm er anlässlich seiner Einbürgerung in den USA den Namen Peter Michel Norman an.National Archives and Records Administration, Petition for Naturalization (online bei Ancestry, kostenpflichtig).National Archives and Records Administration, Naturalization Index Cards (California, Southern District), Nr. 7 341 154 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
Nach einem schweren Schlaganfall vollständig gelähmt, war Peter Wolff ab 1956 auf Pflege angewiesen. Zu Beginn der 1970er-Jahre kehrte er kurzzeitig nach Europa zurück und lebte zunächst im südfranzösischen Grasse, dann im spanischen Urlaubsdomizil Mijas an der Costa del Sol. 1974 ließ er sich wiederum in Kalifornien nieder. Er starb 1978 in seinem Haus in der Siedlung Pinyon Crest (Mountain Center, Riverside County) an den Folgen eines Lungenkarzinoms.State of California, California Death Index 1940–1997 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
Von 1950 bis zu seinem Tod war Peter Wolff mit der Schauspielerin Karin Vengay (geb. Agnete Venge; 1921–2000) verheiratet. Sein Halbbruder Gerry Wolff arbeitete ebenfalls als Schauspieler.
Filmografie 1930: Revolte im Erziehungshaus 1931: Ich geh’ aus und Du bleibst da 1931: Seine Freundin Annette 1931: Die Schlacht von Bademünde 1931: Der brave Sünder 1931: Der Herr Bürovorsteher 1931: Der Hauptmann von Köpenick 1932: Geheimnis des blauen Zimmers 1933: Hände aus dem Dunkel 1933: Rakoczy-Marsch
Literatur Leopold Freund (Hrsg.): FF-Film-Führer. Verlag FF-Filmführer, Berlin 1931, , S. 93.
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Anmerkungen und Einzelnachweise
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